Ein Berufsleben für junge Menschen in psychischen Krisen2. August 2022 Verabschiedet sich nach 29 Jahren in den Ruhestand: Prof. Franz Resch war Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Zentrums für Psychosoziale Medizin am UKHD. (Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg) Der Ärztliche Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Heidelberg, Prof. Franz Resch, verabschiedet sich nach 29 Jahren in den Ruhestand. Prof. Franz Resch leitete 29 Jahre die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Zentrums für Psychosoziale Medizin (ZPM) am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD). In dieser Zeit entstanden unter seiner Leitung Behandlungsangebote wie die AtRisk-Ambulanz für Jugendliche mit selbstschädigendem Verhalten oder das interdisziplinäre Frühbehandlungszentrum für junge Menschen in Krisen. Sein Team unterstütze zudem die Etablierung und Auswertung verschiedener Mobbing-Projekte wie des Olweus-Präventionsprogramms an Schulen der Umgebung. Nun hat sich der 69-jährige Kinderpsychiater in den Ruhestand verabschiedet. „Professor Resch leistete sowohl strukturell als auch therapeutisch und wissenschaftlich Innovationsarbeit. Er gehörte mit seinem Team deutschlandweit zu den ersten, der sich psychischen Störungen und Krisen am Übergang zum Erwachsenwerden widmete, Studien anbot und auch konkrete Therapieangebote aufbaute“, sagte Prof. Ingo Autenrieth, Leitender Ärztlicher Direktor des UKHD. „Für diese Weitsicht und sein Engagement dankt der gesamte Vorstand des UKHD herzlich!“ „Innovationsarbeit leistete Professor Resch auch in der Lehre, erarbeitete unter anderem die psychiatrischen Lehrinhalte für den Reformstudiengang HeiCuMed und engagierte sich von 2004 bis 2014 als Studiendekan“, sagte Prof. Hans-Georg Kräusslich, Dekan der Medizinischen Fakultät. „Mit neuen Lehrangeboten weckte er das Interesse der Studierenden, sodass seine Klinik nie unter Nachwuchsproblemen litt. Dafür gebührt ihm großer Dank.“ Resch entwickelte mit seinem Team unter anderem das „Psychokit“, bei dem Studierende mit geschulten jugendlichen Schauspielpatienten Diagnose und Therapie üben können, sowie – daran angelehnt – neue, praxisorientierte Prüfungskonzepte, die sogenannte Psycho-OSCE, bei der die Studierenden ihr Wissen an verschiedenen praktischen Prüfungsstationen zeigen können. Bis zur Neubesetzung der Stelle des Ärztlichen Direktors wird die Klinik von Dr. Eginhard Koch, Reschs langjährigem Stellvertreter, kommissarisch geleitet. Vorreiterrolle mit Ambulanz für Risikoverhalten und interdisziplinärem Frühbehandlungszentrum Internationales Renommée erwarb sich die Klinik unter Reschs Leitung mit wissenschaftlichen Arbeiten zu selbstverletzendem Verhalten bei Jugendlichen – darunter große europäische Studien wie der SEYLE-Studie – sowie Borderline-Syndrom und Psychosen der Adoleszenz. „Selbstschädigendes und Risikoverhalten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen war in den 1990er-Jahren noch ein Einzelfallthema, heute findet es glücklicherweise größere Beachtung“, konstatiert Resch. So zeigte die SEYLE-Studie, deren deutsches Studienzentrum Heidelberg war, dass rund ein Drittel der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler bereits Erfahrung mit Selbstverletzung hatten. In der Konsequenz wurde 2013 an der Klinik die Spezialambulanz für Risikoverhalten und Selbstschädigung (AtR!Sk) zur Einschätzung, Diagnostik und Behandlung von riskantem und selbstschädigendem Verhalten bei Jugendlichen im Alter bis 17 Jahren eingerichtet – ein bis dato bundesweit einmaliges niederschwelliges Angebot für betroffene Familien. Schule machte außerdem das bereits 2003 von Resch ins Leben gerufene „Frühbehandlungszentrum für junge Menschen in Krisen“, damals ebenfalls ein Novum in Deutschland: Dabei handelt es sich um ein Kooperationsmodell zwischen Kinder- und Erwachsenenpsychiatrie, das den Wechsel von der einen Zuständigkeit in die andere, verbunden mit einem Therapeutenwechsel, abfängt. „Dieser ‘Bruch der Kulturen’ ist entwicklungspsychologisch unhaltbar. Eine optimale Behandlung junger Menschen mit psychischen Erkrankungen benötigt in diesem sensiblen Alter die Expertise beider Fachrichtungen in einem gemeinsamen Behandlungskonzept“, ist Resch überzeugt. Bei der Wahl seiner Schwerpunkte habe er immer einen guten Riecher gehabt, sagt Resch. Denn mit wichtigen Themen wie Psychosen bei Jugendlichen, Selbstverletzung und interdisziplinäre Betreuung sei sein Team den Trends in der klinischen Forschung seines Fachgebiets immer zuvorgekommen. Das habe einen Vorsprung an Expertise mit sich gebracht. Sein Rat an angehende Kinder- und Jugendpsychiaterinnen und -psychiater ist daher: „Man darf sich nicht beirren lassen, wenn man an die Relevanz eines Themas glaubt. Das wird letztlich Erfolg bringen, auch wenn Fördermittel und Anerkennung zunächst woanders hinfließen.“ Seinen Ruhestand sieht Resch eher als eine „Akzentverschiebung“: In den nächsten Jahren wird er sich in der Weiterbildung therapeutischer Teams engagieren, überwiegend in Österreich und der Schweiz. Zur Person Franz Resch, geboren 1953 in Wien, studierte in Wien Humanmedizin, wo er auch promoviert und 1991 mit Arbeiten zum Thema “Therapie der Adoleszenten-Psychosen” in Psychiatrie und Neurologie des Kindes- und Jugendalters habilitiert wurde. 1993 folgte er dem Ruf nach Heidelberg. Für sein Engagement in der Lehre wurde er 2014 mit der Fakultätsmedaille der Medizinischen Fakultät Heidelberg ausgezeichnet. Er ist Mitglied mehrerer österreichischer, deutscher und internationaler Fachgesellschaften, war von 1999 bis 2013 Präsident der Deutschen Liga für das Kind in Familie und Gesellschaft, von 2001 bis 2003 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, engagierte sich unter anderem in der Sachverständigenkommission beim Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen für Nervenheilkunde (IMPP), in der Akademie für Hochschulmedizin des Medizinischen Fakultätentages sowie im Fachbeirat des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung (UBSKM).
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