Ein Bluttest kann Demenz bei Frauen bis zu 25 Jahre im Voraus vorhersagen18. März 2026 Ein neuer Bluttest kann eine Demenzerkrankung bei Frauen bis zu 25 Jahre im Voraus bestimmen. (Bild: © LIGHTFIELD STUDIOS/stock.adobe.com) Ein Bluttest könnte das Risiko für eine spätere Demenz bei Frauen bereits Jahrzehnte vor dem Auftreten erster Symptome anzeigen. In einer Langzeitstudie erwies sich der Biomarker p-tau217 als starker Prädiktor für kognitive Beeinträchtigungen und Demenz. Forschende der University of California San Diego haben einen neuartigen Blutbiomarker identifiziert, der das Risiko von Frauen, später an Demenz zu erkranken, bereits bis zu 25 Jahre vor dem Auftreten erster Symptome vorhersagen könnte. Die in „JAMA Network Open“ veröffentlichte Studie zeigt, dass erhöhte Konzentrationen des phosphorylierten Tau-Proteins 217 (p-tau217) stark mit dem späteren Auftreten von leichter kognitiver Beeinträchtigung und Demenz assoziiert waren. Untersucht wurden ältere Frauen, die zu Beginn der Studie noch keine kognitiven Einschränkungen aufwiesen. „Unsere Studie deutet darauf hin, dass wir Frauen mit einem erhöhten Demenzrisiko Jahrzehnte vor dem Auftreten von Symptomen identifizieren können“, berichtet Prof. Aladdin H. Shadyab, Erstautor der Studie. „Diese lange Vorwarnzeit ermöglicht frühzeitigere Präventionsstrategien und eine gezieltere Überwachung, anstatt abzuwarten, bis Gedächtnisprobleme den Alltag bereits beeinträchtigen.“ Langzeitdaten aus einer großen Frauenkohorte Die Ergebnisse basieren auf Daten von 2766 Teilnehmerinnen der Women’s Health Initiative Memory Study. In diese große US-amerikanische Kohortenstudie wurden Ende der 1990er-Jahre Frauen im Alter von 65 bis 79 Jahren aufgenommen und anschließend über einen Zeitraum von bis zu 25 Jahren beobachtet. Zu Studienbeginn waren alle Teilnehmerinnen kognitiv unauffällig. Die zu Beginn entnommenen Blutproben wurden Jahre später analysiert, um die Konzentration von p-tau217, einer Form des Tau-Proteins, die frühe, mit Alzheimer assoziierte Veränderungen im Gehirn widerspiegelt, zu bestimmen. Während der Nachbeobachtung identifizierten die Forschenden jene Frauen, bei denen Gedächtnis- oder Denkstörungen bis hin zu Demenz auftraten. Dabei zeigte sich: Teilnehmerinnen mit höheren p-tau217-Werten im Blut zu Studienbeginn entwickelten im späteren Leben deutlich häufiger eine Demenz. Mit steigenden Biomarkerwerten nahm auch das Erkrankungsrisiko zu; Frauen mit den höchsten p-tau217-Konzentrationen wiesen langfristig das größte Risiko auf. Einfluss von Alter, Genetik und Hormontherapie Die Analyse ergab jedoch, dass das Risiko nicht für alle Teilnehmerinnen gleichermaßen ausgeprägt war. So war der Zusammenhang zwischen erhöhten p-tau217-Werten und kognitiven Einschränkungen bei Frauen über 70 Jahren stärker als bei jüngeren Teilnehmerinnen. Auch bei Trägerinnen des genetischen Risikofaktors APOE ε4 zeigte sich eine deutlichere Assoziation. Darüber hinaus erwies sich p-tau217 als besonders aussagekräftig bei Frauen, die im Rahmen der Studie einer Hormontherapie mit Östrogen plus Gestagen zugeteilt worden waren, verglichen mit der Placebogruppe. Unterschiede in der Vorhersagekraft zeigten sich zudem zwischen weißen und schwarzen Teilnehmerinnen. Wurde der Biomarker jedoch mit dem Alter kombiniert, verbesserte sich die Vorhersage der Demenzentwicklung in beiden Gruppen ähnlich stark. „Blutbasierte Biomarker wie p-tau217 sind besonders vielversprechend, da sie deutlich weniger invasiv und potenziell leichter zugänglich sind als bildgebende Verfahren des Gehirns oder Untersuchungen der Rückenmarksflüssigkeit“, erklärt Dr. Linda K. McEvoy, Leiterin der Studie. „Dies ist wichtig, um die Forschung zu den Risikofaktoren für Demenz zu beschleunigen und Strategien zur Risikominderung zu evaluieren.“ Noch kein Einsatz in der Routineversorgung Derzeit werden blutbasierte Biomarker nicht für die klinische Anwendung bei Personen ohne Symptome kognitiver Beeinträchtigung empfohlen. Die Autoren weisen darauf hin, dass weitere Studien erforderlich sind, um zu klären, wie p-tau217-Tests in der klinischen Routineversorgung eingesetzt werden können und ob eine frühzeitige Erkennung die Behandlungsergebnisse tatsächlich signifikant verbessern kann. Künftige Forschungsarbeiten sollen zudem untersuchen, wie Faktoren wie Hormontherapie, genetische Veranlagung und altersbedingte Erkrankungen im Verlauf des Lebens mit den p-tau217-Spiegeln im Blut interagieren und so das Demenzrisiko beeinflussen. „Letztendlich geht es nicht nur um Vorhersagen, sondern darum, dieses Wissen zu nutzen, um Demenz hinauszuzögern oder gar ganz zu verhindern“, betont Shadyab, (lj/BIERMANN) Außerdem interessant zum Thema Demenz: Fehlfunktion von Tanyzyten könnte Tau-Ablagerungen bei Alzheimer fördern Schutz vor Demenz durch Kaffee
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