Ein Schalter für die Metastasierung von Prostatakrebs21. Juli 2020 Foto: ©blub90 – stock.adobe.com Wissenschaftler haben einen molekularen Schalter gefunden, der mit der Bildung von Prostatakrebsmetastasen assoziiert ist. Die Arbeit wurde auf dem virtuellen Kongress der European Association of Urology (EAU) vom 17.-19.07.2020 vorgestellt. Die Forscher von der Universität Leuven in Belgien analysierten die Daten von 44 Patienten, die an Prostatakrebs mit hohem Risiko (PSA ≥20 ng/ml, Gleason-Score 8–10 oder Stadium ≥cT3a) erkrankt waren. 25 der Patienten waren nach der Behandlung geheilt, 19 entwickelten jedoch metastasierten Prostatakrebs. Die Wissenschaftler verglichen dann Unterschiede in der Anzahl der Kopien von DNA-Segmenten in den beiden Gruppen. Sie fanden heraus, dass diejenigen Patienten, die später eine metastatische Erkrankung entwickelten, viel mehr Kopien des AZIN1-Gens hatten, was darauf hinweist, dass es mit einer aggressiveren Erkrankung assoziiert war. AZIN1 kodiert für den Antizym-Inhibitor 1. Um dies zu testen, änderte das Team die Aktivität des auf Chromosom 8 lokalisierten AZIN1-Gens sowohl in der Zellkultur als auch in einem Mausmodell. Sie fanden heraus, dass eine Verringerung der Expression des Gens auch zu einer Verringerung der Metastasen führte. Ein Hinweis – und noch viel zu erforschen Die leitende Forscherin, Dr. Lisa Moris (Labor für Molekulare Endokrinologie, Leuven, Belgien), fasst das Ergebnis zusammen: „Wir konnten zeigen, dass die Regulation des AZIN1-Gens eng mit dem Risiko der Tumorausbreitung verbunden ist.“ Die Wissenschaftlerin warnt jedoch davor, aus diesen frühen Forschungsergebnissen falsche Schlussfolgerungen zu ziehen: „Wir müssen viel mehr über AZIN1 forschen, um festzustellen, ob der Zusammenhang mit Metastasen allgemein auf Prostatakrebs anwendbar ist. Es gibt viele verschiedene Arten und Ursachen von Prostatakrebs, sodass dieser Befund noch weit von jeder klinischen Anwendung entfernt ist. (…) Wir untersuchen derzeit, was genau dieses Gen tut, um herauszufinden, wie wir es bei Krebserkrankungen im wirklichen Leben regulieren können.“ Studien über Risiko-Gene liefern Entscheidungshilfen Prof. Arnulf Stenzl (Tübingen, Deutschland), Adjunct Secretary General der EAU und zuständig für das Ressort für Wissenschaft, kommentiert: „Vor mehr als zehn Jahren wurde der Einfluss von Antizym-Inhibitor 1 als kleines Protein auf die Zelltransformation und die Förderung des Tumorwachstums entdeckt. Kürzlich wurde eine Rolle bei der Progression und Metastasierung einer Vielzahl von Tumoren einschließlich Brust-, Darm-, Lungen- und Magenkrebs vorgeschlagen. Ein Teil dieses Interesses ist aufgrund der Rolle von AZIN1 bei der Methylierung von HPV-Warzen und einer möglichen Verbindung zu HPV-assoziierten malignen Erkrankungen entstanden. Es sieht so aus, dass die Studie von Moris et al. vielversprechende Hinweise gibt.“ Nach Stenzls Einschätzung können Studien wie diese helfen zu beurteilen, welche Patienten von einer sofortigen und gezielten Behandlung eines lokalisierten Prostatakarzinoms profitieren. „Die Ergebnisse dieser Studie könnten uns auch einen Hinweis darauf geben, wie wir AZIN1 gezielt ansteuern können, um Metastasen zu verhindern“, so Stenzl weiter. (EAU/ms) Originalarbeit: Moris L, Van Den Broeck T, Gevaert T et al. Genomic analysis of localized prostate cancer identifies AZIN1 as driver of metastatic Progression. Conference Abstract No. 1126
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