Ein unbehandelter Bluthochdruck erhöht das Risiko für schwere COVID-19-Verläufe5. Januar 2021 ©frolicsomepl – pixabay.com Bereits in der ersten Welle der SARS-CoV-2-Pandemie wurde die arterielle Hypertonie als Risikofaktor für schwere COVID-19-Kranklheitsverläufe vermutet. Eine aktuelle Publikation [1] verbessert die Datenlage und zeigt, dass eine unbehandelte Bluthochdruckerkrankung mit einem höheren Risiko für schwere COVID-19-Verläufe einhergeht. Die medikamentöse Bluthochdrucktherapie mit sogenannten ACE-Hemmern schien hingegen das Risiko für schwere entzündliche Verläufe der Viruserkrankung zu senken. Bluthochdruck gilt als Risikofaktor für einen schweren COVID-19-Verlauf, ebenso ein höheres Alter – und oft kommt beides zusammen: In Deutschland hat fast jeder dritte Erwachsene zu hohe Blutdruckwerte, bei den über 60-Jährigen ist im Durchschnitt sogar jeder Zweite von Bluthochdruck betroffen. Daher liegt es auf der Hand, dass viele schwerkranke COVID-19-Patienten, unter denen prozentual viel mehr ältere Menschen sind, auch häufiger Bluthochdruck aufweisen. Mit diesem Argument wurde Bluthochdruck als COVID-19-Risikofaktor häufig vom Tisch gewischt und unterschätzt. Doch eine aktuell in „Nature Biotechnology“ publizierte, experimentelle Studie deutet darauf, dass Bluthochdruck durchaus ein eigenständiger Risikofaktor für schwere COVID-19-Verläufe sein könnte, vor allem, wenn er nicht medikamentös behandelt wird.Die Autoren haben die klinischen Daten von 144 Patienten und Daten von sogenannten „single cell sequencing“-Analysen von Zellen aus nasopharyngalen Abstrichen von 48 Patienten mit und ohne COVID-19-Infektion untersucht. Wie sich zeigte, waren in den Immunzellen der Studienteilnehmer mit arterieller Hypertonie ausgeprägtere Entzündungsreaktionen nach COVID-19-Infektion zu beobachten als bei jenen mit normalen Blutdruckwerten. Diese verstärkte Entzündungsreaktion korreliert mit schlechterem Outcome: Patienten mit arterieller Hypertonie wiesen eine verlängerte Dauer bis zur Virusfreiheit (sogenannte virale Clearance) und eine höhere Anfälligkeit für schwerere Atemwegsinfektionen auf.„Es bekannt, dass die arterielle Hypertonie entzündliche Prozesse im Körper aktiviert und daher auch naheliegend, dass sie eine COVID-19-Erkrankung aggravieren kann. Die verstärkte Entzündungsreaktion bei hypertensiven Covid-19-Patienten könnte eine mögliche Erklärung sein,“ erklärt Professor Dr. Ulrich Wenzel vom UKE Hamburg, Vorstandsvorsitzender der DHL® │ Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention. „Die vorliegende Studie bestätigt diese Hypothese: Die untersuchten Bluthochdruck-Patientinnen und -Patienten hatten ein höheres Risiko für kritische COVID-19-Verläufe. Die Studie zeigte aber auch, dass eine medikamentöse Blutdrucktherapie einen positiven Effekt hatte. Das unterstreicht, wie wichtig es ist, Bluthochdruck in den Griff zu bekommen!“Die Studienautoren zeigten, dass sogenannte ACE-Hemmer (ACEi) das erhöhte Risiko für schwere COVID-19-Erkrankungen nahezu auf das Risikoniveau von Menschen ohne Bluthochdruck senken konnten. Eine Risikoabsenkung wurde unter Therapie mit Angiotensin-Rezeptor-Blockern (ARB) auch beobachtet, sie war aber weniger stark ausgeprägt. Darüber hinaus hatten ARB im Gegensatz zu ACEi keinen Effekt auf die virale Clearance. Die Forscher führen daher an, dass ACEi während der Corona-Pandemie die bessere Bluthochdrucktherapie darstellen könnte.„Dieser Hypothese möchten wir uns aber nicht anschließen. Die Zahl der Studienteilnehmer war zu klein und die Studie auch gar nicht dafür ausgelegt, um verschiedene blutdrucksenkende Therapien im Hinblick auf ihr ‚Anti-COVID-19-Potenzial‘ vergleichen zu können. Die wesentliche Erkenntnis dieser Untersuchung ist für uns: Bluthochdruck ist ein eigenständiger Risikofaktor für schwere COVID-19-Verläufe, wenn er nicht behandelt wird. Die gefundene verstärkte Entzündungsreaktion könnte dafür verantwortlich sein. Wir hoffen, dass diese zentrale Botschaft Patientinnen und Patienten motiviert, ihre Blutdruckmedikamente konsequent zu einzunehmen“, erklärt der Hamburger Experte.Sein Vorstandskollege, Professor Dr. Florian Limbourg, Hannover, ergänzt: „Leider ignorieren viele Menschen ihre erhöhten Blutdruckwerte und einige ahnen auch nicht, dass sie überhaupt einen zu hohen Blutdruck haben Umso wichtiger ist es, die Bevölkerung für Bluthochdruck zu sensibilisieren, um gefährlichen Folgeschäden, darunter Herzinfarkte, Schlaganfälle, Nierenversagen – und, wie nun gezeigt wurde, auch eine erhöhte Anfälligkeit für schwere COVID-19-Verläufe –, durch Blutdrucksenker entgegenzuwirken.“Literatur:[1] Trump S, Lukassen S, Anker MS et al. Hypertension delays viral clearance and exacerbates airway hyperinflammation in patients with COVID-19. Nature Biotechnology. Published 24 December, 2020. https://www.nature.com/articles/s41587-020-00796-1 Quelle: Deutsche Hochdruckliga
Mehr erfahren zu: "Hirnorganoide helfen, die Biologie des Ebola-Virus besser zu verstehen" Hirnorganoide helfen, die Biologie des Ebola-Virus besser zu verstehen Nach einer Infektion kann das Ebola-Virus monate- bis jahrelang unbemerkt im menschlichen Körper überleben, unter anderem im Zentralen Nervensystem. Mithilfe von Hirnorganoiden haben Forschende nun wertvolle Einblicke in die Mechanismen […]
Mehr erfahren zu: "Künstliche Intelligenz kann patientenrelevante Erfolge einer Behandlung vorhersagen" Künstliche Intelligenz kann patientenrelevante Erfolge einer Behandlung vorhersagen Forschende des Universitätsklinikums Tübingen haben am Beispiel der Tiefen Hirnstimulation bei Parkinson gezeigt, dass Künstliche Intelligenz dabei helfen kann, patientenrelevante Therapieerfolge wie verbesserte Alltagsfunktionen besser vorherzusagen.
Mehr erfahren zu: "Millionenförderung für die Erforschung der zerebralen Amyloidangiopathie" Millionenförderung für die Erforschung der zerebralen Amyloidangiopathie Ein Transatlantisches Exzellenznetzwerk, an dem auch eine Forschungsgruppe der Universitätsmedizin Magdeburg beteiligt ist, erhält acht Millionen Euro Förderung zur Erforschung einer häufig übersehenen Gefäßerkrankung.