Millionenförderung für die Erforschung der zerebralen Amyloidangiopathie

Prof. Stefanie Schreiber, kommissarische Direktorin der Universitätsklinik für Neurologie Magdeburg (Quelle: © Melitta Schubert / Universitätsmedizin Magdeburg)

Ein Transatlantisches Exzellenznetzwerk, an dem auch eine Forschungsgruppe der Universitätsmedizin Magdeburg beteiligt ist, erhält acht Millionen Euro Förderung zur Erforschung einer häufig übersehenen Gefäßerkrankung.

Die Universitätsklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Magdeburg wird Gründungsmitglied des „Transatlantic Network of Excellence“ zur Erforschung der zerebralen Amyloidangiopathie (CAA). Die Erkrankung betrifft kleine Blutgefäße im Gehirn und zählt zu den häufigsten Ursachen spontaner Hirnblutungen im höheren Lebensalter. Zudem spielt sie bei der Entstehung von Demenzerkrankungen, insbesondere der Alzheimer-Krankheit, eine wichtige Rolle.

Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Harvard Medical School, der Boston University und weiteren europäischen sowie US-amerikanischen Partnern erhält die Forschungsgruppe um Prof. Stefanie Schreiber, kommissarische Direktorin der Universitätsklinik für Neurologie Magdeburg, eine Förderung der Leducq Foundation for Cardiovascular Research von insgesamt neun Millionen US-Dollar (rund acht Millionen Euro) über fünf Jahre. Das internationale Forschungsnetzwerk nimmt seine Arbeit Anfang 2027 auf.

Wenn Eiweißablagerungen die Blutgefäße im Gehirn schädigen

Bei der zerebralen Amyloidangiopathie lagern sich Eiweiße in den Wänden kleiner Blutgefäße des Gehirns ab. Dadurch werden die Gefäße anfälliger für Schäden und Blutungen. Die Erkrankung tritt vor allem bei älteren Menschen auf. Nach Angaben der Forschenden findet sich CAA bei mehr als der Hälfte aller Patienten mit Hirnblutungen. Auch bei einem großen Teil der Menschen mit Alzheimer-Erkrankung lassen sich entsprechende Veränderungen nachweisen.

Trotz ihrer großen Bedeutung sind die Ursachen und biologischen Abläufe der Erkrankung bislang nur teilweise verstanden. Genau hier setzt das neue Forschungsnetzwerk an. Die beteiligten Arbeitsgruppen wollen klinische Daten, Gehirnaufnahmen und molekulare Untersuchungen aus mehreren Ländern zusammenführen, um die Entstehung und den Verlauf der Erkrankung besser zu verstehen.

„CAA ist eine häufige, aber noch immer unzureichend erforschte Erkrankung. Durch die enge internationale Zusammenarbeit können wir wichtige Daten und Expertise bündeln, um die Ursachen besser zu verstehen und neue Möglichkeiten für Diagnose und Behandlung zu entwickeln“, erklärt Schreiber. Die gebürtige Magdeburgerin forscht seit nahezu zwei Jahrzehnten zu zerebralen Kleingefäßerkrankungen und baute ihre wissenschaftliche Expertise unter anderem während Forschungsaufenthalten an den Universitäten Southampton und Berkeley auf. Heute betreut sie mit ihrem Team Patienten mit CAA und anderen zerebralen Kleingefäßerkrankungen aus ganz Deutschland in einer spezialisierten Ambulanz der Neurologie.

Frühere Diagnosen und bessere Risikovorhersagen als Ziel

Ein Schwerpunkt des Netzwerks liegt auf der Suche nach Biomarkern. Darüber hinaus wollen die Forschenden Verfahren entwickeln, mit denen sich das persönliche Risiko für Hirnblutungen besser einschätzen lässt. Langfristig sollen die Ergebnisse die Grundlage für gezielte Behandlungsansätze schaffen. Derzeit gibt es noch keine Therapie, die die Ursachen der Erkrankung direkt bekämpft.

Im Netzwerk arbeiten sieben Forschungsgruppen aus Europa und den USA zusammen. Die Forschenden weisen darauf hin, dass die Untersuchung einer komplexen Erkrankung wie CAA besondere Herausforderungen mit sich bringt. So müssen große Mengen unterschiedlicher Daten aus internationalen Patientenkohorten zusammengeführt und ausgewertet werden. Außerdem sind viele biologische Mechanismen der Erkrankung bislang noch nicht vollständig bekannt. Deshalb wird es trotz der neuen Förderung Zeit benötigen, bis die gewonnenen Erkenntnisse in konkrete diagnostische Verfahren oder neue Therapien umgesetzt werden können.

Dennoch erwarten die Forschenden wichtige Fortschritte für die Prävention und die Versorgung von Menschen mit Hirnblutungen und Demenzerkrankungen. Darüber hinaus soll das Projekt den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern und die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet neurodegenerativer Erkrankungen weiter stärken. Im Jahr 2029 werden die internationalen Teilnehmenden zu einem Kolloquium in Magdeburg zusammentreffen.

Projektpartner sind:
• Prof. Andreas Charidimou, Boston University, USA (Koordination USA)
• Prof. Marcel Verbeek, Radboud University Medical Center, Niederlande (Koordination EU)
• Prof. Michael Greenberg, Harvard Medical School und Massachusetts General Hospital, USA
• Prof. Stefanie Schreiber, Universitätsmedizin Magdeburg, Universitätsklinik für Neurologie, Magdeburg
• Prof. William E. Van Nostrand, University of Rhode Island, USA
• Prof. Mar Hernández Guillamon, Vall d’Hebron Research Institute, Spanien
• Prof. Matthew S.Schrag, Vanderbilt University Medical Center, USA