Einfacher Bluttest deckt versteckte Risiken instabiler Koronarplaques auf16. Juni 2026 Symbolfoto: ©Анна Ковальчук/stock.adobe.com Ein einfacher Bluttest könnte helfen, die Cholesterin-Efflux-Kapazität von High-Density-Lipoprotein zu beurteilen. Der Test könnte somit die Vorhersage des kardiovaskulären Risikos und den Einsatz präventiver Strategien verbessern. High-Density-Lipoprotein (HDL) wird traditionell mit dem Schutz vor koronaren Plaques in Verbindung gebracht. Herkömmliche HDL-Messungen spiegeln jedoch nicht immer die tatsächliche Funktion der HDL-Partikel im Körper wider. Ein wichtiger Indikator für die HDL-Funktion ist die Cholesterin-Efflux-Kapazität (CEC). Sie misst die Fähigkeit von HDL, überschüssiges Cholesterin aus den Zellen und zur Verstoffwechselung in die Leber zu transportieren. CEC ist international als vielversprechender Biomarker zur Bestimmung des kardiovaskulären Risikos anerkannt. Bislang ließ sich die CEC nur über aufwendige zellbasierte Assays messen – daher wird sie noch nicht breit klinisch angewendet. Bewertung einer neuartigen Methode zur Messung der CEC Um diesem Problem zu begegnen, entwickelte eine Forschungsgruppe unter der Leitung von Prof. Ryunosuke Ohkawa und Prof. em. Minoru Tozuka vom Institut für Klinische Bioanalytik und Molekularbiologie des Science Tokyo Institute of Science (Science Tokyo, Japan) einen neuartigen Bluttest. Dieser basiert auf der Verwendung von immobilisierten Liposomen-gebundenen Gelkügelchen (Immobilized Liposome-Bound Gel Beads, ILG), die zur Bestimmung der CEC genutzt werden und ohne Zellkultur auskommen. Nun validierten Ohkawa und Kollegen das Potenzial der ILG-Methode für den Einsatz in der klinischen Praxis. Dazu analysierten die Forschenden Proben mehrerer Patienten. Ziel war, den klinischen Nutzen der Methode zur Erkennung des Herzinfarktrisikos zu evaluieren. Ihre Studienergebnisse erschienen in der Fachzeitschrift „Atherosclerosis“. Hochrisiko-Plaques mit niedrigeren CEC-Werten assoziiert „Wir analysierten 61 Patienten, die sich in der Kardiologischen Abteilung einer Katheteruntersuchung unterzogen hatten“, erklärt der Hauptautor Ohkawa. Die inkludierten Patienten waren im Median 68 Jahre alt, größtenteils männlich (83,6 %) und mit Statinen behandelt (95,1 %). Die Forschenden bestimmten die CEC-Werte der Patienten mithilfe der ILG-Methode und verglichen diese mit den Plaque-Charakteristika, die mittels optischer Kohärenztomographie (OCT) ermittelt wurden. Dabei zeigte sich, dass Patienten mit großen, lipidreichen Plaques (definiert durch Lipidbogen ≥180° und Lipidlänge ≥5 mm in der OCT) signifikant niedrigere CEC-Werte aufwiesen, während Patienten mit kleineren, lipidreichen Plaques höhere CEC-Werte zeigten. Große, lipidreiche Plaques gelten allgemein als vulnerable Läsionen, die rupturieren und akute Koronarsyndrome auslösen können. Ferner korrelierten höhere CEC-Werte mit HDL-Partikeln, die Apolipoprotein E enthielten. Diese Befunde legen nahe, dass eine verminderte CEC mit der Entwicklung instabiler Plaques zusammenhängen könnte, welche wiederum schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse auslösen können. Nächster Schritt zur CEC-Messung in der klinischen Praxis „Durch die Vereinfachung der CEC-Messung wollten wir diesen Biomarker für die klinische Anwendung zugänglicher machen“, so Ohkawa. Die Studienautoren hoffen, dass die Identifizierung von Patienten mit reduzierter HDL-Funktion mithilfe der ILG-Methode helfen kann, das zukünftige kardiovaskuläre Risiko besser vorherzusagen und präventive Behandlungsstrategien gezielter einzusetzen. Insbesondere sehen in der Methodik das Potenzial für eine bildgebungsgestützte Risikostratifizierung – etwa zur gezielten OCT-Indikation bei niedriger CEC. Auch könnte die Methodik für das Monitoring HDL-gerichteter Therapien dienen, vorausgesetzt sie lässt sich auf klinisch-chemischen Analysegeräten automatisieren. Dafür bedarf es jedoch weiterer Untersuchungen. (ah/BIERMANN)
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