Einfluss der Atopischen Dermatitis auf Ausbildung und Berufswahl

Frau mit Juckreiz am Arm
Symbolbild: © Pormezz – stock.adobe.com

Atopische Dermatitis prägt Lebenswege oft weit über die Haut hinaus. Eine internationale Studie zeigt: Besonders bei Krankheitsbeginn im Kindesalter sind Bildungs- und Berufschancen eingeschränkt.

Eine Atopische Dermatitis (AD) beeinflusst die Lebensverläufe von Patienten über sichtbare Hautveränderungen hinaus. Eine neue Studie im „Journal of Investigative Dermatology“ zeigt, dass Erwachsene mit AD, insbesondere mit Krankheitsbeginn im Kindesalter, signifikant größere Einschränkungen in Bildungs- und Berufswahl erfahren. Bis zu 38 Prozent der Patienten mit Krankheitsbeginn im Kindesalter berichten über berufliche Einschränkungen und mehr als 36 Prozent über eine eingeschränkte Studienwahl im Vergleich zu Personen mit einem Krankheitsbeginn im Erwachsenenalter. Die Ergebnisse der Studie liefern nach Ansicht der Autoren eine wissenschaftliche Grundlage für eine umfassendere, frühzeitige und multidimensionale Versorgung über die Symptomkontrolle hinaus.

Bildungs- und Berufsentscheidungen bei Betroffenen

Die physischen Symptome der AD sind weithin anerkannt, jedoch bleiben langfristige Auswirkungen auf Lebensentscheidungen, insbesondere Bildungs- und Berufsentscheidungen, unzureichend untersucht. Zunehmende klinische und patientenberichtete Evidenz zeigt, dass AD mit Beginn im Kindes- oder Jugendalter nachhaltige Spuren über die Haut hinaus hinterlässt.

Vor dieser Studie war Forschung überwiegend auf einzelne Länder, kleine Gruppen oder auf Fehlzeiten fokussiert. Diese Beobachtungsstudie, durchgeführt zwischen Juni und September 2024 im Rahmen der internationalen Scars-of-Life-Initiative, ist die erste groß angelegte multinationale Untersuchung, die quantifiziert, wie AD Bildungs- und Berufswege vom Kindesalter bis ins Erwachsenenalter beeinflusst.

Die Daten unterstreichen die multidimensionale, langfristige Krankheitslast der AD. Insbesondere die höhere Belastung bei frühem Krankheitsbeginn und die jüngste Verfügbarkeit zielgerichteter Therapien für Kleinkinder begründen die Notwendigkeit eines frühen und intensiven Therapiebeginns zur optimalen Kontrolle.

Stärkere Auswirkungen bei Krankheitsbeginn im Kindesalter

Die Forschenden analysierten Daten von 22.833 Teilnehmern aus 27 Ländern auf fünf Kontinenten mit aktueller oder früherer AD. Teilnehmer füllten validierte Fragebögen zu soziodemografischen Merkmalen, Krankheitsaktivität und psychosozialer Belastung aus. Die Auswirkungen waren bei Patienten mit Krankheitsbeginn im Kindesalter deutlich verstärkt, wobei bis zu 43,5 Prozent gezwungen waren, Wohn- oder Arbeitsumfeld anzupassen im Vergleich zu 29,8 Prozent bei Krankheitsbeginn im Jugendalter.

Die Ergebnisse legen offen, dass AD eine chronische Erkrankung mit nachhaltigen Konsequenzen für Lebensverläufe ist. Unterschiede zwischen Krankheitsbeginn im Kindesalter und im Jugendalter zeigten sich in Bildungs- und Berufseinschränkungen, sozialer Vermeidung und Diskriminierung am Arbeitsplatz. Diskriminierung am Arbeitsplatz wurde bei aktueller und zurückliegender AD in ähnlicher Häufigkeit berichtet, was auf persistierende psychosoziale Folgen hinweist.

Die höchste Belastung fanden die Forschenden in Indien, gefolgt von Südostasien-Pazifik und Nahost-Nordafrika, während Europa und Australasien niedrigere Raten aufwiesen, vermutlich bedingt durch Unterschiede in Krankheitsbewusstsein, Zugang zur Gesundheitsversorgung und sozioökonomischen Bedingungen. (ins)