Einheitliche Bestimmung der Gebrechlichkeit als Risikofaktor bei Herzoperationen27. Oktober 2023 Leiteten gemeinsam die Task Force zur Erstellung des aktuellen Konsensuspapiers: Simon H. Sündermann (links im Bild) und Josef Niebauer (rechts im Bild). Foto: ©DHZC/Maier/Kugler Eine Task Force unter Co-Leitung von Herzchirurg Simon Sündermann vom Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC) hat einen fachübergreifenden Konsens zur einheitlichen Bestimmung der Gebrechlichkeit als Risikofaktor bei Herzoperationen erarbeitet. Ein Mensch ist „gebrechlich“ – diese Formulierung wird in der Alltagssprache oft verwendet. Doch „Gebrechlichkeit“ ist auch ein medizinischer Begriff; häufig wird in diesem fachlichen Zusammenhang das englische Wort „Frailty“ verwendet. Beschrieben wird damit physische, aber auch geistige Schwäche, die Anfälligkeit für Stürze und andere negative Alltagsereignisse; insgesamt also für den Verlust an körperlicher Leistungsfähigkeit und der Bewältigung von alltäglichen Aufgaben. Frailty gilt in der medizinischen Literatur seit langem als ein wichtiger Risikofaktor für eine erhöhte Sterblichkeitswahrscheinlichkeit, aber auch für eine reduzierte Lebensqualität nach medizinischen Behandlungen, insbesondere auch bei Herzoperationen oder bei katheterbasiertem Ersatz erkrankter Aortenklappen (TAVI). Doch anhand welcher Messmethoden und -werte lässt sich Frailty in diesen Bereichen am besten einheitlich festlegen und bewerten? Darüber gab es bisher zwischen den kardiologischen und herzchirurgischen Fachgesellschaften Europas keine Einigkeit. Um dies zu ändern, wurde mit der Unterstützung von Prof. Volkmar Falk, Ärztlicher Direktor des DHZC, eine fachübergreifende Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Den beiden Leitern, DHZC-Herzchirurg PD Dr. Simon H. Sündermann und seinem kardiologischen Partner, Prof. Josef Niebauer, MBA von der Universität Salzburg, standen in dieser Task Force Kolleginnen und Kollegen aus der Herzchirurgie und der Kardiologie, der Anästhesiologie, der Geriatrie und der Biostatistik zur Seite. Das Ergebnis dieser intensiven interdisziplinären Zusammenarbeit wurde jetzt als Konsensuspapier auf dem Jahreskongress der europäischen Vereinigung für Herz-/Thoraxchirurgie (EACTS) vorgestellt und sowohl im „European Journal of Cardiothoracic Surgery“ (EJCTS) als auch im „European Journal of Preventive Cardiology“ (EJPC) publiziert: Eine detaillierte Bestandsaufnahme des aktuellen Forschungsstands und der sich daraus ableitenden fachübergreifend empfohlenen Verfahren zur Bewertung der „Frailty“. Das Konsesuspapier bestimmt Kriterien zur Bestimmung der Gebrechlichkeit und deren Aussagekraft, etwa in Bezug auf die zu erwartende Lebensqualität nach herzchirurgischen Eingriffen und TAVI, oder das Auftreten von postoperativen Komplikationen oder die Sterblichkeit der Patientinnen und Patienten. Zudem enthält es Empfehlungen zur Durchführung von vorbereitenden Maßnahmen, die bereits vor einer Operation zum besseren langfristigen Zustand der Patientinnen und Patienten beitragen können. „Wir wollen nachhaltig dazu beitragen, dass Ergebnisse in der Frailty-Forschung belastbar verglichen werden und klinische Behandlungsstandards weiter etabliert werden können. Auf diesem Weg sind wir nun einen großen Schritt weitergekommen,“ sagt Sündermann: „Unser herzlicher Dank gilt bei dieser Gelegenheit allen Mitwirkenden und Unterstützer:innen.“
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