Einschätzung der Dringlichkeit einer Lebertransplantation mit Von-Willebrand-Faktor-Antigen17. Januar 2020 Foto: © alexlmx/Adobe Stock Die Zuteilung von Spenderorganen an Patienten mit der größten Dringlichkeit hat in der Transplantationsmedizin höchste Priorität. Forschern von der Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien ist es gelungen, durch die Integration eines einzigen Laborparameters – des Von Willebrand Faktor Antigens – die Wahrscheinlichkeit, auf der Warteliste für eine Lebertransplantation zu versterben, deutlich genauer vorauszusagen und somit einen großen Schritt für die Verbesserung der Organzuteilung zu erzielen. Die Allokation für Patienten auf der Lebertransplantations-Warteliste erfolgt in Österreich – als Teil der Organisation Eurotransplant – wie auch vielen anderen Ländern nach der medizinischen Dringlichkeit. Die Patienten werden derzeit anhand eines aus drei Laborparametern gebildeten Scores – dem MELD-Score (Model for End Stage Liver Disease) – nach deren Dringlichkeit gelistet. Der MELD Score besitzt aber klare Limitationen, die Sterblichkeit auf der Warteliste liegt nach wie vor bei etwa 20 Prozent. Eine besondere Herausforderung in diesem Zusammenhang stellt die Identifikation von Patienten mit hohem Risiko für lebensbedrohliche Blutungen durch Portale Hypertension oder Infektionen bei gleichzeitig niedrigem MELD-Score dar. „Wir haben gezielt nach einer Möglichkeit gesucht, die bestehenden Schwächen der MELD-basierten Allokation auf einfachem Wege zu verbessern und Patienten mit einem hohen Risiko trotz niedrigem MELD Score zu identifizieren“ sagt Georg Györi, Transplantationschirurg, Leiter der Transplantationsambulanz am AKH Wien und einer der beiden Erstautoren. Das Von Willebrand Faktor (vWF) Antigen ist ein Protein und ein zentraler Bestandteil der Hämostase, es ist in Thrombozyten und Endothelzellen gespeichert. Es hat sich in vorangegangenen Studien als exzellenter Parameter für Endothelzelldysfunktion gezeigt und konnte vor kurzem von Starlinger et al. auch als zentraler Faktor für die postoperative Leberregeneration identifiziert werden. Auch bei portaler Hypertension und deren Komplikationen konnte kürzlich ein klarer Zusammenhang mit dem vWF-Antigen beobachtet werden. „Dies ist von besonderer Relevanz, da dies eine der zentralen Ursachen für das Versterben auf der Warteliste für eine Lebertransplantation darstellt“ so David Pereyra, ebenfalls Erstautor dieser Arbeit. Der große Vorteil ist, dass sich vWF-Antigen ohne wesentlichen Aufwand im Rahmen der Routineblutabnahme bei der Listung des Patienten bestimmen lässt. In der Studie zeigte sich nun, dass vWF-Antigen tatsächlich unabhängig vom bereits etablierten MELD-Score die Sterblichkeit auf der Warteliste vorhersagt. Weiters konnten die Autoren zeigen, dass vWF-Antigen in Kombination mit dem MELD-Score die Genauigkeit nochmals deutlich verbessern kann. „Wir waren überrascht, wie unglaublich stark der Effekt von vWF-Antigen in Addition zum MELD-Score ist. vWF-Antigen scheint hier tatsächlich einen ganz neuen Aspekt in der Sterblichkeit auf der Warteliste widerzuspiegeln, der diese deutliche Verbesserung der Risikostratifizierung erlaubt. Die Messung dieses einzelnen Parameters erlaubt es, die Vorhersage des Drei-Monats-Überlebens auf der Warteliste um gleich 12,5 Prozent zu verbessern.“ sagt Studienleiter Patrick Starlinger, Oberarzt an der Universitätsklinik für Chirurgie und Leiter der Arbeitsgruppe für translationelle und experimentelle Leberforschung an der MedUni Wien. „Diese richtungsweisenden Ergebnisse konnten nur durch die hervorragende interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Gastroenterologie und Chirurgie entstehen und haben das Potenzial die Organallokation auf der ganzen Welt maßgeblich zu verändern“ so Gabriela Berlakovich, die Leiterin der Transplantationschirurgie am AKH Wien. Patrick Starlinger arbeitet derzeit an der Mayo Clinic in den USA an einer Validierungskohorte, um diese Beobachtung zu bestätigen und dem Ergebnis weiteres Gewicht zu verleihen. Das mittelfristige Ziel ist eine optimale Einteilung der PatientInnen auf der Warteliste nach Dringlichkeit, um die bestmögliche Zuteilung von Spenderorganen zu erreichen.
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