Elektrischer Impuls am Ohr vermindert Risiko für postoperatives Vorhofflimmern durch Stimulation des parasympathischen Nervensystems23. Oktober 2019 Foto: © ninell – Adobe Stock Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Komplikationen nach herzchirurgischen Eingriffen – jede/r dritte PatientIn ist betroffen. Üblicherweise wird diese unerwünschte Nebenwirkung mit Symptomen wie Herzrasen, Schwindel, Kurzatmigkeit oder einem Engegefühl in der Brust mit teils schweren Medikamenten unterdrückt. In einer Phase-II-Studie an der Universitätsklinik für Chirurgie unter der Leitung von Martin Andreas und Alfred Kocher sowie von Michael Wolzt an der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie konnte nun gezeigt werden, dass mittels nicht invasivem elektrischem Impuls in der Ohrmuschel direkt am dort verlaufenden Nervus vagus das Risiko für vorhofflimmern um die Hälfte reduziert werden könnte. Neben den üblichen Risikofaktoren, wie höheres Alter, bereits vorab bekanntes Vorhofflimmern oder Bluthochdruck, kommen durch den operativen Eingriff weitere Risikofaktoren dazu, wie Entzündungsreaktionen, oxidativer Stress und die Aktivierung des Sympathikus-Nervensystems, was dafür sorgt, dass der Körper in erhöhte Leistungsbereitschaft versetzt wird. Diese erhöhte Bereitschaft wiederum erhöht das Risiko für Vorhofflimmern nach einer Herz-OP. „Mit dem elektrischen Impuls in der Ohrmuschel und an dem dort an der Oberfläche sitzenden Nervus vagus kommt es zu einer Beruhigung, indem wir hier den größten Nerv des Parasympathikus und damit den entsprechenden Antagonisten stimulieren“, erklärt Erstautor Martin Andreas von der Universitätsklinik für Chirurgie. Die Stimulation erfolgt in den ersten fünf Tagen nach einer Operation, wenn das Risiko für Vorhofflimmern am höchsten ist, ununterbrochen, und wird dann bei gutem Verlauf beendet. Eine derartige Stimulation am Außenohr, die nicht invasiv verläuft (der elektrische Impulsgeber kann an der Kleidung befestigt werden, die Übertragung erfolgt mittels Kabel zum Ohr, dort werden die beiden Elektroden angebracht), wurde bei Vorhofflimmern noch nie eingesetzt. Bei Gefäßverschlüssen wird das innovative Produkt einer österreichischen Firma aus Mauerbach bereits erfolgreich angewendet. 40 PatientInnen mit einer vorangegangenen Herz-OP waren an der MedUni Wien bzw. am AKH Wien in diese Studie eingeschlossen. „Jetzt folgt eine Phase-III-Studie, mit der wir unsere vielversprechenden Ergebnisse evaluieren wollen“, sagt Andreas. „Sollte die Therapie auch hier erfolgreich sein, kann man damit rechnen, dass diese Innovation in vier, fünf Jahren in der klinischen Praxis eingesetzt werden könnte.“ Publikation: dx.doi.org/10.1161/CIRCEP.119.007711
Mehr erfahren zu: "RAPID: Bundesweites Register sammelt Daten aus der Intensivmedizin" RAPID: Bundesweites Register sammelt Daten aus der Intensivmedizin Im Februar 2026 ist das Projekt RAPID gestartet. Damit soll ein bundesweites Register aufgebaut werden, in dem erstmals Routinedaten aus der Erwachsenen- und Kinder-Intensivmedizin gebündelt werden.
Mehr erfahren zu: "Okklusiver Myokardinfarkt ohne ST-Hebung: KI treffsicherer als Standarddiagnostik" Okklusiver Myokardinfarkt ohne ST-Hebung: KI treffsicherer als Standarddiagnostik Eine KI-basierte EKG-Analyse erkennt okklusive Myokardinfarkte ohne ST-Hebung deutlich zuverlässiger als Standardprotokolle. Studiendaten vom ESC Acute CardioVascular Care 2026 zeigen eine höhere Sensitivität und Spezifität bei symptomatischen ACS-Patienten.
Mehr erfahren zu: "Wenn eine OP-Komplikation zur Karrierekrise wird" Wenn eine OP-Komplikation zur Karrierekrise wird Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) sieht den Nachwuchs im Fach durch „Second Victims“-Erfahrungen bedroht – das heißt, wenn Chirurgen nach unerwarteten OP-Komplikationen oder Behandlungsfehlern unter anhaltenden psychischen oder körperlichen […]