Elektrokonvulsionstherapie ist auch für Kinder und Jugendliche sicher und wirksam26. Juli 2022 Bild: © Nailia Schwarz -stock.adobe.com Die Elektrokonvulsionstherapie kommt bei Kindern und Jugendlichen mit schweren psychischen Erkrankungen selten zum Einsatz. Dabei ist das Verfahren sehr sicher und wirksam, wie eine Studie mit 32 Kindern und Jugendlichen nun belegen konnte. Es zeigte sich ein gutes Ansprechen auf die Behandlung bei nur wenigen Nebenwirkungen. Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) ist eines der wirksamsten Therapieverfahren zur Behandlung schwerer depressiver und psychotischer Erkrankungen. Dabei wird mithilfe eines wenige Sekunden andauernden Stromimpulses eine kurzzeitige neuronale Übererregung im Gehirn ausgelöst. Die Behandelten merken davon nichts, da die Behandlung unter Kurznarkose durchgeführt wird. Durch die EKT werden im Gehirn verschiedene Botenstoffe freigesetzt und in bestimmten Gehirnbereichen das Wachstum von Nervenzellen angeregt. Im Erwachsenenalter wird die Therapieform häufig zur Behandlung schwerer psychischer Erkrankungen, wie therapieresistenten Depressionen oder Schizophrenien, angewandt. Bei Kindern und Jugendlichen kommt sie dagegen deutlich seltener zum Einsatz. Dies könnte unter anderem daran liegen, dass es im Gegensatz zu Erwachsenen bei Kindern und Jugendlichen keine großen Studien zur Sicherheit und Wirksamkeit dieser Behandlungsmethode gibt. Außerdem fehlt es bei den Behandelnden bisher an Wissen über die Elektrokonvulsionstherapie. Mehr als 40 Prozent sprechen auf EKT-Behandlung an Um dazu beizutragen, diese Wissenslücke zu schließen, berichten Forschende vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim, der Universitätsmedizin Göttingen und der Universitätsmedizin Rostock in der Fachzeitschrift “Journal of ECT” nun über insgesamt 32 Kinder und Jugendliche, die an den drei Kliniken mit Elektrokonvulsionstherapie behandelt wurden. Alle Kinder wiesen schwere psychische Erkrankungen auf. Andere Therapieformen wie Medikamente und Psychotherapie hatten bei ihnen bisher keine Wirkung gezeigt. Trotz dieser schwierigen Ausgangslage sprachen 40,6 Prozent der Kinder und Jugendlichen auf die Behandlung an, 21,9 Prozent waren nach der Behandlung sogar symptomfrei oder fast symptomfrei. Es traten keine schweren Nebenwirkungen auf und 65,6 Prozent der Kinder und Jugendlichen hatten gar keine Nebenwirkungen. Weitere große kontrollierte Studien nötig „Unsere Daten unterstreichen, dass die Elektrokonvulsionstherapie auch bei Kindern und Jugendlichen sehr sicher und wirksam ist“, sagte Dr. Sebastian Karl, Arzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) und einer der Autoren der Studie. „Dennoch brauchen wir dringend große kontrollierte Studien, die EKT bei Kindern und Jugendlichen systematisch untersuchen.“ Bei der Auswertung der Daten fiel den Forschenden darüber hinaus auf, dass das Ansprechen auf die Elektrokonvulsionstherapie damit zusammenhing, wie viele andere Behandlungen die Betroffenen im Vorfeld erhalten hatten. „Das legt nahe, dass schwer psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche davon profitieren könnten, früher im Behandlungsverlauf eine EKT angeboten zu bekommen“, sagt Prof. Alexander Sartorius, Oberarzt und Leiter der Arbeitsgruppe Translationales Imaging am ZI. „Es wäre wünschenswert, wenn weitere Zentren als die drei genannten Kliniken in Deutschland EKT als eine Behandlungsmöglichkeit für Jugendliche mit schweren depressiven und psychotischen Erkrankungen anbieten würden. Häufig bestehen sehr lange Wartezeiten für eine EKT und kaum zumutbare Anfahrtswege für Eltern und ihre schwer erkrankten Kinder“, fügt Dr. Boris Rothermel, Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kinders- und Jugendalters am ZI, hinzu.
Mehr erfahren zu: "Immer mehr Kinder wegen psychischer Probleme in Kliniken" Immer mehr Kinder wegen psychischer Probleme in Kliniken Pandemie, Kriege, Zukunftsängste: Kinder und Teenager stehen unter Druck. Viele müssen wegen psychischer Probleme in Kliniken. Die Wartezeit ist oft lang.
Mehr erfahren zu: "EU-Projekt ENDOTARGET: Patienten mit rheumatischen Erkrankungen unterstützen" EU-Projekt ENDOTARGET: Patienten mit rheumatischen Erkrankungen unterstützen Studien des EU-Rheuma-Forschungsprojekt ENDOTARGET liefern Erkenntnisse über die Verteilung der Biomarker nach Geschlecht, Alter, Body-Mass-Index und Krankheitstyp sowie über Unterschiede zwischen Kontroll- und Krankheitsgruppen. Zudem wurde die Rolle von Systemischer […]
Mehr erfahren zu: "Projekt für Umgang mit psychisch belasteten Schülern startet" Projekt für Umgang mit psychisch belasteten Schülern startet Verhaltensauffälligkeiten nehmen auch im Schulalltag zu. Nach langer Planung startet in Sachsen nun ein Projekt, das Lehrkräfte sowie Schulleitungen entlasten soll.