Elektronisches Herzinfarktregister eRHESA wird an ersten Krankenhäusern eingeführt

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Das regionale Herzinfarktregister Sachsen-Anhalt (RHESA) unter Leitung der Universitätsmedizin Halle (Saale) existiert seit 2013. Nun wird RHESA zu eRHESA – zum elektronischen Herzinfarktregister – und die erste Patientenrekrutierung ist gestartet.

Anderthalb Jahre wurde das Upgrade von RHESA zu eRHESA laut Angaben der Universitätsmedizin Halle vorbereitet. Ab sofort würden die ersten Patientinnen und Patienten, die mit Herzinfarkt im Krankenhaus behandelt werden und dazu einwilligen, für das Register rekrutiert.

Nutzung brachliegender Daten

„Die Krankenhäuser bitten die Patientinnen und Patienten, die wegen einem Herzinfarkt behandelt werden, um ihre Einwilligung zur wissenschaftlichen Nutzung der Daten, die standardmäßig im Behandlungsprozess erhoben und im Klinikinformationssystem gespeichert werden, sowie zu weiteren Befragungen nach der Entlassung. Wir möchten damit dieses bisher brachliegende Potenzial für Ursachenforschung zur Häufigkeit von Infarkten und perspektivisch für die Verbesserung der Herzgesundheit und der Versorgungssicherheit der Menschen in Sachsen-Anhalt einsetzen“, sagt Dr. Sara Lückmann, Koordinatorin des Projekts. Sachsen-Anhalt sei nach wie vor eines der Bundesländer, in dem mehr Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden und an Herzinfarkten versterben als in anderen. Die klinischen Daten aus den Krankenhäusern werden geschützt übermittelt und, wie erwähnt, nur nach vorheriger Einwilligung.

Einige Wochen nach dem Krankenhausaufenthalt erhalten die Patientinnen und Patienten einen Fragebogen, mit dem unter anderem Vorerkrankungen sowie das subjektive Empfinden der Herzinfarktsituation ermittelt werden sollen, beispielsweise Schmerzen oder auch die Versorgungssituation vor, während und nach dem Infarkt. Dazu gehöre auch, wer gegebenenfalls zum Zeitpunkt des Herzinfarktes anwesend war und wie der oder die Betroffene in ein Krankenhaus gekommen ist. Weitere Fragebögen folgen zu späteren Zeitpunkten. Eine erste Auswertung ist für 2022 geplant.

Weiterentwicklung von RHESA zu eRHESA

In den Aufbau von eRHESA fließen dabei auch Erkenntnisse aus RHESA ein, das mehr auf das Rettungswesen ausgerichtet gewesen sei und die Modellregionen Halle und Altmark beinhaltete. Hier seien zwischen Mitte 2013 und Ende 2019 bereits 5200 Fälle registriert worden. Die hieraus gewonnen Erkenntnisse seien in eine bessere Organisation der Transportwege und Optimierung der Behandlungszeiten eingeflossen, erklärt die Universitätsmedzin Halle.

Nun geet es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Halle mit eRHESA mehr um die Versorgung vor einem Infarkt, indem beispielsweise Vorformen wie Angina pectoris, aber auch Katheter-Untersuchungen oder Herzfunktions-Pumpleistungen erfasst werden – und zwar im gesamten Landesgebiet Sachsen-Anhalt. „Mit der elektronischen Variante ist es für die Medizinerinnen und Mediziner im Krankenhaus keine zusätzliche Arbeit, denn das sind bereits vorhandene Prozesse und Daten, die wir nutzen. Wir hoffen darauf ein flächendeckendes Bild für Sachsen-Anhalt zu erhalten“, erklärt Prof. Rafael Mikolajczyk, an dessen Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik das Register angesiedelt ist.

Ausweitung auf weitere Kliniken in Sachsen-Anhalt

Ebenfalls eingebunden ist das Mitteldeutsche Herzzentrum der Universitätsmedizin Halle, dessen Partner nach und nach eingebunden werden sollen. „Durch die bessere Kenntnis der Ursachen und Abläufe bei einem akuten Herzinfarkt werden wir in der Lage sein, die Versorgung und Behandlung unserer Patientinnen und Patienten weiter verbessern zu können“, sagt Prof. Daniel Sedding, Sprecher des Mitteldeutschen Herzzentrums.

Die ersten Kliniken, die an der Umsetzung von eRHESA beteiligt sind, sind das Universitätsklinikum Halle, das Carl-von-Basedow-Klinikum Saalekreis und das Altmark-Klinikum in Salzwedel. Final sollen alle Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt mit einem Herzkatheter-Messplatz an eRHESA mitwirken.

Das Vorhaben eRHESA, das unter Leitung der Universitätsmedizin Halle (Saale) umgesetzt wird, wird vom Ministerium für Soziales, Arbeit und Integration des Landes Sachsen-Anhalt mit rund 640.000 Euro bis Ende 2022 gefördert.