Elektronisches Symptom-Monitoring bei Krebspatienten: Signifikant bessere Symptomkontrolle und gesundheitsbezogene Lebensqualität

CHAPEL HILL (Biermann) – Wenn Krebspatienten mithilfe elektro­nischer Systeme Auskunft über Gesundheits-Outcomes (patient-reported outcome [PRO]) geben, kann dies Symptome frühzeitig erkennen lassen. Ob solche Systeme letztlich auch Vorteile im Hinblick auf die Lebensqualität der Patienten bieten, haben die Autoren einer neuen Studie untersucht.

Die Forschenden berichten in ihrer Arbeit über sekundäre Out­comes aus der Cluster-randomisierten PRO-TECT-Studie, die in 52 US-amerikanischen onkologischen Praxen durchgeführt wurde. Darin wurden die Teilnehmenden – Patien­ten mit einer metastasierten Krebserkrankung – für eine elektronische Symptomüberwachung mit Befragungen zu PROs (n=593) oder für die Normalversorgung (Kontrollen; n=598) randomisiert.

In der PRO-Gruppe bat man die Patienten, wöchentlich und für bis zu 1 Jahr über ein internetbasiertes oder automatisiertes Telefonsystem Fragen zu beantworten. Schwere oder sich verschlechternde Symptome lösten einen Alarm beim Pflegeteam aus.

Die 3 vordefinierten sekundären Ergebnisse waren die körperliche Funktion, die Symptomkontrolle und die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQOL) nach 3 Monaten, gemessen mit dem European Organisation for Research and Treatment of Cancer Quality of Life Questionnaire (QLQ-C30; Bereich 0–100 Punkte; minimaler klinisch bedeutsamer Unterschied [MCID] 2–7 für körperliche Funktion; kein MCID für Symptomkontrolle oder HRQOL definiert). In der aktuellen Publikation sind keine Ergebnisse zum primären Endpunkt der Studie, dem OS, enthalten – sie liegen noch nicht vor. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei 62,2 Jahren, 694 (58,3 %) von ihnen waren Frauen. An der 3-monatigen Nachbeobachtung nahmen 1066 (89,5 %) Personen bis zum Ende teil.

Im Vergleich zur Kontrollgruppe waren die durchschnittlichen Veränderungen des QLQ-C30 nach 3 Monaten in der PRO-Gruppe für die körperliche Funktion signifikant verbessert (PRO-Gruppe: von 74,27 auf 75,81 Punkte; Kontrollgruppe: von 73,54 auf 72,61 Punkte; mittlere Differenz 2,47; 95 %-KI 0,41–4,53; p=0,02). Ebenso ergaben sich in der PRO-Gruppe Verbesserungen in Bezug auf die Symptomkontrolle (PRO-Gruppe: von 77,67 auf 80,03 Punkte; Kontrollgruppe: von 76,75 auf 76,55 Punkte; mittlere Differenz 2,56; 95 %-KI 0,95–4,17; p=0,002) und die HRQOL (PRO-Gruppe: von 78,11 auf 80,03 Punkte; Kontrollgruppe: von 77,00 auf 76,50 Punkte; mittlere Differenz 2,43; 95 %-KI 0,90–3,96; p=0,002).

Bei Patienten in der PRO-Gruppe war die Wahrscheinlich signifikant höher, im Hinblick auf die körper­liche Funktion klinisch bedeutsame Vorteile im Vergleich zur üblichen Behandlung zu erfahren (7,7 % mehr bei Verbesserungen um ≥5 Punkte und 6,1 % weniger bei Verschlechterung um ≥5 Punkte; OR 1,35; 95 %-KI 1,08–1,70; p=0,009) sowie bei der Symptomkontrolle (8,6 % bzw. 7,5 %; OR 1,50; 95 %-KI 1,15-1,95; p=0,003) und der HRQOL (8,5 % bzw. 4,9 %; OR 1,41; 95 %-KI 1,10–1,81; p=0,006). (ac)

Autoren: Basch E et al.
Korrespondenz: Ethan Basch; [email protected]
Studie: Effect of Electronic Symptom Monitoring on Patient-Reported Outcomes Among Patients With Metastatic Cancer: A Randomized Clinical Trial
Quelle: JAMA 2022;327(24):2413–2422.
doi: 10.1001/jama.2022.9265