Entscheidung älterer Patienten für Dialyse oder medikamentöse Therapie: Abhängigkeit von unterschiedlichen Zielen und Werten

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Kommt es bei älteren Menschen zu einem Nierenversagen, haben sie oft zunächst die Möglichkeit, sich für eine Dialyse oder eine konservative Behandlung zu entscheiden. Doch welche Präferenzen liegen dieser Entscheidung zugrunde? Mit dieser Frage beschäftigte sich kürzlich ein Team britischer Wissenschaftler.

Wichtig sei für Kliniker, die Betroffenen bei dieser Entscheidung zu unterstützen und die jeweiligen zugrunde liegenden Ziele und Werte zu eruieren. Außerdem könnten durch mehr Investitionen die Wünsche der Patienten besser berücksichtigt werden, wie zum Beispiel eine Behandlung in einer für den Betroffenen akzeptablen Häufigkeit und an dem von ihm bevorzugten Ort.

Was beeinflusst Kompromisse?

Die Forschenden führten ein auf qualitativer Forschung basierendes Auswahlexperiment durch, in dem sie die Präferenzen für Dialyse und konservativer Behandlung bei Patienten im Alter von mindestens 65 Jahren untersuchten, die eine geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) von höchstens 20 ml/min/1,73 m2 aufwiesen. Insgesamt 327 britische Patienten nahmen an der Untersuchung teil (mittleres Alter 77 Jahre; eGFR 14 ml/min/1,73 m2). Anhand gemischter Logit- und Latent-Class-Analysen quantifizierten die Experten Kompromisse zwischen der Häufigkeit und dem Ort der Behandlung, dem Überleben und der Fähigkeit zu wichtigen Alltagsaktivitäten.

Letztendlich benötigten die Teilnehmer einen absoluten Überlebensvorteil von acht bis 59 Prozent zwei Jahre nach Behandlungsbeginn, um eine Dialyse zu bevorzugen, wobei eine seltenere Behandlung und eine Versorgung zu Hause präferiert wurden. Signifikant höhere Überlebenspräferenzen stellten die Wissenschaftler bei Teilnehmern fest, die in einer Partnerschaft – also nicht allein – lebten (Effektstärke [ES] 0,04; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,02–0,06), sowie bei Erhalt besserer körperlicher Fähigkeiten fest (ES 0,02; 95%-KI 0,01–0,03). Es zeigte sich, dass die Teilnehmer eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit bevorzugten – dies aber nur, wenn ihre Fähigkeiten erhalten blieben und der Ort und die Häufigkeit der Versorgung für sie akzeptabel waren.

(jh)