Prädikatoren für die Entwicklung eines Reizdarmsyndroms10. Januar 2017 © nikodash – fotolia.com Die Ergebnisse einer neuen Studie zeigen, dass sowohl gastrointestinale Infektionen als auch prädisponierende Faktoren wie weibliches Geschlecht, eine Neigung zu Diarrhoe unter Stress, Angststörungen und die somatische Symptomlast die Entwicklung eines Reizdarmsyndroms (IBS) vorhersagen können. Laut den Studienautoren, einer deutschen Arbeitsgruppe um Prof. Bernd Löwe aus Hamburg, unterstreichen diese Erkenntnisse die Notwendigkeit, ein Reizdarmsyndrom sowohl somatisch als auch psychisch anzugehen – und zwar so früh wie möglich. Um zu klären, ob eine psychosoziale Belastung einen unabhängigen Prädiktor für ein IBS darstellt, oder gleichzeitig als Epiphänomen auftritt untersuchten die Wissenschaftler prospektiv den jeweiligen Beitrag einzelner psychosozialer Risikofaktoren, demografischer Faktoren, somatischer Symptome und gastrointestinaler Infektionen innerhalb einer zunächst IBS-freien Population. In die bevölkerungsbasierte Untersuchung wurden Patienten mit einem erhöhten Risiko für gastrointestinale Infektionen aufgenommen, die eine Fernreise unternahmen. Potenzielle Vorhersagefaktoren wurden mittels validierter Skalen nach Patientenangaben vor Reiseantritt erhoben sowie eine Woche und 7 Monate nach der Rückkehr. 1464 von 1964 infrage kommenden Reisenden standen für den Follow-up unmittelbar nach Rückkehr zur Verfügung. 1190 machten die Angaben 7 Monate später. 53 % der Probanden, die zu allen Zeitpunkten Angaben machten, waren Frauen, das Durchschnittsalter lag bei 39,9 Jahren (Standardabweichung [SD] 15,7). Die durchschnittliche Reisezeit lag bei 40,8 Tagen (SD 52,8). 43,3 % (95 %-Konfidenzintervall [KI] 40,4–46,1) der Teilnehmer litten an einer mindestens mittelschweren infektiösen Reisediarrhoe. Die Inzidenz eines neu aufgetretenen IBS lag 7 Monate nach der Reise bei 7,2 % (95 %-KI 5,8–8,6). In multivariaten Analysen erwiesen sich weibliches Geschlecht, eine Anfälligkeit für Diarrhoe in Stress-Situationen, eine somatische Symptomlast und Angststörungen zu Beginn der Untersuchung sowie Diarrhoe innerhalb der 4 Monate vor Reiseantritt und Reisediarrhoe während der Reise als signifikante Prädiktoren für ein IBS nach der Heimkehr. Autoren: Löwe B et al. Korrespondenz: Prof. Bernd Löwe, Schön Klinik Hamburg Eilbek, Dehnhaide 120, 22081 Hamburg Studie: The Development of Irritable Bowel Syndrome: A Prospective Community-Based Cohort Study Quelle: Am J Gastroenterol 2016;111(9):1320–1329. Web: www.nature.com/ajg
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