Entwicklung von Immuntherapien gegen Krebs – neues Projekt in Teterow

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe hat in Teterow gemeinsam mit der Miltenyi Biotec GmbH, der Universitätsmedizin Rostock und der Universitätsmedizin Greifswald ein neuartiges Verbundforschungsvorhaben vorgestellt. Im Fokus steht dabei die Entwicklung von Immuntherapien für Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs und Darmkrebs.

„Das ist ein ambitioniertes und vor allem sehr innovatives Vorhaben. Bei Erfolg können viele Menschen von der heimtückischen Krankheit Krebs gerettet werden. Wir wollen die Chance nutzen, dass in der Zukunft in Teterow patientenspezifische Impfstoffe gegen Darm- und Bauspeicheldrüsenkrebs sowie die dazugehörige Medizintechnik entwickelt und produziert werden“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit, Harry Glawe heute in Teterow.

„Es geht um konkret angewandte Forschung von Wirtschaft und Wissenschaft unseres Landes zum Nutzen der regionalen Wirtschaft, der regionalen Wissenschaft sowie der zukünftigen regionalen medizinischen Versorgung. Hier tritt ein Synergieeffekt ein, welcher eine gewaltige Perspektive bei der Schaffung von zukunftsorientierten Arbeitsplätzen bedeuten kann. Darüber hinaus kann auch die Gesundheitsversorgung im Land davon profitieren. Wenn es also auf diesem Gebiet gelingt, erfolgreiche Forschungsaktivitäten bis hin zur erfolgreichen Markteinführung zu bringen, wäre das eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, von der auch viele einzelne Menschen profitieren könnten“, machte Glawe deutlich.

Strategien für patientenspezifische Immuntherapien
Im Verbundvorhaben sollen Strategien für patientenspezifische Immuntherapien für Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs und Darmkrebs entwickelt werden. Die Miltenyi Biotec GmbH verfolgt hierbei den Ansatz, sich das körpereigene Immunsystem zunutze zu machen, um den Krebs zu bekämpfen. Dabei werden Immunzellen aus dem Patienten isoliert und so verändert, dass sie eine gezielte Immunantwort gegen den Krebs nach der Rückgabe in den Patienten induzieren können.
„Wir sind davon überzeugt, dass unser Ansatz die Krebsmedizin einen großen Schritt nach vorne bringen kann“, betonte Stefan Miltenyi, der Gründer der Firma Miltenyi Biotec. „Unsere Vision ist es, dass in Zukunft jeder Krebspatient seine eigene personalisierte Therapie erhält, die auf die genetischen Besonderheiten seines Tumors zugeschnitten ist.“

Für die Herstellung dieser individuellen Therapeutika ist es erforderlich, die spezifischen Eigenschaften der Tumorzellen eines Patienten genau zu kennen. Hierfür entwickelt die Miltenyi Biotec GmbH einen Prozess, mit dem individuelle genetische Veränderungen der Tumorzellen identifiziert und mit Methoden der Bioinformatik analysiert werden. Diese Information wird dazu genutzt, das Immunsystem so zu schulen, dass es den Krebs erkennen und gegen die Erkrankung vorgehen kann. Ziel ist die Herstellung von maßgeschneiderten und nebenwirkungsarmen Therapien innerhalb weniger Wochen.

Möglichkeiten der Krebstherapien weiter verbessern
Die beteiligten Forschungseinrichtungen, die Universitätsmedizin Rostock (Zentrum für Innere Medizin, Klinik für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin) und die Universitätsmedizin Greifswald (Klinik für Innere Medizin A), führen basierend auf dem im Projekt entwickelten Prozess eine erste klinische Studie an Patienten durch, die an Bauchspeicheldrüsen- oder Darmkrebs erkrankt sind. Außerdem erarbeiten sie eine umfangreiche Begleitforschung für die klinische Studie und entwickeln neue Analysemethoden, um den Wirkmechanismus der Therapie besser zu verstehen.
Der Krebsspezialist Prof. Christian Junghanß, Direktor der Klinik für Onkologie der Universitätsmedizin Rostock und universitärer Sprecher des Forschungsverbundes, zeigte sich begeistert: „Die Aktivierung, Stärkung und spezielle Ausrichtung des Immunsystems des Patienten gegen die eigenen Tumorzellen ist ein wesentliches Element einer erfolgreichen, modernen Krebstherapie. Die Forschung in diesem Bereich schreitet rasant voran und es ist eine große Freude, dass wir in Mecklenburg-Vorpommern – von der Landesregierung gefördert – einen starken Forschungsverbund mit den beiden Universitäten sowie einem weltweit bekannten Unternehmen gründen konnten. Wir hoffen, durch unsere Forschungsergebnisse die Möglichkeiten der Krebstherapien weiter zu verbessern.“

„Während wir bei der Behandlung des Darmkrebses in den letzten Jahren schon Fortschritte gemacht haben, ist der Bauchspeicheldrüsenkrebs eine der tödlichsten Krankheiten überhaupt geblieben. Nur mit starken Partnern aus der Biotechnologie und im Verbund mit Partnerkliniken können wir diesen Krebs besiegen“, meinte Prof. Markus Lerch von der Universitätsmedizin Greifswald. 
Darüber hinaus sollen die im Verbundforschungsprojekt benötigten medizintechnischen Geräte zusammen mit den jeweils benötigten Reagenzien entwickelt und als Gesamtpaket zur Anwendung in Forschung und Kliniken vermarktet werden.

Wirtschaftsministerium unterstützt vor Ort
Die Gesamtinvestitionen des Projektes belaufen sich auf rund 12,5 Millionen Euro. Das Wirtschaftsministerium unterstützt die Projektpartner des Verbundvorhabens mit rund 6,4 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). „Insbesondere der Verbund von Wirtschaft und Wissenschaft ist für uns ein erfolgversprechendes Modell in der Technologieförderung, denn nur mit international wettbewerbsfähigen Produkten und Verfahren kann Beschäftigung und Wohlstand in Mecklenburg-Vorpommern in der Fläche gesichert werden“, betonte Wirtschaftsminister Glawe.

Hohe Nachfrage – Forschungsförderung soll um 50 Mio. Euro aufgestockt werden
Für die EU-Förderperiode von 2014 bis 2020 stellt das Wirtschaftsministerium 168 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zur Verfügung. „Die Möglichkeiten der Forschungs- und Entwicklungsförderung in Mecklenburg-Vorpommern werden von den Unternehmen und Forschungseinrichtungen des Landes sehr gut angenommen. Ein sehr großer Teil der geplanten 168 Millionen Euro ist daher schon gebunden“, so Glawe weiter.
Allein im Jahr 2017 sind 86 Technologieprojekte mit insgesamt 50,4 Millionen Euro aus dem EFRE vom Wirtschaftsministerium bewilligt worden. „Wir planen, die Forschungs- und Entwicklungsförderung um 50 Millionen Euro aufzustocken. Wir versprechen uns davon eine weitere Stärkung der Innovationskraft der regionalen Wirtschaft und die Schaffung zukunftsorientierter Arbeitsplätze“, so Wirtschaftsminister Glawe. Aktuell werden dazu die Gespräche mit dem EFRE-Begleitausschuss vorbereitet.

Erkrankungen an Darmkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs
Darmkrebs gehört zu den drei häufigsten Krebsarten in Mecklenburg-Vorpommern. Im Jahr 2014 waren im MV 1.317 Menschen (536 Frauen/781 Männer) an Darmkrebs neu erkrankt. Tendenziell ist die Neuerkrankungsrate in den vergangenen zehn Jahren bei Männern und Frauen leicht rückläufig, weil die Darmkrebsvorsorge in Deutschland eine der besten der Welt ist.
Im Jahr 2014 waren in MV 411 Menschen (197 Frauen/214 Männer) an Bauchspeicheldrüsenkrebs neu erkrankt. Die Neuerkrankungsrate der Männer liegt ca. 30 Prozent über der der Frauen. Die Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren lässt derzeit keinen eindeutigen Trend erkennen und Fortschritte in der Diagnostik haben noch nicht zu einer Besserung der Prognose geführt.

 

Quelle: Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Mecklenburg-Vorpommern

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