Entwicklung von Lungenkrebs: US-Studie stellt Zusammenhang mit Rate der Gewalt im Wohnumfeld her26. Juni 2024 Foto: © Firn/stock.adobe.com (KI-generiert) Wissenschaftler haben einen möglichen Auslöser für aggressive Lungentumore bei Patienten identifiziert, die in Gegenden mit hoher Gewaltkriminalität leben. Die Untersuchung der Forschenden ergab, dass sich die Stressreaktionen bei Menschen, die in Gegenden mit einem höheren beziehungsweisen geringeren Niveau von Gewaltkriminalität leben, sowie zwischen kanzerösem und gesundem Gewebe bei denselben Personen unterscheiden. Die Studie wurde konzipiert, um die höhere Lungenkrebsrate unter schwarzen im Vergleich zu weißen Männern zu untersuchen, erläutert Prof. Zeynep Madak-Erdogan von der University of Illinois Urbana-Champaign (USA), die die Forschung zusammen mit Prof. Sage Kim von der University of Illinois Chicago School of Public Health (ebenfalls USA) leitete. Diese Ungleichheit bestehe, obwohl schwarze Männer im Durchschnitt weniger rauchten und später im Leben mit dem Rauchen begännen als weiße Männer, sagt Kim. Zeynep Madak-Erdogan und ihre Kollegen fanden heraus, dass die Stressreaktionen von Lungenkrebspatienten, die in Gegenden mit hoher oder niedriger Gewaltrate leben, unterschiedlich sind. Diese Unterschiede führen wahrscheinlich zu schlechteren Lungenkrebsergebnissen bei Patienten, die in Gegenden mit hoher Gewaltrate leben, berichten die Forschenden. (Foto: © Jonathan King/Cancer Center at Illinois) Konzentration auf Glukokortikoide In einer anderen Studie fanden Kim und ihr Team heraus, dass schwarze Männer, die in Chicagoer Stadtvierteln mit höherer Gewaltkriminalitätsrate leben, wesentlich höhere Cortisolwerte in den Haaren aufweisen – ein Indikator für chronischen Stress – als Männer in Gegenden mit weniger Gewaltkriminalität. Andere Studien hätten eine chronische Stressbelastung mit schlechteren Outcomes bei Krebspatienten in Verbindung gebracht, berichtet Madak-Erdogan. Aber das Wissen der Wissenschaftler darüber, wie Stress „unter die Haut geht“ und die Prognose von Lungenkrebs beeinflusst, sei begrenzt. Die neuere Analyse konzentrierte sich auf Glukokortikoide, eine Gruppe von Steroidhormonen wie Cortisol. Diese Hormone binden an Rezeptoren, die die Aktivität anderer Gene regulieren. Glukokortikoide und deren Rezeptoren sind laut Madak-Erdogan an einer Reihe wichtiger Funktionen beteiligt. Sie helfen bei der Regulierung der Entwicklung des Lungengewebes von Föten und Neugeborenen und spielen eine Rolle bei Stoffwechsel, Homöostase, Entzündung und Immunfunktion in diesem Gewebe. Muster der Genexpression untersucht Die Forscher untersuchten zunächst Muster der Genexpression in Lungenkrebstumoren und in krebsfreiem Lungengewebe von Patienten, die in verschiedenen Postleitzahlengebieten Chicagos lebten – einige mit höheren, andere mit niedrigeren Gewaltkriminalitätsraten. Das Team stellte auch fest, wo die Glukokortikoidrezeptoren (GR) in diesen Geweben an DNA binden. Beide Analysen ergaben, dass die GR-Bindung und die Genexpressionsmuster in gesundem und Tumorgewebe sich unterschieden und dass die Muster auch je nach Wohnort des Patienten differierten. Insgesamt war die GR-Bindung bei solchen Personen am höchsten, die in Gegenden mit hoher Gewaltrate lebten. Innerhalb des Tumorgewebes wiesen diejenigen, die in Postleitzahlengebieten mit hoher Kriminalität lebten, jedoch eine geringere GR-Bindung auf. Sie zeigten auch niedrigere Konzentrationen von GR-regulierten Genen im Tumorgewebe. Die Analysen ergaben auch, dass die GRs in Tumoren Gene für Enzyme aktivierten, die Cortisol abbauen. Dies erklärte die niedrigeren Cortisolwerte – und damit die geringere GR-Bindung – in den Tumoren in Vergleich zu normalem Lungengewebe. Die niedrigeren Cortisolwerte beeinflussten wahrscheinlich das Gesamtverhalten der Rezeptoren in den Lungenkrebstumoren, erklärt Madak-Erdogan. „Bei den Genen, die die Rezeptoren in den Tumoren von Personen in Gegenden mit hoher Gewalt regulierten, handelte es sich um Gene, die mit Entzündungen, höherer Proliferation und höherem Wachstumsfaktor-Signaling in Zusammenhang stehen, die alle zu den schlechtesten Outcomes bei Lungenkrebs führen“, sagt die Forscherin. „Obwohl wir in dieser Studie keinen direkten Zusammenhang nachgewiesen haben, deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass Glukokortikoide und Glukokortikoidrezeptoren ein Haupttreiber für negative Tumor-Outcomes bei Patienten sind, die mit chronisch hohem Umweltstress leben.“ Die Studie berücksichtigte laut Kim andere Faktoren wie Umweltrisiken und Armut, die zu schlechteren Gesundheits-Outcomes bei Menschen in Gegenden mit hoher Kriminalität führen könnten. Eine konsistente Korrelation zwischen Armut oder Umweltrisiken und Lungenkrebs in den betreffenden Vierteln fanden die Wissenschaftler nicht. Vor der neuen Studie hätten Forschende vermutet, dass Stresshormone eine Rolle bei Krebs oder anderen Gesundheitsunterschieden spielen, erklärt Madak-Erdogan. „Aber wir wussten nicht, welche Rolle genau das ist oder wie sie die Progression von Lungenkrebs vorantreiben. Ich denke, diese Studie unterstreicht tatsächlich die Vorstellung, dass Menschen in diesen Gebieten nicht nur stärker gestresst sind. Es ist auch so, dass ihre Stressreaktionen gestört sind. Diese Hormone haben eine direkte Auswirkung auf die normale Zellphysiologie.“
Mehr erfahren zu: "RegioOnkoNet: FZI überführt digitale Onkologie-Lösungen in die Versorgung auf dem Land" RegioOnkoNet: FZI überführt digitale Onkologie-Lösungen in die Versorgung auf dem Land Im Forschungsprojekt RegioOnkoNet schaffen die Verbundpartner eine sichere digitale Infrastruktur, die Fachärzte, Hausärzte und Krebspatienten in der Modellregion Karlsruhe–Freiburg standortunabhängig vernetzt. Das FZI Forschungszentrum Informatik bringt hierfür prototypische digitale Lösungen […]
Mehr erfahren zu: "Knowledge Connector: Bessere klinische Entscheidungen in der molekularen Präzisionsonkologie" Knowledge Connector: Bessere klinische Entscheidungen in der molekularen Präzisionsonkologie Forschende am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg und am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben mit dem Knowledge Connector ein digitales Werkzeug entwickelt, das klinische Entscheidungen in der molekularen Präzisionsonkologie erheblich […]
Mehr erfahren zu: "USA nicht mehr in der WHO: Weniger Geld, fehlende Expertise" USA nicht mehr in der WHO: Weniger Geld, fehlende Expertise Für den Chef der Weltgesundheitsorganisation gibt es durch den US-Austritt nur Verlierer. Was den USA und dem Rest der Welt abhandenkommt.