Entzündliche Veränderungen am Herzen nach COVID-19

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Ein Team aus Ärzten um Dr. Valentina Puntmann und Prof. Eike Nagel vom Universitätsklinikum Frankfurt untersuchte zwischen April und Juni 2020 insgesamt 100 von COVID-19 genesene Patienten mittels kardialer Magnetresonanztomographie (CMR).

In „JAMA Cardiology“ berichten sie, dass im Schnitt 2 Monate nach der Diagnose bei 78 Patienten Auffälligkeiten am Herzen festgestellt werden konnten, 60 dieser Patienten wiesen Anzeichen einer andauernden Herzmuskelentzündung auf, unabhängig von bestehenden Vorerkrankungen, dem Schweregrad der COVID-19-Erkrankung und der Zeit seit der Diagnose.

In der prospektiven, beobachtenden Kohortenstudie wurden neben den 100 rekrutierten PCR-bestätigten COVID-19-Patienten (im Durchschnitt 49±14 Jahre alt, 53% männlich) auch 50 gesunde Probanden untersucht, welche in Alter und Geschlecht an die COVID-19-Kohorte angepasst waren, sowie eine Gruppe von 57 Patienten, welche in den Risikofaktoren übereinstimmte. Erhoben wurden neben einer CMR auch kardiale Blutmarker.

Die CMR wurde im Median 71 Tage (IQR 64–92) nach COVID-19-Diagnose durchgeführt. Bei 33/100 Patienten kam es zu einem Krankenhausaufenthalt aufgrund der SARS-CoV-2-Infektion. Zum Zeitpunkt der CMR konnte bei 71 der genesenen COVID-19-Patienten hochsensitives Troponin T (hsTnT >3 pg/ml) nachgewiesen werden und bei 5 ein signifikant erhöhter Wert von >13,9 pg/ml.

Verglichen mit gesunden und Risikofaktor-angepassten Kontrollen wiesen die kürzlich Genesenen eine niedrigere LVEF sowie ein erhöhtes linksventrikuläres Volumen und eine gesteigerte native T1- und T2-Zeit auf. Bei 78 der Genesenen konnten anormale Befunde in der CMR festgestellt werden, inklusive erhöhte native T1- (n=73) und T2-Zeiten (n=60) sowie Auffälligkeiten beim myokardialen (n=32) oder perikardialen (n=22) Late-Gadolinium-Enhancement.

Die Forschenden konnten einen kleinen aber signifikanten Unterschied zwischen Patienten feststellen, welche sich zu Hause oder im Krankenhaus erholten, in Bezug auf das native T1-Mapping (Median 1119 ms; IQR 1092–1150 vs. 1141 ms; IQR 1121–1175; p=0,008) und den hsTnT-Wert (Median 4,2 pg/dl; IQR 3,0–5,9 vs. Median 6,3 pg/dl; IQR 3,4–7,9; p=0,002). Keiner dieser Messwerte korrelierte mit der Zeit seit der COVID-19-Diagnose, aber hsTnT korrelierte signifikant mit nativem T1-Mapping (r=0,33; p<0,001) und nativem T2-Mapping (r=0,18; p=0,01).

Eine Endomyokardbiopsie von Patienten mit erheblichen Auffälligkeiten offenbarte eine aktive lymphozytäre Entzündung. Native T1- und T2-Zeiten waren den Autoren zufolge die Maße mit der besten Trennschärfe, um eine COVID-19-bedingte Myokardpathologie zu erkennen. Sie schlussfolgern, dass weitere Studien nötig wären, um die kardiovaskulären Langzeitfolgen einer COVID-19-Erkrankung genauer zu ermitteln.

Fazit
Bei Patienten, die sich kürzlich von einer COVID-19-Infektion erholt hatten, konnte im Schnitt 2 Monate nach der Diagnose bei 78 Patienten Auffälligkeiten am Herzen festgestellt werden. 60 dieser Patienten wiesen Anzeichen einer andauernden Herzmuskelentzündung auf, unabhängig von bestehenden Vorerkrankungen, dem Schweregrad der COVID-19-Erkrankung und der Zeit seit der Diagnose. (ah)

Autoren: Puntmann VO et al.
Korrespondenz: Eike Nagel; [email protected]
Studie: Outcomes of Cardiovascular Magnetic Resonance Imaging in Patients Recently Recovered From Coronavirus Disease 2019 (COVID-19)
Quelle: JAMA Cardiol 2020;5(11):1265–1273.
Web: https://doi.org/10.1001/jamacardio.2020.3557