Entzündungsgene als Link zwischen Bauchspeicheldrüsenkrebs und Stoffwechselerkrankungen13. Mai 2026 Adipositas und Diabetes gelten als Risikofaktoren für Bauchspeicheldrüsenkrebs. Symbolbild: Catalin Pop/stock.adobe.com Neuen Daten zufolge sind bei Bauchspeicheldrüsenkrebs, Adipositas und Diabetes dieselben Gene aktiv. Gemeinsame Entzündungsprozesse könnten erklären, warum Menschen mit Stoffwechselerkrankungen häufig eine schlechtere Prognose bei Krebserkrankungen haben – und neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen. Gene, die bereits mit dem Wiederauftreten von Bauchspeicheldrüsenkrebs in Verbindung gebracht wurden, sind auch bei Stoffwechselerkrankungen aktiv. Das haben Forschende der Universität Birmingham mithilfe umfangreicher genetischer Datensätze von Mensch und Maus sowie Einzelzellanalysen von Pankreaskarzinomen herausgefunden. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift „Cancer Medicine“ veröffentlicht. Adipositas und Diabetes als Risikofaktoren Das Pankreaskarzinom – oder duktale Adenokarzinom der Bauchspeicheldrüse (PDAC) – zählt zu den tödlichsten Krebsarten. Charakteristisch sind eine späte Diagnose, begrenzte Behandlungsmöglichkeiten und ein hohes Rezidivrisiko. Rund 80 Prozent der Patientinnen und Patienten erleiden auch nach einer Operation einen Rückfall. Adipositas und Typ-2-Diabetes sind bekannte Risikofaktoren für PDAC, die biologischen Gründe für diesen Zusammenhang sind allerdings noch nicht vollständig verstanden. „Wir wissen, dass Menschen mit Adipositas oder Diabetes tendenziell einen schwereren Verlauf von Bauchspeicheldrüsenkrebs haben, doch die biologischen Gründe dafür waren bisher unklar“, erklärt Hauptautor Dr. Animesh Acharjee von der Universität Birmingham. „Unsere Studie zeigt, dass dieselben Gene und Entzündungsprozesse sowohl bei Stoffwechselerkrankungen als auch beim Pankreaskarzinom aktiv sind. Das trägt zu einem besseren Verständnis dieses Zusammenhangs bei und eröffnet neue Möglichkeiten, Hochrisikopatienten zu identifizieren und gezieltere Therapien zu entwickeln.“ Die biologischen Zusammenhänge entschlüsseln Um die gemeinsamen biologischen Mechanismen zwischen Bauchspeicheldrüsenkrebs und Stoffwechselerkrankungen zu untersuchen, nutzte das Team einen integrativen, mehrstufigen Ansatz. Zunächst analysierten sie öffentlich zugängliche genetische Datensätze von Menschen und Mäusen. Im Fokus stand dabei das Verhalten wichtiger, mit Bauchspeicheldrüsenkrebs assoziierter Gene: ITGAM, PECAM1, CCL5, STAT1, STAT2 und CD44. Die Forschenden verglichen die Genexpression zwischen gesunden und übergewichtigen Individuen. Dadurch ließen sich konsistente Muster über verschiedene Spezies hinweg identifizieren. Anschließend analysierte das Team Einzelzelldaten aus menschlichen Pankreastumoren, um die Aktivität innerhalb der Tumormikroumgebung zu untersuchen. Dies offenbarte eine spezifische Immunzellpopulation mit besonders hoher Entzündungsaktivität, die sowohl mit Stoffwechselstörungen als auch mit der Tumorprogression in Verbindung steht. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass Entzündungen im Zusammenhang mit Fettleibigkeit oder Diabetes dazu beitragen können, das Tumorwachstum und Rezidive zu begünstigen. Gemeinsame Entzündungsprozesse? Die untersuchten Gene steuern entzündliche und immunologische Prozesse – und scheinen eine gemeinsame biologische Verbindung zwischen Stoffwechselerkrankungen und Bauchspeicheldrüsenkrebs darzustellen. Um ihre Ergebnisse abschließend zu validieren, analysierten die Forschenden menschliche Fettgewebeproben im Labor. Die Ergebnisse bestätigen, dass mehrere der untersuchten Gene bei Proben von übergewichtigen im Vergleich zu normalgewichtigen Personen tatsächlich signifikant hochreguliert sind. „Diese Studie verdeutlicht, wie chronische Entzündungen und Stoffwechselstörungen mit der Krebsbiologie interagieren können. Das Verständnis dieser gemeinsamen Mechanismen ist unerlässlich, um die Behandlungsergebnisse für Patienten mit mehreren chronischen Erkrankungen neben einer Krebserkrankung zu verbessern“, fügt Co-Autor Prof. Simon Jones hinzu. (mkl/BIERMANN)
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