Epigenetischer Fingerabdruck als Herkunftsnachweis für Hühnchen, Shrimps und Lachs31. März 2023 Bild: © nehopelon – stock.adobe.com Bio-Freilandhühnchen oder Legebatterie? Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum haben ein neues Nachweisverfahren entwickelt, das solche Haltungsunterschiede aufdecken kann. Das epigenetische Verfahren beruht auf der Analyse der charakteristischen Muster von chemischen Markierungen am Erbgut der Tiere. Wurde der Lachs für das Abendessen mit Freunden tatsächlich wild gefangen oder stammt er nicht vielleicht doch aus der Aquakultur? Was ist von der angeblichen „Bioqualität“ der Shrimps für den Meeresfrüchtesalat zu halten? Und durfte das Hähnchen für den Sonntagsbraten sein Leben wirklich im Freiland verbringen?Labore für Lebensmittelanalytik können solche Fragen nur bedingt beantworten. Auch sind dazu in der Regel aufwändige Untersuchungen erforderlich, bei denen mehrere Tests kombiniert werden müssen. Eine möglicherweise einfachere Lösung stellt nun ein Team um Frank Lyko vom DKFZ gemeinsam mit Kollegen vom Chemie-Unternehmen Evonik vor. Ihr neuer Ansatz: Sie analysieren den charakteristischen Fingerabdruck der chemischen Markierungen am Erbgut der Tiere.„Die Frage der Herkunft von Lebensmitteln wird für die Verbraucher zunehmend zum Kaufargument – besonders, wenn es um tierische Produkte und damit auch um das Tierwohl geht“, sagt Lyko. „Wir haben nun ein erstaunlich sensibles Nachweisverfahren etabliert, das viele der Umweltfaktoren abbildet, die für das Wohlergehen der Tiere relevant sind.“Im Gegensatz zur lebenslang stabilen Abfolge der DNA-Bausteine können die Methyl-Markierungen neu angeheftet oder aber wieder entfernt werden. Das geschieht in Anpassung an biologische Erfordernisse. So ändert sich beim Menschen das Methyl-Muster, das Methylom, im Zuge von Krankheiten oder im Verlauf des Alters. Welchen Einfluss Umweltfaktoren auf das Methylom haben, ist nicht immer leicht nachzuweisen. Lykos Labor im DKFZ hat mit dem Marmorkrebs einen idealen Modellorganismus gefunden, um zu dieser Frage umfassende Expertise zu sammeln: „Alle Marmorkrebse haben ein identisches Erbgut, sie sind also ein einziger Klon. Daher wird die Untersuchung von umweltbedingten Änderungen im Methylierungsmuster auch nicht durch abweichende genetische Faktoren verfälscht“, erklärt der Biologe Lyko. Für die Methylom-Analyse nutzen die Forscher eine spezielle Technik der DNA-Sequenzierung, mit der sie jeden einzelnen methylierten DNA-Baustein identifizieren können. Lyko und Kollegen konnten so Marmorkrebs-Populationen aus verschiedenen Teilen der Welt eindeutig identifizieren. Dabei gelang die Unterscheidung von Tieren aus sauberen oder eutrophierten Gewässern oder aus der Laborhaltung. Auch den zeitlichen Verlauf der Anpassung des Methylierungsmusters beim Wechsel zwischen zwei Haltungsformen konnten die Forscher mitverfolgen. Ermutigt durch diese eindeutigen Ergebnisse weitete das Team die Methylom-Analysen erfolgreich auf Tiere aus, die auf dem Speiseplan des Menschen stehen. Dieses Projekt führten sie in Zusammenarbeit mit Kollegen von Evonik durch.Die Forscher konnten Shrimps aus verschiedenen Aufzuchtanlagen unterscheiden. Das Methylom von Lachsen aus langsam fließenden Flüssen weicht ab von dem ihrer Artgenossen, die in Gebirgsbächen lebten. Bei Hühnern wirkten sich der Haltungsbetrieb und dessen Futterangebot auf das Muster der Methylierung aus. „Die Umwelt-und Lebensbedingungen hinterlassen bei allen untersuchten Organismen einen spezifischen Fingerabdruck im Methylom. Der fällt bei einem Freilandhähnchen anders aus als bei einer Massentierhaltung im Stall“, sagt Lyko.„Die Methyl-Fingerabdrücke könnten als wichtiger Biomarker die Möglichkeiten der Lebensmittelanalytik erweitern,“ sagt DKFZ-Forscherin Sina Tönges. „Allerdings ist die Sequenzierung, wie wir sie in dieser Studie angewandt haben, ein aufwändiges Verfahren, das nicht routinemäßig in der Lebensmittelanalytik durchgeführt werden kann. Wir arbeiten daher gemeinsam mit Evonik daran, ein Testsystem für das Methylom-Fingerprinting zu entwickeln, das auch in der Breite Einzug in die Labore halten kann.“
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