Epilepsie mit einem erhöhten Risiko für Demenz vor dem 65. Lebensjahr assoziiert

Symbolbild KI-generiert mit Gemini.

Menschen mit Epilepsie entwickeln möglicherweise häufiger eine Demenz vor dem 65. Lebensjahr als Menschen ohne Epilepsie. Dies geht aus einer Studie hervor, die in der Fachzeitschrift „Neurology“ veröffentlicht wurde.

„Die Ergebnisse sprechen dafür, die Demenzprävention in die Versorgung von Menschen mit Epilepsie zu integrieren“, kommentiert Studienautor Dr. Vincent Navarro von der Sorbonne-Universität in Paris (Frankreich). „Betroffene könnten von einer früheren Einschätzung ihrer kognitiven Risiken sowie einer gezielteren Behandlung beeinflussbarer Risikofaktoren – etwa kardiovaskulärer Faktoren wie Bluthochdruck – profitieren.“

Zwei Analysen in Frankreich und Schweden

Die Forschenden untersuchten den Zusammenhang mithilfe von zwei unterschiedlichen Ansätzen und nutzten dafür nationale Gesundheitsdatenbanken aus Frankreich und Schweden. In der ersten Analyse verglichen sie Menschen mit einer Diagnose einer Demenz vor dem 65. Lebensjahr mit jeweils zehn Personen gleichen Alters und Geschlechts ohne Demenz. Anschließend prüften sie, ob bis zu zehn Jahre vor der Demenzdiagnose eine Epilepsie diagnostiziert oder Antiepileptika verordnet worden waren.

In Frankreich wurden 11.360 Menschen mit Demenz vor dem 65. Lebensjahr mit 113.600 Menschen ohne Demenz verglichen. In Schweden umfasste die Analyse 16.433 Betroffene mit Demenz und 164.330 Vergleichspersonen.

In der französischen Kohorte hatten 12,5 Prozent der Menschen mit Demenz zuvor eine Epilepsiediagnose erhalten. In der Vergleichsgruppe ohne Demenz waren es 1,2 Prozent. Zudem hatten 27,3 Prozent der Menschen mit Demenz Antiepileptika erhalten, verglichen mit 10,3 Prozent der Personen ohne Demenz. Die Ergebnisse aus Schweden waren vergleichbar.

Sechsfach erhöhtes relatives Risiko nach neuer Epilepsiediagnose

Für die zweite Analyse identifizierten die Forschenden Menschen in Frankreich im Alter von 30 bis 55 Jahren, bei denen im Jahr 2008 erstmals eine Epilepsie diagnostiziert worden war. Diese Gruppe wurde mit Menschen verglichen, die bereits vor 2008 an Epilepsie erkrankt waren, sowie mit Personen ohne Epilepsie. Die Teilnehmenden wurden bis zu zehn Jahre lang beobachtet.

Insgesamt umfasste die Analyse 12.901 Menschen mit neu diagnostizierter Epilepsie, 64.083 Menschen mit bereits bestehender Epilepsie und 129.010 Personen ohne Epilepsie.

Während des zehnjährigen Beobachtungszeitraums entwickelten 2,2 Prozent der Menschen mit neu diagnostizierter Epilepsie eine Demenz vor dem 65. Lebensjahr. Bei den Personen mit bereits bestehender Epilepsie waren es 1,7 Prozent, in der Gruppe ohne Epilepsie 0,2 Prozent.

Nach Berücksichtigung weiterer Faktoren, die das Demenzrisiko beeinflussen können, darunter Schlaganfälle, affektive Störungen und Schädel-Hirn-Traumata, hatten Menschen mit neu diagnostizierter Epilepsie ein etwa sechsfach erhöhtes relatives Risiko für eine Demenz vor dem 65. Lebensjahr. Bei Personen mit bereits bestehender Epilepsie war das Risiko um 74 Prozent erhöht.

Absolute Risiken bleiben niedrig

Frühere Untersuchungen hatten bereits einen Zusammenhang zwischen Epilepsie und einer Demenz im höheren Lebensalter gezeigt. Für eine Demenz mit Beginn vor dem 65. Lebensjahr lagen bislang jedoch nur begrenzte Daten vor.

„Obwohl die Ergebnisse einen starken Zusammenhang zwischen Epilepsie und einer Demenz vor dem 65. Lebensjahr zeigen, ist es wichtig zu berücksichtigen, dass das absolute Risiko niedrig ist“, betont Navarro.

Die Studie hat mehrere Einschränkungen. So lagen keine detaillierten Informationen zur Ursache oder zum Typ der Demenz sowie zur Form der Epilepsie vor. Zudem stammen die Daten aus Frankreich und Schweden, zwei Ländern mit hohem Einkommen und einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung. Ob sich die Ergebnisse auf andere Gesundheitssysteme und Bevölkerungsgruppen übertragen lassen, ist daher offen.

(lj/BIERMANN)