Epilepsie: Neuer Ansatz für ursächliche Therapie erforscht12. Juni 2025 Foto: © Thamrong – stock.adobe.com Ein Forschungsteam der Medizinischen Universität Wien hat im Rahmen einer Studie einen molekularen Mechanismus identifiziert, der schon bei der Entstehung von Anfallsaktivität eine Rolle spielt. Diese Erkenntnisse könnten den Weg für die Erforschung und Entwicklung ursächlicher Epilepsietherapien ebnen. In den Mittelpunkt seiner Untersuchungen stellte das Forschungsteam um Helmut Kubista und Matej Hotka (Zentrum für Physiologie und Pharmakologie, Abteilung für Neurophysiologie und -pharmakologie, MedUni Wien) die paroxysmalen Depolarisationsschübe (PDS). Dabei handelt es sich um eine Form gesteigerter elektrischer Aktivität in Nervenzellen, die als Folge von Hirnschädigungen auftreten kann. Bisher gelten PDS in der Forschung als Vorboten, in manchen Studien auch als Teilelemente von epileptischen Anfällen. Dass PDS eine Rolle bei der Entstehung der Erkrankung selbst spielen, wurde erst in jüngster Zeit vermutet. Die Wissenschaftler der MedUni Wien, Österreich, konnten diese Hypothese nun nicht nur bestätigen, sie haben auch einen dahinter liegenden Mechanismus entschlüsselt. Um zu den aktuell publizierten Ergebnissen zu gelangen, untersuchten die Forscher die Auswirkungen von PDS auf Nervenzellen in einem speziell entwickelten Zellkulturmodell. „Unsere Beobachtungen ergaben, dass PDS temporär zu einem völlig veränderten Energiestoffwechsel in den Neuronen des Hippocampus führen“, berichtet Kubista. Diese Veränderung aktiviert zwar zunächst einen Schutzmechanismus gegen weitere Schädigungen, ebnet aber langfristig den Weg für anfallsartige elektrische Entladungen. 65 Millionen Betroffene weltweit Epilepsie ist eine chronische neurologische Erkrankung, von der weltweit rund 65 Millionen Menschen betroffen sind. Die damit verbundenen Anfälle werden auf eine Störung der Erregungskontrolle in Gehirnzellen zurückgeführt. Sowohl die angeborene als auch die (zumeist als Folge von Hirnschädigungen) erworbene Form der Epilepsie werden vorwiegend mit Medikamenten behandelt, die auf eine Unterdrückung der Anfälle abzielen. Aufgrund der bisherigen Wissenslücken über die Entstehung fehlen Strategien, um die Entwicklung der Erkrankung zu verhindern. Mit den nun gewonnenen Erkenntnissen wurde ein neuer Ansatz zur Erforschung und Entwicklung ursächlicher Therapiemöglichkeiten gefunden: „Unsere Studie weist PDS als einen möglichen Angriffspunkt aus, um in den Entstehungsmechanismus von Epilepsie und epileptischen Anfällen einzugreifen. Dies könnte für die Prävention von Epilepsieformen relevant werden, die durch Hirnschädigungen wie Schlaganfall, Hirnblutung oder Schädel-Hirn-Trauma entstehen können“, blickt Kubista auf weitere Studien, die den eingeschlagenen Forschungsweg fortsetzen sollen.
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