Epilepsie: Wechsel auf ein wirkstoffgleiches Medikament ist problematisch

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Das Risiko, epileptische Anfälle zu erleiden, steigt nach dem Wechsel auf ein wirkstoffgleiches Präparat eines anderen Herstellers um mehr 30 Prozent. Das zeigt eine aktuelle Studie. Die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie e.V. gibt praktische Vorschläge, um Patientenwohl und Wirtschaftlichkeitsgebot möglichst gerecht zu werden.


Etwa zwei Drittel der Patienten kann erfolgreich behandelt werden und bleibt unter der Therapie mit einem Antikonvulsivum langanhaltend anfallsfrei. In diesem Fall sollte immer von einem Wechsel der Medikation abgesehen werden, wenn keine nicht tolerierbaren Nebenwirkungen auftreten.

Doch nicht nur der Wechsel von Substanz zu Substanz ist problematisch, sondern schon der Wechsel von der einen Substanz eines Herstellers zu der gleichen Substanz eines anderen Herstellers. Das zeigte jüngst eine landesweite Auswertung1 von mehr als 30.000 Epilepsie-Patienten, die von 163 Neurologen in Deutschland behandelt wurden. Die Studie ergab, dass sich das Risiko von wiederauftretenden epileptischen Anfällen bei bis dato anfallsfreien Patienten nach Wechsel auf die gleiche Substanz eines anderen Herstellers um mehr 30 Prozent erhöhte. Davon schienen insbesondere ältere Patienten betroffen zu sein. Die Studienautoren schlussfolgerten, dass ein Herstellerwechsel im Praxisalltag demnach nicht unkritisch sei.

Praktisch stellt das Studienergebnis behandelnde Neurologen vor ein Dilemma. „Wie alle Ärzte unterliegen wir dem Wirtschaftlichkeitsgebot und versuchen, möglichst häufig die kosteneffizientesten Präparate einzusetzen. Doch jeder Herstellerwechsel bei einem Antikonvulsivum kann zu Anfallsrezidiven führen, was wir natürlich zum Wohl unserer Patienten vermeiden möchten“, erklärte Prof. Hajo M. Hamer, Universitätsklinikum Erlangen, 1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie.

Warum ist das der Fall, wo Generika doch eigentlich wirkstoffgleich sein müssten? „Verschiedene generische Präparate enthalten zwar die gleichen Wirkstoffe, unterscheiden sich aber mitunter hinsichtlich der Hilfsstoffe. Auch wenn sich die Darreichungsform, das Aussehen, die Größe oder die Stärke der Tabletten ändern, kann das zu Einnahmefehlern und Verwechselungen führen, die den Therapieerfolg gefährden und zu einem höheren Anfallsrisiko führen können“, erklärte Hamer.

Die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie e.V. hat daher vor wenigen Tagen eine Stellungnahme2 publiziert, die sich dieser Thematik annimmt. Sie gibt praktische Vorschläge an die Hand, wie Präparatsumstellungen im Praxisalltag einerseits möglichst vermieden, andererseits bestmöglich medizinisch begleitet werden können.

Publikationen:
1. Lang JD et al.: Switching the manufacturer of antiepileptic drugs is associated with higher risk of seizures: A nationwide study of prescription data in Germany. Ann Neurol. 2018;84(6):918-925.
2. Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie e.V. „Herstellerwechsel bei Antikonvulsiva”.