Erblicher Prostatakrebs: Neue Form entdeckt14. Juli 2026 Abbildung: Елена Бутусова/stock.adobe.com Forschende von der University of British Columbia haben eine neue Form von seltenem erblichen Prostatakrebs identifiziert. Sie kann schon in jungen Jahren zu einer aggressiven Erkrankung führen. Die Entdeckung ebnet nach Ansicht der Autoren den Weg für Gentests, die dabei helfen könnten, gefährdete Familien zu identifizieren und die Krebsfrüherkennung zu unterstützen. Während die meisten Krebsarten durch genetische Veränderungen verursacht werden, die sich im Laufe des Lebens ansammeln, stehen etwa fünf bis zehn Prozent mit vererbten Mutationen in Zusammenhang, die von einer Generation an die nächste weitergegeben werden können. Die bekanntesten Beispiele hierfür sind Mutationen in den Genen BRCA1 und BRCA2, die das Risiko für bestimmte Krebsarten – darunter Brust-, Eierstock-, Bauchspeicheldrüsen- und Prostatakrebs – erheblich erhöhen. Genetische Tests auf BRCA-Mutationen, so unterstreicht die University of British Columbia (UBC; Kanada) in einer aktuellen Mitteilung, hätten die Krebsversorgung revolutioniert, da sie gefährdeten Personen den Zugang zu Früherkennungs- und Präventionsprogrammen ermöglichen. In ihrer neuen, in der Zeitschrift „Cancer Discovery“ veröffentlichten Studie identifizierte ein Autorenteam ein weiteres Gen – CDK12 –, das als ähnliches Warnsignal für aggressiven Prostatakrebs dienen könnte. Metastasierende Erkrankung bereits zum Zeitpunkt der Diagnose Die Forschenden analysierten genetische Daten von mehr als 4500 Personen mit aggressivem Prostatakrebs und identifizierten fünf nicht miteinander verwandte Männer, die vererbte CDK12-Mutationen aufwiesen. Bei allen fünf entwickelte sich im Alter zwischen 44 und 62 Jahren ein metastasierendes Prostatakarzinom. „Auffällig ist, dass jeder Patient, bei dem wir diese vererbte Mutation nachwiesen, zum Zeitpunkt der Diagnose bereits an einer metastasierenden Erkrankung litt“, berichtet Seniorautor Dr. Alexander Wyatt, außerordentlicher Professor für urologische Forschung an der medizinischen Fakultät der University of British Columbia und Inhaber des dortigen President’s Excellence Chair für Präzisionsonkologie. „Nun bietet sich die Chance, diese Familien früher zu identifizieren und den Betroffenen zu ermöglichen, von erweiterten Screening-Maßnahmen zu profitieren, solange noch kurative Behandlungsoptionen bestehen.“ Aufdeckung eines bisher unbekannten erblichen Risikos Die Studie war das Ergebnis einer internationalen Zusammenarbeit zwischen Forschenden der University of British Columbia, dem Krebsprogramm der kanadischen Provinz British Columbia (BC Cancer), dem Vancouver Coastal Health Research Institute (Kanada) und der University of Washington (USA) sowie Forschungsinstitutionen in Australien, den Niederlanden, Spanien und Belgien. Bislang gingen Wissenschaftler davon aus, dass sich negativ wirkende CDK12-Mutationen nur spontan in Tumorzellen auftreten und nicht vererbt werden können. Um zu bestätigen, dass die vererbten Mutationen die Ursache für den Krebs waren, suchten die Forschenden nach einem charakteristischen genetischen Fingerabdruck, der entsteht, wenn das CDK12-Gen seine Funktion verliert. „Die Tumoren lieferten uns eine genetische Signatur, die direkt auf CDK12 hinwies“, erklärt Erstautorin Dr. Sofie Tolmeijer, Postdoktorandin in Wyatts Labor. „Dies lieferte uns überzeugende Belege dafür, dass diese vererbten Mutationen eine direkte Rolle bei der Entstehung der Krebserkrankung spielten.“ Obwohl vererbte CDK12-Mutationen nur bei etwa einem von 1000 Männern mit aggressivem Prostatakarzinom gefunden wurden, gehen die Forschenden davon aus, dass weltweit Hunderte von Familien davon betroffen sein könnten. „Diese Mutation ist zwar extrem selten, doch die Entdeckung könnte für die betroffenen Familien lebensrettend sein“, ordnet Tolmeijer die Forschungsergebnisse ein. „Die Identifizierung einer Person mit einer vererbten Mutation gibt uns die Möglichkeit, auch gefährdete Familienangehörige ausfindig zu machen und ihnen zu helfen, Maßnahmen zu ergreifen, noch bevor sich der Krebs entwickelt oder ausbreitet.“ Ausweitung der Gentests für gefährdete Familien scheint angeraten Nach Auffassung der Studienautoren sprechen die Ergebnisse dafür, CDK12 in die Standard-Gentest-Panels für erbliches Prostatakarzinom aufzunehmen. Im Gegensatz zu vielen neu entdeckten Krebs-Biomarkern können CDK12-Mutationen bereits mit vorhandener klinischer Technologie nachgewiesen werden, was einen potenziell rascheren und kostengünstigeren Weg zu erweiterten Tests eröffnet. „Einer der spannendsten Aspekte dieser Entdeckung ist, dass wir bereits über die Technologie verfügen, um entsprechend zu handeln“, erklärt Wyatt, der zudem als leitender Wissenschaftler am Vancouver Prostate Centre und als Senior Scientist bei BC Cancer tätig ist. „Die Aufnahme von CDK12 in bestehende Gentests ist relativ unkompliziert. Das bedeutet, dass diese Entdeckung viel schneller vom Forschungslabor in die klinische Versorgung überführt werden könnte.“ Die Studie legt zudem nahe, dass vererbte CDK12-Mutationen das Risiko für Ovarialkarzinome erhöhen könnten: Bei mehreren Patienten gab es Fälle von Eierstockkrebs in der Familie. Zudem identifizierten die Forschenden eine weitere Person mit Eierstockkrebs, die eine vererbte CDK12-Mutation trug und deren Tumor dieselben charakteristischen genetischen Veränderungen aufwies. „Mithilfe geeigneter Gentests und Vorsorgeprogramme stellen wir uns eine Zukunft vor, in der niemand mehr an Krebs stirbt, der eine dieser Mutationen geerbt hat“, verdeutlicht Wyatt. (ac)
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