Erfolg für Magdeburger Wissenschaftler mit einem „Brutkasten“ für die Lunge

Prof. Thorsten Walles und Promotionsstipendiatin Isabell Knoblich demonstrieren ihre medizintechnische Entwicklung in der experimentellen Thoraxchirurgie. (Foto: © Christian Morawe/Universitätsmedizin Magdeburg)

Die Arbeitsgruppe „Experimentelle Thoraxchirurgie“ der Universitätsmedizin Magdeburg unter der Leitung von Dr. Cornelia Wiese-Rischke ist für die innovative Forschungsarbeit von Promotionsstipendiatin Isabell Knoblich mit dem Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie 2020 ausgezeichnet worden.

Unter dem Titel „Optimierung der Organperfusion in einem präklinischen ex–vivo Lungen-Perfusionsmodell“ haben die Wissenschaftler um Prof. Dr. Thorsten Walles von der Universitätsklinik für Herz- und Thoraxchirurgie Magdeburg ein Versorgungssystem – vergleichbar mit einem „Brutkasten“ – für die Lunge entwickelt. Damit ist es nicht nur möglich, die Lunge als Spenderorgan außerhalb des Körpers optimal zu versorgen, sondern auch neue OP-Techniken und Untersuchungsverfahren am „lebenden“ Organ zu erproben und zu entwickeln. Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert. Die Preisvergabe fand im Rahmen des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie am 9. Oktober in Wiesbaden statt.

„Unser System bietet größtmögliche Flexibilität für die Forschung, ganz unabhängig von anderen medizinischen Geräteherstellern und ist darüber hinaus auch noch deutlich kostengünstiger“, erklärt Walles. Die Forschergruppe arbeitet seit mehreren Jahren an einem eigenen System. Mit dieser Entwicklung, in der eine isolierte Lunge für die Dauer einer üblichen Lungenoperation außerhalb des Körpers durchblutet und belüftet wird, können in realitätsgetreuer Umgebung Experimente durchgeführt werden. Die modulare Konstruktion erlaubt zudem die gezielte Modifikation des Systems für alternative Anwendungen. So ist es den Ärzten beispielsweise möglich, Gewebekleber, die für den intraoperativen Einsatz am Menschen entwickelt werden, realitätsnah auf ihre Funktionalität zu testen. Die Apparatur fungiert zudem als OP-Simulator und kann für das Training thoraxchirurgischer Eingriffe mit „lebendem“ Organ eingesetzt werden. Zukünftig soll das System außerhalb der Transplantationsmedizin von Ärzten, Wissenschaftlern und Ingenieuren für die Lungenforschung und Therapieentwicklung eingesetzt werden.

Das Magdeburger Ex-vivo-Lungenmodell ist das Ergebnis einer mehrjährigen Forschungskooperation zwischen der Universitätsklinik für Herz- und Thoraxchirurgie (Prof. Thorsten Walles), der Otto-von-Guericke Universität mit dem Forschungscampus STIMULATE (Dr. Vojtech Kulvait), dem Forschungslabor INKA (Dr. Axel Böse) und der Core Facility Tissue Engineering (Prof. Heike Walles). Die Forschungsidee wurde bereits 2016 mit dem Hugo-Junkers-Preis für Forschung und Innovation des Landes Sachsen-Anhalt in der Kategorie Angewandte Forschung ausgezeichnet.