Erfolg mit perioperativer Therapie bei lokalisiertem Hochrisiko-Prostatakarzinom

Bei lokalisiertem Hochrisiko-Prostatakrebs wurde bisher keine regelhafte perioperative Therapie zusätzlich zur Prostatektomie durchgeführt. Symbolbild: Peakstock – stock.adobe.com

Eine perioperative Therapie könnte beim lokalisierten Hochrisiko-Prostatakarzinom neuer Standard werden. Darauf weisen die Ergebnisse einer randomisierten, kontrollierten Phase-III-Studie hin, die am 31.05.2026 auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago (USA) vorgestellt wurde.

Die vom Pharmaunternehmen Johnson & Johnson finanzierte PROTEUS-Studie war darauf ausgelegt zu prüfen, ob die Verabreichung von Apalutamid zusätzlich zur Androgendeprivationstherapie (ADT) vor und nach der Operation die Bildung von Metastasen im Vergleich zu einer Behandlung mit Placebo und ADT verringert. An der Studie nahmen 2109 Patienten aus insgesamt 118 Krankenhäusern weltweit teil. Das mittlere Alter der Teilnehmer lag bei 66 Jahren. Die Teilnehmer wiesen einen medianen PSA-Wert von 14,8 (0,0–2798,0) ng/ml auf, und die Mehrheit hatte einen Gleason-Score von 8 oder höher, was auf eine Erkrankung mit hohem Risiko hindeutet.

Die Teilnehmer wurden in 2 Gruppen aufgeteilt. Alle unterzogen sich einer radikalen Prostatektomie und erhielten über einen Zeitraum von 6 Monaten vor sowie 6 Monaten nach der Operation eine ADT. Die beiden Gruppen unterschieden sich hinsichtlich der zusätzlichen Behandlung, die sie begleitend zur ADT erhielten: 1057 Teilnehmer erhielten Apalutamid, während 1052 ein Placebo erhielten.

Bessere Ergebnisse mit Apalutamid

Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 61,7 Monaten zeigten die Ergebnisse, dass die Verabreichung von Apalutamid vor und nach der radikalen Prostatektomie die Behandlungsergebnisse verbesserte. Bei Patienten, die neoadjuvantes Apalutamid erhielten, war die Wahrscheinlichkeit einer signifikanten Reduktion der Tumorzellen zum Zeitpunkt der Prostataoperation etwa 10-mal höher: 8,9 % der Patienten in der Apalutamid-Gruppe und 1 % in der Placebo-Gruppe erreichten eine pathologische Komplettremission oder wiesen lediglich eine minimale Resterkrankung auf.

Bei Teilnehmern, die Apalutamid erhielten, war das Risiko eines Wiederauftretens des Prostatakarzinoms um 29 % verringert. Die neoadjuvante und adjuvante Behandlung mit Apalutamid verlängerte das mediane ereignisfreie Überleben von 38,4 Monaten in der Placebo-Gruppe auf 57,1 Monate in der Apalutamid-Gruppe.

Die Behandlung mit Apalutamid senkte das Metastasierungsrisiko im Vergleich zu Placebo um 20 % und verbesserte die 5-Jahres-Rate des metastasenfreien Überlebens von 73,5 % in der Placebo-Gruppe auf 78,2 % in der Apalutamid-Gruppe.

Im Vergleich zur Placebo-Gruppe traten in der Apalutamid-Gruppe häufiger schwere und lebensbedrohliche unerwünschte Ereignisse (Grad 3 bis 4) auf; diese wurden bei 39,6 % bzw. 31 % der Teilnehmer beobachtet. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse in beiden Gruppen waren eine Ansammlung von Lymphflüssigkeit (Lymphozele) und Harnwegsinfektionen. In der Placebo-Gruppe traten zudem Fälle von Lungenembolie auf. Hautausschläge waren in der Apalutamid-Gruppe der häufigste Grund für einen Abbruch der Behandlung.

„Mögliche neue Behandlungsoption“

„Diese Studie untersuchte eine intensivierte ADT mit dem Ziel, Tumoren zu verkleinern, mögliche mikroskopische Krankheitsherde zu eliminieren und die Langzeitergebnisse zu verbessern“, sagte die leitende Studienautorin Dr. Mary-Ellen Taplin vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston (USA). „Die positiven Ergebnisse sprechen für die Kombination von Apalutamid und Androgendeprivationstherapie im Rahmen einer radikalen Prostatektomie als mögliche neue Behandlungsoption für Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom mit hohem Risiko.“

Die Mediziner wollen die Daten der PROTEUS-Studie nutzen, um den Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Tumorverkleinerung und den Langzeitergebnissen zu evaluieren. Zudem wollen sie Biomarker suchen, um vorherzusagen, welche Patienten von Apalutamid profitieren und ob die Wirksamkeit der Behandlung im Verlauf nachlassen könnte. Geplant sind außerdem Analysen der Ergebnisse aus Patientensicht, um die Auswirkungen der Behandlung auf die Lebensqualität zu erfassen.

Direktvergleiche zu anderen Optionen stehen noch aus

Der ASCO-Experte für urogenitale Krebserkrankungen Dr. William K. Oh von der Yale School of Medicine in New Haven (USA) kommentierte: „Dies ist die erste überzeugende randomisierte kontrollierte Studie, die eine Verbesserung klinisch relevanter Endpunkte bei Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom mit hohem Risiko nach radikaler Prostatektomie nachweist. Mit Raten des pathologisch vollständigen Ansprechens von nahezu 9 % und einer Verbesserung des metastasenfreien Überlebens um 20 % im Vergleich zur alleinigen ADT verbessert die Ergänzung der Androgendeprivationstherapie durch Apalutamid die Behandlungsergebnisse bei chirurgisch behandelten Patienten mit hohem Rezidivrisiko eindeutig.“ Der Experte weist jedoch auf weiteren Forschungsbedarf hin, da die in PROTEUS geprüfte Therapieoption bislang noch nicht direkt mit den derzeitigen Standardverfahren wie einer primären Operation oder der Kombination aus Strahlentherapie und ADT verglichen worden sei.

(ms/BIERMANN)

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