Erhöhtes Krebsrisiko bei Adipositas und metabolischer Dysfunktion

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Übermäßiges Körperfett gilt als Risikofaktor für ≥13 verschiedene Krebsarten. Warum genau, ist allerdings noch unklar. Denkbar sind Veränderungen im Stoffwechsel endogener Hormone, eine leichte chronische Entzündung sowie Insulinresistenz oder Hyperinsulinämie.

Wie Autoren eines aktuellen Reviews ausführen, spielt Studien zufolge Insulinresistenz im Zusammenhang mit Adipositas und Krebs eine bedeutendere Rolle als Östradiolspiegel und Entzündung. Das Team um Dr. Yahya Mahamat-Saleh untersuchte nun, ob das Risiko für Adipositas-assoziierte Krebserkrankungen bei Personen mit gesundem Metabolismus (d.h. normaler Insulinsensitivität) und Übergewicht/Adipositas (MHOW/OB), metabolisch ungesunden Personen mit Übergewicht/Adipositas (d.h. Insulinresistenz; MUOW/OB) und metabolisch ungesunden Personen mit Normalgewicht (MUNW) unterschiedlich ausfällt.

Das Team identifizierte von PubMed und Embase bis zum 06.06.2023 relevante Kohortenstudien. Mithilfe von Random-Effects-Modellen wurden die zusammenfassenden relativen Risiken (SRRs) und 95%-KIs für den Zusammenhang zwischen den oben beschriebenen Phänotypen und dem Krebsrisiko abgeschätzt. Die Sicherheit der Evidenz bewerteten die Autoren mithilfe der Cochrane-Methoden und des GRADE-Tools.

Insgesamt konnten die Autoren 15.556 Datensätze überprüfen und 31 Veröffentlichungen, die 15 Kohortenstudien abdeckten, in ihre Analyse einbeziehen. Von diesen Studien wurden 22 als mit geringem und 9 als mit mittlerem Verzerrungsrisiko behaftet bewertet. Im Vergleich zu metabolisch gesunden, normalgewichtigen Personen (MHNW) hatten solche mit MUOW/OB-Phänotyp ein höheres Risiko für Krebs ins­gesamt (SRR 1,21; 95%-KI 1,02–1,44; n=3 Studien, hohe Sicherheit) und Adipositas-assoziierte Krebserkrankungen (SRR 1,42; 95%-KI 1,15–1,74; n=3, sehr geringe Sicherheit).

Insbesondere hatten MUOW/OB-Personen ein höheres Risiko für Krebserkrankungen der postmenopausalen Brust (SRR 1,32; 95%-KI 1,17–1,48; n=7, geringe Sicherheit), von Kolon und Rektum (SRR 1,24; 95%-KI 1,16–1,31; n=6, mittlere Sicherheit), des Endometriums (SRR 2,31; 95%-KI 2,08–2,57; n=4, hohe Sicherheit), von Schilddrüse (SRR 1,42; 95%-KI 1,29–1,57; n=4, mittlere Sicherheit), Niere (SRR 1,71; 95%-KI 1,40–2,10; n=3, geringe Sicherheit), Bauchspeicheldrüse (SRR 1,35; 95%-KI 1,24–1,47; n=3, hohe Sicherheit), Leber (SRR 1,81; 95%-KI 1,36–2,42; n=2, mäßige Sicherheit), Gallenblase (SRR 1,42; 95%-KI 1,17–1,73; n=2, hohe Sicherheit), Blase (SRR 1,36; 95%-KI 1,19–1,56; n=2, mäßige Sicherheit) und Magen (SRR 1,50; 95%-KI 1,12–2,01; n=2, hohe Sicherheit).

Für die meisten dieser Krebsarten konstatierte das Team bei Personen mit den Phänotypen MUNW und MHOW/OB ein höheres Risiko als bei jenen mit dem Phänotyp MHNW. „Unsere stratifizierten Analysen nach metabolischen Adipositas-Phänotypen haben ergeben, dass das erhöhte Risiko für einige Krebsarten bei Personen mit MUOW/OB stärker ausgeprägt ist als bei Personen mit MHOW/OB- oder MUNW-Phänotypen“, ergänzen die Forscher.

Fazit
Die Erkenntnisse legen nahe, dass sowohl eine höhere Adipositas als auch eine metabolische Dysfunktion unabhängig voneinander mit einem erhöhten Risiko für mehrere Krebsarten verbunden sind. Dabei sind die stärksten Zusammenhänge generell bei Personen mit sowohl metabolischer Dysfunktion als auch Adipositas zu beobachten. (sf)

Autoren: Mahamat-Saleh Y et al.
Korrespondenz: Yahya Mahamat-Saleh; [email protected]
Studie: Association of metabolic obesity phenotypes with risk of overall and site-specific cancers: a systematic review and meta-analysis of cohort studies
Quelle: Br J Cancer 2024;131(9):1480–1495.
Web: https://doi.org/10.1038/s41416-024-02857-7