Erkältungsvirus führt zu seltenen Blutgerinnseln18. September 2026 Symbolbild Adenovirus (Abbildung: Dr_Microbe/stock.adobe.com) Ein internationales Forschungsteam hat bei einem Kind in Österreich laut eigenen Angaben erstmals die auslösende Variante des humanen Adenovirus Typ 3 als Ursache lebensbedrohlicher Blutgerinnsel identifiziert. Zur Diagnose hatten die behandelnden Ärzte an der Medizinischen Universität Innsbruck die Greifswalder Transfusionsmediziner hinzugezogen. Weitere virologische Untersuchungen erfolgten gemeinsam mit Forschenden der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen. Beteiligt war außerdem ein Immunologe von der Flinders University (Australien). Die Erkenntnisse aus diesem Fall wurden nun im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht. Kasuistik: Thromben und Thrombozytopenie nach Atemwegsinfekt Ein zwölfjähriger Patient eine Woche nach Beginn eines normalen Atemwegsinfekts plötzlich lebensbedrohliche Blutgerinnsel in Kombination mit einer Thrombozytopenie entwickelt. Am vierten Tag im Krankenhaus der Medizinischen Universität Innsbruck diagnostizierten die behandelten Ärzte venöse Thrombosen, darunter eine tiefsitzende Venenthrombose sowie eine Lungenembolie. Aufgrund dieses schwerwiegenden Verlaufes konsultierten die behandelnden Ärzte aus Innsbruck das Institut für Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald, welches das Krankheitsbild der Virus-induzierten Immunthrombozytopenie und Thrombose (VITT) seit Jahren im Schwerpunkt erforscht. In Greifswald wiesen das Team um PD Dr. Linda Schönborn und Prof. Thomas Thiele Antikörper gegen das körpereigene Protein Plättchenfaktor 4 als Ursache für die Blutgerinnsel nach. Das ermöglichte eine gezielte Behandlung. Das Kind erholte sich und ist heute beschwerdefrei. Aus einem Abstrich des Patienten wurde in Innsbruck das für den Infekt verantwortliche humane Adenovirus Typ 3 (HAdV-B3) identifiziert und genetisch charakterisiert.„Bei einer so seltenen Erkrankung ist die schnelle Zusammenarbeit über Fach- und Ländergrenzen hinweg entscheidend“, betont Schönborn vom Institut für Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald. „Die Innsbrucker Kolleginnen und Kollegen haben den ungewöhnlichen Krankheitsverlauf erkannt und uns für die spezialisierte Diagnostik hinzugezogen. Gemeinsam konnten wir das für diese seltene Immunreaktion verantwortliche Adenovirus identifizieren und erstmals mit der Entstehung der Blutgerinnsel in Verbindung bringen.“ Wichtige Erkenntnis für die Entwicklung sicherer Impfstoffe Adenoviren kommen als unterschiedliche Typen vor und sind weit verbreitet. Nahezu jeder Mensch infiziert sich im Leben mit Adenoviren. Es ist bekannt, dass natürliche Adenovirus-Infektionen in seltenen Fällen durch eine fehlgeleitete Immunantwort Blutgerinnsel auslösen können. Unklar war jedoch bisher, welche Adenoviren genau dafür verantwortlich sind.Besonders wichtig ist diese neue Erkenntnis für die Entwicklung sicherer Impfstoffe. Bei Vektorimpfstoffen schleusen abgeschwächte und veränderte Adenoviren den Bauplan für ein typisches Merkmal eines anderen Krankheitserregers in menschliche Zellen ein, sodass das Immunsystem dieses Merkmal kennenlernt und einen Schutz gegen den eigentlichen Erreger aufbauen kann. Die verwendeten Adenoviren sind dabei so verändert, dass sie sich im Körper nicht vermehren können. „Adenoviren interessieren uns besonders aus zwei Gründen: Sie verursachen weltweit häufig Infektionen und sind gleichzeitig wichtige Werkzeuge moderner Impfstoffe und Gentherapien“, sagt Thiele, Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin. „Wenn wir besser verstehen, welche Virusbestandteile Blutgerinnsel auslösen, können wir sowohl die Komplikationen der Infektionen besser einordnen als auch Impfungen sicherer machen.“Die aktuelle Studie fügt sich damit in ein größeres Forschungsprojekt ein: In der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit rund 5,9 Millionen Euro geförderten Forschungsgruppe FOR 5898 „AdBHealth“ erforschen Wissenschaftler verschiedener deutscher Universitäten Adenoviren, ihre Wechselwirkungen mit dem Immunsystem und ihre Nutzung als medizinische Vektoren.
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