Erster Sonderforschungsbereich zur männlichen Infertilität3. Dezember 2025 Spermienprobleme können eine Ursache männlicher Unfruchtbarkeit sein. Vieles in diesem Bereich ist noch unerforscht. Symbolbild: shidlovski – stock.adobe.com Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert mit dem Forschungsverbund „Molekulare Pathomechanismen männlicher Infertilität“ den ersten Sonderforschungsbereich (SFB) zum Thema Reproduktionsbiologie und Ursachen männlicher Unfruchtbarkeit. Der Forschungsverbund an der Universität Münster wird mit rund vierzehn Millionen Euro gefördert. In ganz Deutschland etabliert die DFG zur weiteren Stärkung der Spitzenforschung an den Hochschulen in ihrem aktuellen Beschluss insgesamt neun neue SFB und verlängert die Förderung für 32 bestehende Forschungsverbünde. Unter der Leitung von Prof. Frank Tüttelmann, Direktor des Centrums für Medizinische Genetik der Universität Münster und SFB-Sprecher, sowie den Naturwissenschaftlern Prof. Timo Strünker und Prof. Nina Neuhaus, beide am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie (CeRA) der Universität Münster, will der neue SFB erforschen, welche genetischen, molekularen und zellulären Mechanismen die Hodenfunktion, die Spermienbildung und -qualität, die Befruchtung sowie die frühe Embryonalentwicklung beeinflussen können. Die Erkenntnisse aus dem SFB sollen schnell in die klinische Praxis überführt werden, um frühzeitige, präzise Diagnosen von männlicher Unfruchtbarkeit, personalisierte Behandlungen und eine bessere Versorgung von unfruchtbaren Paaren zu ermöglichen. Nach Tüttelmanns Überzeugung kann damit vornehmlich die Situation der Partnerinnen von unfruchtbaren Männern verbessert werden, denn diese trügen bislang die meisten Risiken und Lasten bei der Behandlung der Fertilitätsstörungen. DGA begrüßt andrologische Forschungsförderung Der SFB-Sprecher betont, dass bisher insgesamt zu wenig zu den Grundlagen und Ursachen der Unfruchtbarkeit geforscht worden sei. Deshalb seien auch die Pathomechanismen für die Infertilität beim Mann noch nicht ausreichend verstanden. Die Deutsche Gesellschaft für Andrologie (DGA) begrüßt daher die SFG-Entscheidung. „In Deutschland ist jedes sechste Paar von Unfruchtbarkeit betroffen, die Zahl der Fertilitätsbehandlungen steigt, und obwohl die Ursache für eine ungewollte Kinderlosigkeit in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann liegt, ist die männliche Infertilität längst nicht ausreichend erforscht“, sagt DGA-Pressesprecher Dr. Jann-Frederik Cremers. Deshalb sei die Einrichtung des ersten SFB der DFG zur männlichen Infertilität ein großer Erfolg und wichtiger Auftakt, um interdisziplinäre Forschungsergebnisse zu Fertilitätsstörungen des Mannes zu generieren und die Versorgung unfruchtbarer Paare zu verbessern. Mehr Forschungsförderung im Bereich der Reproduktion fordert DGA seit Langem. „Angesichts der großen und doch unterschätzten gesellschaftlichen Bedeutung der Reproduktionsmedizin in Deutschland sendet der neue Münsteraner Sonderforschungsbereich zur Erforschung der männlichen Infertilität ein wichtiges Signal“, sagt DGA-Präsidentin Prof. Sabine Kliesch. Die Klinikchefin der Andrologie des CeRA unterstreicht, dass die Zielsetzung, mithilfe neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse aufseiten des Mannes unnötige invasive Maßnahmen in der Kinderwunschbehandlung zu vermeiden, eine hohe Dringlichkeit besitzt. „Dabei ist es von erheblicher Relevanz für die künftige Versorgung betroffener Paare, dass dieser SFB parallel zur Grundlagenforschung eine schnelle Translation neuer Erkenntnisse in die klinische Praxis anstrebt“, hebt Kliesch hervor. (ms/BIERMANN)
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