Erstlinie beim fortgeschrittenen, klassischen Hodgkin-Lymphom: PET-gesteuertes BrECADD besser als eBEACOPP

KÖLN (Biermann) – Das neue ­BrECADD-Regime mit Steuerung per PET-Kontrolle nach 2 Zyklen ist in der Erstlinie bei Erwachsenen mit fortgeschrittenem klassischen Hodgkin-Lymphom besser verträglich und wirksamer als das Regime BEACOPP eskaliert (eBEACOPP). Dieses Ergebnis der HD21-Studie stellt ein Team um Prof. Peter Borchmann von der Kölner Uniklinik im „Lancet“ vor.

Letzteres bestand aus eskalierten Dosen Etoposid (200 mg/m2 intravenös an den Tagen 1–3), Doxorubicin (35 mg/m2 intravenös an Tag 1) und Cyclophosphamid (1250 mg/m2 intravenös an Tag 1) sowie Standarddosen von Bleomycin (10 mg/m2 intravenös an Tag 8), Vincristin (1,4 mg/m2 intravenös an Tag 8), Procarbazin (100 mg/m2 oral an den Tagen 1–7) und Prednison (40 mg/m2 oral an den Tagen 1–14). In BrECADD werden Vincristin und Bleomycin durch das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Brentuximab-Vedotin ersetzt, um die Toxizität zu senken und die Wirksamkeit zu verbessern.

Die randomisierte, multizentrische, parallele, unverblindete Phase-III-Studie wurde an 233 Standorten in 9 Ländern durch­geführt. Teilnahmeberechtigt waren Erwachsene (≤60 Jahren) mit neu diagnostiziertem klassischen Hodgkin-Lymphom im fortgeschrittenen Stadium (d. h. Ann-Arbor-Stadium III/IV, Stadium II mit B-Symptomen und entweder einem oder beiden Risikofaktoren „große mediastinale Masse“ und „extranodale Läsionen“). Die Patienten wurden 1:1 randomisiert für 4 oder 6 Zyklen (21-tägige Intervalle) eBEACOPP oder BrECADD, wobei die Ergebnisse nach 2 Zyklen per PET kontrolliert wurden. Patienten und Prüfärzte waren über die Behandlungszuteilung nicht im Bilde.

Von 1500 Studienteilnehmern (Aufnahme 22.07.2016–27.08.2020) wurden 749 für BrECADD und 751 für eBEACOPP randomisiert, in die ITT-Analyse gingen 1482 ein (medianes Alter 31 Jahre [IQR 24–42]; 838 Männer (56 %), 644 Frauen (44 %), 1352 [91 %] weiß). Die behandlungsbedingte Morbidität fiel mit ­BrECADD (312/738 [42 %]) signifikant geringer aus als mit eBEACOPP (430/ 732 [59 %]; relatives Risiko 0,72; 95 %-KI 0,65–0,80; p<0,0001). Bei einer medianen Nachbeobachtung von 48 Monaten habe BrECADD das PFS mit einer HR von 0,66 (95 %-KI 0,45–0,97; p=0,035) verbessert, schildern die Autoren. Die Schätzungen der PFS-Rate nach 4 Jahren lagen bei 94,3 % (95 %-KI 92,6–96,1) für BrECADD und 90,9 % (95 %-KI 88,7–93,1) für eBEACOPP. Die 4-Jahres-OS-Raten beziffern die Autoren auf 98,6 % (95 %-KI 97,7–99,5) bzw. 98,2 % (95 %-KI 97,2–99,3). (sf)

Autoren: Borchmann P et al.
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Studie: Assessing the efficacy and tolerability of PET-guided BrECADD versus eBEACOPP in advanced-stage, classical Hodgkin lymphoma (HD21): a randomised, multicentre, parallel, open-label, phase 3 trial
Quelle: Lancet 2024;404(10450):341–352. (open access)
Web: doi.org/10.1016/S0140-6736(24)01315-1