Erstmalig in Deutschland Implantation einer neuartigen Transkatheter-Mitralklappe

Innovative Katheter-Lösungen vereinfachen minimalinvasive Eingriffe. Foto: BVMed/Freudenberg Medical

Im Deutschen Herzzentrum München wurde die erste Implantation einer neuartigen Transkatheter-Mitralklappe in Deutschland durchgeführt. Das Verfahren ist insbesondere für Patienten bestimmt, bei denen das Risiko für einen offenen herzchirurgischen Eingriff zu hoch ist.

Bei diesem ersten Eingriff in Deutschland wurde eine neue Version der HighLife-Herzklappe namens Clarity implantiert. Diese ist speziell für Patienten bestimmt, bei denen ein hohes Risiko einer Obstruktion des linksventrikulären Ausflusstraktes (LVOT-Obstruktion) besteht. Die neuartige Mitralklappe besteht aus zwei Implantaten: einem Ring, der um die natürliche Mitralklappe gelegt wird, und einer Klappenprothese, die in diesen Ring implantiert wird, um die normale Funktion der Mitralklappe wiederherzustellen.

Der Eingriff wurde von Prof. Michael Joner, Dr. Erion Xhepa, Dr. Hector Alvarez und PD Dr. Patrick Mayr durchgeführt und von Prof. Wolfgang Rottbauer, Direktor der Klinik für Innere Medizin II der Universität Ulm, begleitet. Die Prozedur wurde bei einer 75-jährigen Patientin durchgeführt, für die aufgrund ihrer Anatomie kein alternatives Behandlungskonzept in Frage kam. Die Prozedur verlief sehr erfolgreich und die Patientin konnte mit vollständig wiederhergestellter Mitralklappenfunktion nach sieben Tagen aus der Klinik entlassen werden.

Die Vorgängerversion dieser Herzklappe wird bereits seit einigen Jahren im Rahmen von klinischen Studien untersucht und zeigt bislang sehr gute Ergebnisse. Das Neue an dem hier verwendeten Modell ist, dass sie im Bereich des LVOT keine Auskleidung mit künstlichem Gewebe besitzt und somit nicht zu einer Obstruktion des Ausflusstraktes führen soll.

Das Deutsche Herzzentrum München nimmt aktuell an der HighFlow-Studie teil, in der diese Herzklappe nach Vorgaben des Medizinproduktegesetzes international untersucht wird. Die Studie dient unter anderem der Zulassung der Herzklappe auf dem europäischen Markt. 

Der Transkatheter-Mitralklappenersatz, bei dem eine selbst-expandierende Herzklappe in Mitralposition über ein Katheterverfahren über die Leiste implantiert wird, ist eine Innovation im Bereich der interventionellen Kardiologie und Herzchirurgie. Dadurch entstehen dem Patienten geringere Belastungen als bei einem offenen herzchirurgischen Eingriff. Aktuell können diese Eingriffe nur im Rahmen von klinischen Studien durchgeführt werden, weil Langzeitergebnisse im Vergleich mit dem Goldstandard der offenen oder minimalinvasiven Mitralklappenchirurgie ausstehend sind. Die Entwicklung dieser Mitralklappe stellt einen weiteren wichtigen Schritt hin zu einer vollständig katheterbasierten Mitralklappenimplantation dar, da die meisten Transkatheter-Mitralklappen bislang über einen chirurgischen Zugang im Bereich der Herzspitze implantiert wurden.