Erstmals nachgewiesen: Cannabinoid lindert Symptome bei Parkinson28. September 2020 Hohe Dichte von Cannabinoid CB1-Rezeptoren im Gehirn (höchste Dichte in Substantia nigra und Striatum) (Foto: Robert B. Innis, MIB, National Institute Mental Health) WissenschaftlerInnen der Innsbrucker Universitätsklinik für Neurologie haben die Wirksamkeit eines für Chemotherapie-induzierte Übelkeit zugelassenen Cannabinoids auf nicht motorische Symptome bei Parkinson untersucht. Dabei zeigte sich eine nachweisliche Besserung nicht motorischer Symptome und eine potenziell therapeutische Auswirkung auf die Motorik. Zu den nicht motorischen Symptomen (NMS) bei Parkinson gehören Funktionsstörungen des autonomen Nervensystems (wie orthostatische Hypotonie und Obstipation), Geruchsstörung, Veränderungen der Stimmungslage, Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit, Wahrnehmungsstörungen und Halluzinationen sowie Störungen des Schlaf-/ Wachzustands wie Schlaflosigkeit, Tagesmüdigkeit oder Störungen des Traumschlafs. „Viele dieser Symptome können die typischen motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit um Jahre oder sogar Jahrzehnte vorwegnehmen“, erklärt Klaus Seppi. Die Belastung durch NMS nimmt im Allgemeinen während des Krankheitsverlaufs zu. „Es gibt jedoch nur wenige Daten aus kontrollierten klinischen Studien zur Behandlung der NMS. Die verfügbaren Behandlungsoptionen sind begrenzt beziehungsweise die Ergebnisse oft unbefriedigend“, beschreibt der Neurologe die Motivation zur Durchführung dieser Studie, die die Wirkung von Cannabinoiden auf Parkinson untersucht. Therapeutische Wirkung „Die potenzielle therapeutische Wirkung von Cannabinoiden auf Motorik und NMS bei Parkinson ist ein wichtiges Thema und wird häufig von Patientinnen und Patienten im Behandlungsraum angesprochen“, weiß die Erstautorin der Studie, Marina Peball. Bis zu 95 Prozent der NeurologInnen der Center of Excellence der National Parkinson Foundation, die an einer von der der Michael-J.- Fox-Stiftung für Parkinson-Forschung unterstützten online-Umfrage zu Cannabis teilnahmen, seien von Parkinson-PatientInnen um Verschreibung von medizinischen Marihuana gebeten worden. Es gibt jedoch nur begrenzte Belege für ihre Anwendung von Cannabinoiden bei Parkinson, da die verfügbaren Studien entweder zu klein oder unkontrolliert waren. v.l.: Werner Poewe, Klaus Seppi, Marina Peball (Foto:MUI/D. Bullock) „In unserer Studie haben wir die Wirkung von Nabilon auf die kontrollierte Behandlung von NMS bei Parkinson randomisiert und doppelblind sowie placebokontrolliert bei einer hohen Zahl an PatientInnen untersucht“, erklärt Seppi. Zu diesem Zweck wurde ein Entzugsdesign verwendet, nachdem alle an der Studie teilnehmenden PatientInnen auf Nabilon eingestellt wurden. Nabilon ist ein synthetisches Analogon von Tetrahydrocannabinol, der psychoaktiven Komponente von Cannabis, mit ähnlichen pharmakologischen Eigenschaften. „Wir haben uns zur Durchführung dieser Studie mit Nabilon entschieden, da dessen Hersteller das Medikament und das dazugehörige Placebo zur Verfügung gestellt hat. Auch andere Präparate wären infrage gekommen“, erklärt Seppi. Vielversprechendes Ergebnis „Unsere Ergebnisse zeigen eine Verbesserung der gesamten NMS-Belastung unter Nabilon, was sich insbesondere in einer Verminderung der Angstzustände und Schlafstörungen widerspiegelt. Die Behandlung wurde gut vertragen. Diese Studie ergänzt den bisher begrenzten Nachweis zur Wirksamkeit einer Behandlung auf Cannabinoidbasis bei PatientInnen mit störenden NMS bei Parkinson“, fassen die StudienautorInnen zusammen. „Angesichts der Daten und möglichen Wirkmechanismen können wir sagen, dass Nabilon nicht motorische Symptome bei Patientinnen und Patienten mit Parkinson zu verbessern scheint“, schließen die AutorInnen. Das Ergebnis dieser Studie kann zu einem besseren Verständnis des Werts von Cannabinoiden für die Behandlung von NMS bei PatientInnen mit Parkinson beitragen und könnte zudem als Basis für größere kontrollierte, eventuell zu einer Zulassung führender Studien dienen. Originalpublikation: Peball M eal. Non‐Motor Symptoms in Parkinson’s Disease are Reduced by Nabilone. Annals of Neurology, 5. August 2020
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