Erwartungen beeinflussen Therapieerfolg bei Depression stärker als gedacht22. Mai 2026 Symbolbild © ptnphotof/stock.adobe.com Erwartungen spielen eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Depressionen. Eine neue Studie von Forschenden des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt: Menschen mit Depression, die kurzfristig besonders stark auf Placebo-Behandlungen reagieren, profitieren auch langfristig stärker von positiven Erwartungen gegenüber einer Behandlung. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Erwartungen zentrale Prozesse der Emotionsverarbeitung beeinflussen können. Das ist besonders relevant für Depressionen, bei denen negative Wahrnehmungsverzerrungen eine große Rolle spielen“, erklärt Studienleiterin Prof. Stefanie Brassen aus dem Institut für Systemische Neurowissenschaften. In der Studie erhielten Patientinnen und Patienten mit Depression ein Nasenspray, das ihnen als stimmungsaufhellendes Medikament beschrieben wurde – tatsächlich handelte es sich jedoch um ein Placebo. Doch allein die Erwartung einer positiven Wirkung hatte messbare Effekte. Die Teilnehmenden berichteten von besserer Stimmung und verarbeiteten emotionale Reize positiver. Mehrdeutige Gesichtsausdrücke wurden zum Beispiel häufiger als freundlich interpretiert. Je positiver die Erwartungen, desto besser funktioniert die Therapie Im Anschluss wurden die Patientinnen und Patienten über mehrere Wochen während ihrer regulären antidepressiven Behandlung begleitet. Je stärker die positiven Erwartungen gegenüber der Behandlung waren, desto stärker verbesserten sich die Symptome im Verlauf der Therapie. Besonders bemerkenswert war für die Forschenden, dass die individuelle Reaktion auf das Placebo im Experiment voraussagte, wie stark Erwartungen den Behandlungserfolg auch langfristig beeinflussten. „Wir konnten zeigen, dass die Sensitivität für Erwartungen eine stabile Eigenschaft ist, die sich über verschiedene Situationen hinweg bemerkbar macht. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Erwartungen nicht nur ein ‚Nebeneffekt‘ von Behandlungen sind, sondern ein zentraler Wirkmechanismus”, erläutert Brassen. Langfristig könnten solche Erkenntnisse dazu beitragen, Therapien besser auf einzelne Patientinnen und Patienten abzustimmen, positive Erwartungen gezielt zu fördern und so die Wirksamkeit bestehender Behandlungen zu verbessern. Die Studie, die Teil des durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderten Transregio Sonderforschungsbereichs 289 ist, hat erstmals experimentelle Placebo-Effekte mit realen klinischen Verläufen innerhalb derselben Patientengruppe verbunden und zeigt, wie eng psychologische Prozesse und medizinische Behandlungsergebnisse miteinander verknüpft sind. Das könnte Sie zum Thema Depressionen ebenfalls interessieren: Anhedonie: Depression drückt die Vorfreude, nicht den Genuss Verlängerung der antidepressiven Wirkung von Ketamin
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