ESC-Kongress: Wer länger Urlaub macht, lebt länger

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Wer sich mehr als drei Wochen Urlaub im Jahr nimmt, kann damit sein Leben verlängern, kürzere Urlaube sind mit einer höheren Sterblichkeit verknüpft. Diese Ergebnisse der „Helsinki Businessmen Study“, die 1222 männliche Manager umfasste, wurden auf dem Europäischen Kardiologiekongress in München vorgestellt.

„Niemand soll glauben, dass man mit einem ansonsten gesunden Lebensstil zu lange Arbeitszeiten und den Verzicht auf Urlaub wettmachen kann. Ferien können eine gute Methode sein, um Stress abzubauen“, sagt Prof. Timo Strandberg (Helsinki) auf einer Pressekonferenz des Europäischen Kardiologenkongresses. In München kamen vom 25. bis 29. August 31.000 Teilnehmer aus 150 Ländern zusammen – der Kongress der Europäischen Kardiologengesellschaft (ESC) ist einer der weltweit größten Medizinkongresse.

Die von Strandberg vorgestellte Studie umfasst 1222 männliche Manager, die zwischen 1919 und 1934 geboren und in die „Helsinki Businessmen Study“ eingeschlossen wurden. Die Teilnehmer hatten zumindest einen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die in München präsentierten Ergebnisse bezogen ein verlängertes Follow-up von 40 Jahren mit ein, bei dem auch Faktoren wie Arbeitszeiten, Schlafdauer und Urlaubszeiten berücksichtigt wurden.

In einer Interventionsgruppe wurden Teilnehmer fünf Jahre lang alle vier Monate mündlich und schriftlich zu einem gesunden Lebensstil aufgefordert und bekamen bei Bedarf Medikamente gegen Risikofaktoren. Mitglieder der Kontrollgruppe erhielten bloß eine übliche Behandlung.

Fazit: In der Interventionsgruppe zeigte sich, dass kürzere Urlaube mit einer höheren Sterblichkeit verknüpft waren. Studienteilnehmer mit drei Wochen oder weniger Jahresurlaub hatten ein um 37 Prozent erhöhtes Risiko, zwischen 1974 und 2004 zu versterben, als Studienteilnehmer mit längerer Urlaubszeit.

„Studienteilnehmer mit kürzeren Urlauben arbeiteten länger und schliefen weniger als jene mit längeren Urlauben. Dieser stressreiche Lebensstil hat vermutlich einen stärkeren Einfluss, als die Gesundheits-Interventionen Vorteile bringen“, so Strandberg. „Stressreduktion sollte ein wesentlicher Bestandteil von Programmen sein, die auf eine Verringerung der Risiken für kardiovaskuläre Krankheiten abzielen.“

Zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Ereignissen bei Menschen mit hohem Risiko sollten Ratschläge zum Lebensstil vernünftig mit modernen Medikamenten kombiniert werden, empfiehlt Strandberg.

Quellen:
ESC Abstract: Strandberg et al.: Increased mortality despite successful multifactorial cardiovascular risk reduction in healthy men. 40-year follow-up of the Helsinki businessmen study intervention trial”; J Nutr Health & Aging. 2018, in press.