„Eurologie und eUrologie greifen ineinander“13. September 2021 Arnulf Stenzl. Foto: Bertram Solcher/DGU “Endlich!”, werden wohl viele Besucher denken – der Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) findet dieses Jahr wieder in Präsenz statt. Kompakt Urologie/Urologische Nachrichten sprachen mit DGU-Präsident Prof. Arnulf Stenzl aus diesem Anlass über die Möglichkeiten und Herausforderungen der Vernetzung in der Urologie des 21. Jahrhunderts. “Insgesamt ist, glaube ich, der Wunsch der Urologinnen und Urologen sehr groß, sich wieder zu treffen und bei einem Kongress nicht nur die Vorträge direkt zu hören, sondern sich auch darüber auszutauschen und den Inhalt der Vorträge zu vertiefen. Das geht in Präsenz einfach viel besser”, sagt Stenzl. Der Präsident setzt bei dem diesjährigen Kongress besonders auf internationale Vernetzung, was er mit dem Motto “Eurologie” ausdrückt. Dies ist auch aus politischen Gründen wichtig, wie er im Interview erklärt: “Wir müssen uns mit den anderen europäischen Ländern vernetzen, um die Belange der Urologie etwa bei der Europäischen Union in Brüssel zu stärken. Die Einbeziehung des Prostatakarzinoms in den neuen ‘Beating Cancer-Plan’ (BECA) ist das jüngste Beispiel einer gemeinsamen erfolgreichen Strategie.” Moderne Technik überwindet die Sprachbarriere Gleichzeitig betont das Motto, mit klein geschriebenem “e”, die Nutzung der Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts in der Urologie. “Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, dass Patienten nicht nur physisch, sondern auch in Form von Medien Zugang zu ihrem Arzt haben”, betont Stenzl. Wie sich “Eurologie” und “eUrologie” verschränken, erklärt der DGU-Präsident am Beispiel Sprache: “Es gibt mittlerweile kleine Geräte von der Größe eines Handys, die das eigene gesprochene Wort umgehend mit einer Sprachausgabe in die jeweilige gewünschte Sprache übersetzen: Sie sprechen einen Satz hinein, das Gerät gibt den Satz für den Patienten in seiner Sprache wieder und umgekehrt – ein gutes Beispiel dafür, wie eUrologie einer Integration der Urologen in Europa (Eurologie) helfen kann.” Damit könnte ein Problem gelöst oder zumindest erleichtert werden, das derzeit noch den internationalen Austausch von Medizinern erschwert, wie der Direktor der urologischen Universitätsklinik in Tübingen im Interview erläutert: “Wenn zum Beispiel Kollegen aus Spanien ein Jahr in der Universitätsklinik Tübingen arbeiten (und nicht nur hospitieren) möchten oder umgekehrt Kollegen sich in Barcelona zu speziellen Eingriffen fortbilden möchten, dann scheitert dass meist an der Sprachbarriere, weil die Kollegen zwar mit den Mitarbeitern, aber nicht mit den Patienten kommunizieren können.” “Rapid Fire”: Schlagabtausch zu strittigen Themen Neu ist bei dem diesjährigen Kongress, dass es in den thematischen Sitzungen zwei Stränge gibt, so Stenzl: “einen mehr für den Krankenhausarzt, mehr ins Wissenschaftliche gehend, einen anderen für die Niedergelassenen mit praxisrelevanteren Aspekten”. Neu ist auch das Format „Rapid Fire“: “Nach einer kurzen Fallvorstellung werden zwei Meinungen dazu präsentiert und anschließend gibt es eine Diskussion mit Beteiligung des Publikums. Da geht es Schlag auf Schlag – eben Schnellfeuer”, erklärt der DGU-Präsident. In dieser Form werden unter anderem die adjuvante Therapie beim fortgeschrittenen Urothelkarzinom, die zielgerichtete Therapie beim Prostatakarzinom und die fokale Therapie bei lokalisiertem Prostatakrebs abgehandelt. Virologie im Fokus Im mittlerweile zweiten von COVID-19 beeinträchtigten Kongressjahr weist der DGU-Kongress auch auf ein Thema hin, das, so Stenzl, “immer mehr in den Fokus rückt: Virologie in der Urologie” – unter anderem durch Nobelpreisträger Prof. Harald zur Hausen, der in Stuttgart zu aktuellen Erkenntnissen referiert. Das Wissen über den Zusammenhang urologischer Erkrankungen mit Viren ist noch dürftig, wie Stenzl erklärt: “Zum Teil wissen wir es nicht, wir vermuten es nur. (…) Laufende und zukünftige Studien werden zeigen, inwieweit Prostatakarzinome oder Urothelkarzinome auf onkogene Viren zurückgehen könnten. HPV, Herpesviren und andere Viren können aber auch nicht onkologische Erkrankungen hervorrufen, neben den altbekannten Kondylomen auch Entzündungen und Erkrankungen vom Herpes genitalis, der Urethritis bis zur Überaktiven Blase.” Spannend wird es auch werden, wenn aktuelle Leitlinien diskutiert werden. “Taufrisch sind die Leitlinien zum Peniskarzinom und die aktualisierte S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom”, so Stenzl. “Kinderurologische Leitlinien sind von den Fachgesellschaften der Kinderchirurgie und der Urologie gemeinsam erstellt worden – übrigens schön, dass sich diese Gesellschaften hier zusammengefunden haben. Es gibt dazu mehrere Sitzungen, in denen man sich auch auf diesen Gebieten auf den letzten Stand bringen kann.” (ms) Lesen Sie das vollständige Interview mit Prof. Stenzl in unserer Print-Ausgabe “Urologische Nachrichten” zum DGU-Kongress.
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