Evaluierung von Cochlea-Implantaten jenseits der Spracherkennung

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Die Klangqualität spielt eine viel größere Rolle für die Alltagsfunktionen und das Wohlbefinden als gedacht, so das Ergebnis einer aktuellen Studie zur Evaluierung von Cochlea-Implantaten. Wenig Einfluss hatte die Spracherkennung.

Mehr als eine Million Menschen weltweit sind auf Cochlea-Implantate angewiesen, um hören zu können. Die Wirksamkeit von Cochlea-Implantaten wird in der Regel anhand von Spracherkennungstests bewertet. Die Klangqualität wird bei der Evaluierung von Cochlea-Implantaten in der Regel nicht als Indikator für die Lebensqualität der Nutzer angesehen.

Hörbezogene Lebensqualität im Fokus

Ein Team des Vanderbilt University Medical Center und der Ohio State University hat den Zusammenhang zwischen Klangqualität, Spracherkennung und Lebensqualität von CI-Nutzern untersucht. Ihre Ergebnisse sind aktuell in „JASA Express Letters“ veröffentlicht. Die hörbezogene Lebensqualität umfasst die Auswirkungen der Hörfähigkeit, der Kommunikation, der sozialen Teilhabe, des emotionalen Wohlbefindens und der täglichen Aktivitäten.

„Stellen Sie sich vor, Sie hätten normales Gehör und würden versuchen, ein Gespräch zu führen, während Sie über ein altes Radio hören, aber Sie sind nicht ganz auf der richtigen Frequenz und der Empfang ist schlecht“, erklärte die Autorin Katelyn Berg. So klinge die Welt mit einem Cochlea-Implantat von schlechter Qualität. Die Stimme eines Sprechers kann roboterhaft oder blechern klingen, Musik klingt nicht voll und satt. Dies kann auf verschiedene technische Einschränkungen der Cochlea-Implantate zurückzuführen sein, wie beispielsweise Kanalinteraktionen zwischen Elektroden oder andere Probleme mit der akustischen Wiedergabetreue.

Lebensqualität mit Cochlea-Implantat: Spracherkennung hat praktisch keinen Einfluss

Das Team um Berg fand heraus, dass die Klangqualität von Cochlea-Implantaten zu einer 32-prozentigen Abweichung in der Lebensqualität der Nutzer führt – im Gegensatz dazu hat die Spracherkennung praktisch keinen Einfluss auf die Lebensqualität. In ihrer Studie korrelierte die Spracherkennung nur unter lauten Bedingungen mit der Klangqualität. Das deutet nach Ansicht der Forschenden darauf hin, dass die Klangqualität besonders in Situationen mit Hintergrundgeräuschen und verschiedenen Schallquellen relevant ist – mit anderen Worten: in der realen Welt.

„Dies stellt die jahrzehntelange klinische Praxis in Frage, die sich in erster Linie auf das Sprachverständnis in ruhiger Umgebung als primären Maßstab für den Erfolg von Cochlea-Implantaten konzentriert hat“, sagte Berg.

Einundvierzig CI-Nutzer im Alter von 18 bis 80 Jahren nahmen an der Studie teil. Sie absolvierten eine Reihe von computergestützten Spracherkennungstests in leiser und lauter Umgebung. Außerdem beantworteten zwei Fragebögen – den Fragebogen zu Sprache, Raum und Qualitäten (SSQ) und den Fragebogen zur Lebensqualität mit Cochlea-Implantaten (CIQOL). Ein Teil des SSQ bewertet die wahrgenommene Klangqualität, die Fähigkeit, Geräusche zu unterscheiden, und die Höranstrengung. Der CIQOL misst die Lebensqualität in sechs Bereichen: Kommunikation, Emotionen, Unterhaltung, Umgebung, Höranstrengung und soziale Funktionsfähigkeit.

Evaluierung von Cochlea-Implantaten: Klangqualität liefert vollständigeres Bild

Die Gruppe plant, die Qualitätsunterschiede verschiedener Arten von Klängen, insbesondere Sprache und Musik, zu untersuchen und die Programmierung des Geräts auf der Grundlage der Platzierung des Elektrodenarrays zu optimieren. Sie betonen die Bedeutung dieser Arbeit für die Überwindung der Grenzen ruhiger CI-Testumgebungen. „Spracherkennungstests sind zwar nach wie vor wichtig, aber die Einbeziehung von Messungen der Klangqualität könnte ein vollständigeres Bild der Ergebnisse von Cochlea-Implantaten liefern und gezieltere Interventionen für die schwierigen Hörsituationen ermöglichen, mit denen Patienten in ihrem Alltag tatsächlich konfrontiert sind“, so Berg. (ja/BIERMANN)