Experten fordern verstärkte Forschung zu Sepsis6. September 2023 Foto: ©Andrey Popov/stock.adobe.com Sepsis gehört neben Herzinfarkt und Schlaganfall zu den Akuterkrankungen mit der höchsten Sterblichkeit. Auf einem Kongress in Weimar tauschen Forschende aus aller Welt Erkenntnisse aus. Die Forschung zu Sepsis muss nach Ansicht von Fachleuten verstärkt werden. „Wir brauchen im Krankenhaus eine bessere Therapie für betroffene Patienten, dafür brauchen wir eine bessere Forschung“, sagte der Generalsekretär der Deutschen Sepsis-Gesellschaft, Frank Brunkhorst, der Deutschen Presse-Agentur vor einem internationalen Kongress der Gesellschaft in Weimar am Mittwoch. Die Sterblichkeit bei Sepsis sei immer noch „inakzeptabel hoch“, sie liege zwischen 30 und 40 Prozent. Nach den Abrechnungsdaten von Krankenkassen sei in Deutschland von bis zu 300.000 Sepsisfällen jährlich auszugehen, schätzte der Intensivmediziner des Universitätsklinikums Jena. Bei Sepsis, im Volksmund oft auch Blutvergiftung genannt, gerät eine ursprünglich auf ein Organ beschränkte Infektion außer Kontrolle, die Erreger gelangen in den Blutkreislauf. Dies kann zu einem Multiorganversagen und letztlich zum Tod führen. Erreger der Ursprungsinfektion sind meist Bakterien wie Pneumokokken, Staphylokokken, Darmbakterien, aber auch Viren. So hätten in der Corona-Pandemie viele gestorbene COVID-19-Patienten eine Sepsis entwickelt, sagte Brunkhorst. Hier sei das Organversagen von der Lunge ausgegangen. Thema auf dem Kongress in Weimar sind auch die Langzeitfolgen, mit denen Sepsis-Überlebende zu kämpfen haben. Mehr als zwei Drittel der Überlebenden sind Brunkhorst zufolge davon betroffen. Das Spektrum reiche von ausgeprägten Muskel- und Nervenschädigungen in den Beinen, kognitiven Funktionseinschränkungen bis hin zu posttraumatischen Belastungsstörungen mit Panikattacken. Letztere seien desto ausgeprägter, je länger die Patienten künstlich beatmet worden seien. Anders als Spätfolgen von COVID-19 seien Sepsis-Langzeitfolgen allerdings in der öffentlichen Wahrnehmung kaum präsent, so Brunkhorst. Auch Hausärzte hätten diesen Aspekt oft nicht im Blick. Zu der bis Freitag dauernden Tagung werden nach Angaben der Fachgesellschaft rund 600 Teilnehmende aus zwölf Ländern aus Europa und Übersee erwartet. Etwa 150 Vorträge stehen auf dem Programm.
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