Exposition am Arbeitsplatz bedingt mehr als jede zehnte Lungenerkrankung3. Juni 2019 Bildquelle: ATS Laut einer gemeinsamen Erklärung der American Thoracic Society (ATS) und der European Respiratory Society (ERS) erkrankt möglicherweise mehr als jeder Zehnte infolge des Einatmens von Dämpfen, Gasen, Stäuben oder Rauch am Arbeitsplatz an einem Lungenleiden, das keine Krebserkrankung ist. Für die offizielle Stellungnahme analysierten 13 Kliniker und Forscher der beiden Fachgesellschaften zahlreiche Studien, die sich mit den Zusammenhängen zwischen berufsbedingten Gefahren und Lungenerkrankungen beschäftigten. Die Studien waren in einem Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten auf der ganzen Welt durchgeführt worden. Die Autoren stellte eine Reihe von Atemwegserkrankungen in den Mittelpunkt ihrer Untersuchung, die von Asthma und chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) über Fibrose bis hin zu ausgewählten Infektionen reichten. Krebserkrankungen der Lunge und der Pleura wurden nicht untersucht, da die Zusammenhänge zwischen Belastungen am Arbeitsplatz und diesen Leiden bereits in der Vergangenheit bewertet wurden. Auch Asbestose, Silikose und Bergarbeiter-Pneumokoniose wurden nicht in die Analyse einbezogen, da diese Erkrankungen ausschließlich arbeitsbedingt sind. „Die Rolle beruflicher Faktoren bei den meisten Lungenerkrankungen wird unterbewertet“, sagt Dr. Paul D. Blanc, Chef der Abteilung für Arbeits- und Umweltmedizin an der Universität von Kalifornien in San Francisco, der zusammen mit Dr. Carrie A. Redlich, Leiterin des Programms für Arbeits- und Umweltmedizin an der Yale University die Arbeitsgruppe leitete. „Wenn man die Bedeutung arbeitsbedingter Faktoren bei solchen Erkrankungen nicht berücksichtigt, behindert dies die Diagnose, Behandlung und vor allem die Prävention weiterer Krankheiten.“ Laut den Schätzungen der Autoren betrug der Anteil von Belastungen am Arbeitsplatz bei Asthma 16 Prozent, bei COPD 14 Prozent, bei chronischer Bronchitis 13 Prozent und bei Idiopathischer Lungenfibrose 26 Prozent. Fälle von Hypersensitivitätspneumonitis gingen der Analyse zufolge zu 19 Prozent auf eine Schadstoffbelastung am Arbeitsplatz zurück, Sarkoidose und andere granulomatöse Erkrankungen zu 30 Prozent, pulmonal-alveoläre Proteinose zu 29 Prozent, ambulant erworbene Pneumonien bei Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter zu zehn Prozent und Tuberkulose bei Arbeitern mit Silikastaubexposition zu zwei Prozent. Laut Blanc bestätigen einige dieser Befunde, insbesondere die für Asthma und COPD, frühere Bewertungen. Andere Schätzungen, wie die für idiopathische Lungenfibrose und ambulant erworbene Lungenentzündung bei Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter, belegten „ein neu erkanntes Ausmaß des Risikos“. Die Autoren der gemeinsamen Erklärung von ATS und ERS hoffen nun, dass Mediziner sich dadurch dazu veranlasst fühlen, bei ihren Patienten nicht nur die Atemwegserkrankung an sich, sondern auch den Beruf der Betroffenen zu betrachten. Die Vertreter der beiden Fachgesellschaften hoffen auch, dass ihre Einschätzung „die politischen Entscheidungsträger dazu bewegen wird, die Prävention solcher Krankheiten bei berufstätigen Frauen und Männern auf der ganzen Welt ernst zu nehmen“.
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