Fallbericht: Erfolgreiche Behandlung einer impfinduzierten thrombotischen Thrombozytopenie18. Mai 2021 Foto: ©shidlovski – stock.adobe.com ÄrztInnen der MedUni Wien und AKH Wien berichten im „Journal of Thrombosis and Haemostasis“ von der erfolgreichen Behandlung eines Falles von impfstoffinduzierter immuner thrombotischer Thrombzytopenie. Nach Impfungen gegen das Coronavirus wurde ein seltenes Syndrom von Thrombosen an ungewöhnlichen Stellen im menschlichen Körper, verbunden mit einem Mangel an Thrombozyten und einer Gerinnungsstörung (vaccine-induced thrombotic thrombocytopenia, VITT, teilweise auch als VIPIT bezeichnet), festgestellt. Das VITT-Syndrom wird höchstwahrscheinlich durch eine fehlerhafte Immunantwort verursacht, wodurch Thrombozyten-aktivierende Antikörper gebildet werden und eine Thrombozytopenie und Thrombosen entstehen. Die Sterblichkeitsrate ist hoch (40 bis 50 Prozent) und eine sofortige entsprechende Behandlung ist dringend erforderlich. Die aktuellen, bisherigen Empfehlungen sind jedoch nur empirisch und basieren auf In-vitro-Daten. An der Universitätsklinik für Innere Medizin I von MedUni Wien und AKH Wien konnte ein ÄrztInnen-Team unter Leitung des Gerinnungsspezialisten Paul Knöbl eignenen Angaben zufolge nun erfolgreich eine Betroffene mit VITT behandeln. Die Patientin sei mit niedriger Thrombozytenzahl und niedrigem Fibrinogenwert, aber noch ohne Thrombosen, an die Universitätsklinik gekommen. „Außerdem waren die D-Dimer-Werte, die auf eine Thrombose hindeuten können, sehr hoch und die Heparin-PF4-Antikörper-ELISA stark positiv. Alles Anzeichen für eine entstehende Thrombose“, eröäutert Knöbl den Fall. Die ÄrztInnen handelten rasch, auf eine Behandlung mit hochdosiert intravenös gegebenen Immunglobulin-Konzentraten, Kortison und besonderen gerinnungshemmenden Medikamenten hätte die Patientin sofort angesprochen, wodurch eine Thrombose verhindert werden konnte, gibt das Team an. Zur Gerinnungshemmung dürfen nicht die üblichen Heparinpräparate verwendet werden, da diese Thrombosen auslösen oder verschlechtern können. „Bei diesem Fall konnten wir zum ersten Mal die Wirksamkeit einer potenziell lebensrettenden Behandlungsstrategie für impfinduzierte Thrombosen beschreiben“, sagt Knöbl. Diese neuen Erkenntnisse wurden nun im „Journal of Thrombosis and Haemostasis“ publiziert. Dabei werden einerseits die aktuellen Behandlungsempfehlungen unterstützt, es wird aber auch darauf hingewiesen, dass zur Vermeidung einer lebensbedrohlichen Thrombose eine frühzeitige Diagnose und eine unverzügliche Einleitung der Behandlung notwendig sind. „Diese Erfahrung könnte eine große Hilfe zur Behandlung anderer PatientInnen mit ähnlichen Erkrankungen sein.“
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