Familiäre Hypercholesterinämie: Diagnose ohne Gentest?

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Der Fibroblasten-Wachstumsfaktor 5 (FGF-5) könnte einer neuen Analyse zufolge ein potenzieller Biomarker sein, um eine Familiäre Hypercholesterinämie auch ohne Gentest zu diagnostizieren.

Die vererbte Stoffwechselstörung Familiäre Hypercholesterinämie (FH) geht mit einem massiv erhöhten LDL-Cholesterinspiegel einher und steigert somit das Risiko für frühzeitige Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle. Eine frühe FH-Diagnose und cholesterinsenkende Therapie kann dazu beitragen, diese schwerwiegenden Ereignisse zu verhindern.

Bislang lässt sich die FH nur über einen Gentest definitiv bestimmen. Zwar ist der erhöhte LDL-Cholesterinspiegel ein Hinweis auf eine FH, kann aber auch auf eine Nichtfamiliäre Hypercholesterinämie (HC) zurückzuführen sein. Eine Analyse italienischer Wissenschaftler deutet nun darauf hin, dass der Fibroblasten-Wachstumsfaktor 5 (FGF-5) ein potenzieller Biomarker sein könnte, um Personen mit FH zuverlässig von Personen mit HC zu unter­scheiden. Davon berichten sie im „European Heart Journal“.

Die Forscher verwendeten ein Panel aus 264 Proteinen, die sie im Plasma von Patienten mit genetisch (genFH; n=244) oder klinisch (clinFH; n=105) diagnostizierter FH sowie mit HC (n=87) bestimmten. Als zusätzliche Kontrolle dienten 765 Personen ohne Hypercholesterinämie.

Um Proteine zu identifizieren, die zwischen genFH, clinFH und HC unterscheiden können, griffen Studienleiter Alberico L. ­Catapano von der Universität Mailand und Kollegen auf Maschinelles Lernen zurück. Sowohl genFH- als auch clinFH-Patienten zeigten erhöhte Plasmaspiegel von FGF-5 im Vergleich zu Kontrollpersonen (mittlere Fläche unter der Kurve [AUC] >0,990 für beide Gruppen; p<0,001) sowie im Vergleich zu Personen mit HC (mittlere AUC >0,990; p<0,001) – selbst nach Anpassung auf LDL-C-Werte. Anhand eines immunenzymatischen Assays konnten die Forscher erhöhte FGF-5-Spiegel bei genFH und clinFH in allen analysierten Kohorten nachweisen.

(ah/BIERMANN)