Familiäre Hypercholesterinämie: Viel Lipoprotein(a) erhöht Herzinfarktrisiko

© jarun011 – fotolia.com

Hohe Lipoprotein(a) [Lp(a)]-Konzentrationen und korrespondierende Lp(a)-Risikogenotypen stellen einer Studie zufolge neuartige Risikofaktoren für klinische familiäre Hypercholesterinämie dar. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Personen mit familiärer Hypercholesterinämie ihre Lp(a)-Werte messen lassen sollten, um diejenigen mit den höchsten Konzen­trationen und in der Folge dem höchsten Risiko für Herzinfarkt zu identifizieren, schreiben die Autoren.

In die prospektive Studie wurden 46.200 Teilnehmer der Copenhagen General Population Study eingeschlossen, deren Lp(a)-Werte gemessen und die auf häufige Mutationen bei familiärer Hypercholesterinämie hin genotypisiert worden waren. Bei Patienten, die cholesterinsenkende Medikamente einnahmen, wurden die LDL-Cholesterin- und Gesamtcholesterinwerte mit dem Faktor 1,43 multipliziert, was etwa einer 30 %igen Cholesterinsenkung durch die Behandlung entspricht.

In Lp(a)-Cholesterin-angepassten Analysen wurden Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin um den Lp(a)-Cholesterin-Gehalt angepasst, indem von der Lp(a)-Gesamtmasse 30 % abgezogen wurden, bevor die Gesamt- und LDL-Cholesterinwerte des Teilnehmers für die Diagnose der familiären Hypercholesterinämie  verwendet wurden. Zur klinischen Diagnose wurden verschiedene Kriterien herangezogen (Dutch Lipid Clinic Network, Simon Broome, Make Early Diagnosis to Prevent Early Death [MEDPED]).

Bei Verwendung des nicht angepassten LDL-Cholesterins betrugen die durchschnittlichen Lp(a)-Konzentrationen bei Personen, bei denen eine familiäre Hypercholesterinämie  unwahrscheinlich war, 23 mg/dl. Bei denjenigen, die möglicherweise eine familiäre Hypercholesterinämie hatten, betrugen sie 32 mg/sl und bei denjenigen, die wahrscheinlich oder definitiv eine familiäre Hypercholesterinämie  hatten, 35 mg/dl (pTrend < 0,0001). Wurde das LDL-Cholesterin jedoch um den Lp(a)-Gehalt angepasst, lagen die korrespondierenden Werte bei 24 mg/dl bei Personen mit unwahrscheinlicher familiärer Hypercholesterinämie , 22 ­mg/dl bei Personen mit möglicher familiärer Hypercholesterinämie  und 21 g/dl bei Personen mit wahrscheinlicher oder definitiver familiärer Hypercholesterinämie (pTrend=0,46).

Hohes Lp(a)-Cholesterin war für ein Viertel aller Patienten, bei denen eine klinische  familiäre Hypercholesterinämie  diagnostiziert wurde, verantwortlich und Lp(a)-Risiko­genotypen waren bei klinischer familiärer Hypercholesterinämie  häufiger, während die Lp(a)-Konzentrationen bei denjenigen mit oder ohne Mutationen einer familiären Hypercholesterinämie ähnlich waren.

Die Hazard Ratios (HRs) für Herzinfarkt betrugen – verglichen mit denjenigen, bei denen eine familiäre Hypercholesterinämie unwahrscheinlich war und die (Lp(a)-Konzentrationen ≤ 50 mg/dl aufwiesen, – 1,4 bei denjenigen mit unwahrscheinlicher FH und Lp(a)-Konzen­trationen > 50 mg/dl, 3,2 bei denjenigen mit möglicher, wahrscheinlicher und definitiver familiärer Hypercholesterinämie und Lp(a)-Konzentrationen ≤ 50 mg/dl und 5,3 bei denjenigen mit möglicher, wahrscheinlicher oder definitiver familiärer Hypercholesterinämie  und Lp(a)-Konzentrationen > 50 mg/dl. Die Verwendung unterschiedlicher Diagnosekriterien für familiäre Hypercholesterinämie  hatte keinen Einfluss auf die Resultate.

 

Autoren: Langsted A et al.
Korrespondenz: Abteilung für Klinische Biochemie, Krankenhaus Gentofte, Kopenhagen, Dänemark
Studie: High lipoprotein(a) as a possible cause of clinical familial hypercholesterolaemia: a prospective cohort study
Quelle: Lancet Diabetes Endocrinol. 2016 Jul;4(7):577-87.
Web: http://www.thelancet.com/journals