FDA lässt Gentherapie für schwere Immundefizienz zu9. April 2026 Dr. Donald Kohn mit der ersten in die Zulassungsstudie eingeschlossenen Patientin und deren Mutter. (Foto: © UCLA Health) Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat eine Gentherapie für den schweren Leukozyten-Adhäsionsdefekt Typ I zugelassen – eine genetisch bedingte Erkrankung, die durch wiederkehrende Infektionen und häufig einen frühen Tod gekennzeichnet ist. Leukozyten-Adhäsionsdefekt Typ I betrifft weltweit etwa eines von einer Million Kindern. Mutationen im ITGB2-Gen stören die normale Funktion von zwei Proteinen – CD11 und CD18 –, die gemeinsam die Chemotaxis und Akkumulation von neutrophilen Granulozyten am Ort der Infektion koordinieren. Ist dieser Prozess gestört, werden Kinder anfällig für wiederkehrende, lebensbedrohliche bakterielle und pilzbedingte Infektionen. Ohne Behandlung ist ein Überleben über das Kindesalter hinaus selten. Die Zulassung der Therapie (Marnetegragene autotemcel) basierte auf den Ergebnissen einer klinischen Studie, die von Forschenden der University of California in Los Angeles (UCLA; USA) geleitet wurde. Die Forschenden hatten neun Patienten im Alter von fünf Monaten bis neun Jahren mit schwerer LAD-I aus aller Welt in die Studie aufgenommen. Sechs Kinder wurden an der UCLA behandelt, drei in London und Spanien. Finanziert wurde die Studie von Rocket Pharmaceuticals. Gentherapie verwendet Zellen der Patienten Die einmalige Gentherapie funktioniert, indem den Blutstammzellen jedes Kindes eine gesunde Kopie des ITGB2-Gens hinzugefügt wird. Anschließend werden diese Zellen dem Kind wieder zugeführt, wodurch der Körper in die Lage versetzt wird, funktionsfähige Immunzellen zu produzieren, um Infektionen zu bekämpfen und Wunden schneller zu heilen. Durch die Verwendung der eigenen Zellen der Patienten umgeht die Therapie das Risiko einer Abstoßung durch das Immunsystem, das mit Spenderzellen verbunden ist, sowie das Risiko einer Graft-versus-Host-Reaktion. „Wir haben festgestellt, dass diese Therapie bei den von uns behandelten Patienten mit weniger kurz- und langfristigen Nebenwirkungen verbunden ist als dies häufig bei Knochenmarktransplantationen der Fall ist, die vor und nach der Transplantation eine wesentlich intensivere Chemotherapie und den Einsatz von Immunsuppressiva erfordern“, erklärte Dr. Donald Kohn von der UCLA. Alle neun Studienteilnehmer überlebten ohne die Notwendigkeit einer Knochenmarktransplantation, und es wurden keine Fälle von Transplantatversagen oder Immunabstoßung gemeldet. Die Daten zeigten zudem eine signifikante Verringerung schwerer Infektionen, die Krankenhausaufenthalte erforderten. Die vor der Behandlung erhöhten Leukozytenwerte der Kinder verbesserten sich durchweg, und die Forscher beobachteten eine anhaltende Präsenz des therapeutischen Gens sowie einen Anstieg der CD18- und CD11a-Expression, was für die Funktion des Immunsystems entscheidend ist. (ej/BIERMANN)
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