Fettgewebe ist wichtiger Replikationsort von SARS-CoV-214. Dezember 2021 Foto: ©SciePro – stock.adobe.com Adipositas ist ein wichtiger Risikofaktor für schwere Krankheitsverläufe bei Patienten mit COVID-19. Ein multidisziplinäres Forschungsteam aus dem Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie (HPI) und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) konnte nun eine wichtige Rolle des Fettgewebes für die Virusvermehrung von SARS-CoV-2 nachweisen. Überhöhtes Körpergewicht stellt weltweit eine schwerwiegende Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar. Laut Weltgesundheitsorganisation hat die Prävalenz der Adipositas in den letzten Jahrzehnten dramatisch zugenommen und mittlerweile epidemische Ausmaße angenommen. So sind etwa 39 Prozent der Erwachsenen (>18 Jahre) übergewichtig (BMI≥25 kg/m²) und 13 Prozent adipös (BMI≥30 kg/m²). Bei Kindern und Jugendlichen sind geschätzt 19 Prozent übergewichtig und sieben Prozent adipös. Die Prävalenzen können länderabhängig stark variieren. In der COVID-19-Pandemie hat sich wiederholt gezeigt, dass Adipositas ein Risikofaktor für schwere Krankheitsverläufe darstellt. Allerdings war die Rolle des Fettgewebes für die Virusinfektion und Vermehrung von SARS-CoV-2 sowie mögliche Konsequenzen für den Stoffwechsel zu großen Teilen ungeklärt. Dieser Fragestellung ging nun eine multidisziplinär angelegte Studie nach. Das Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Gülşah Gabriel (HPI) und Prof. Jörg Heeren (UKE) konnte in Autopsieproben von COVID-19-Verstorbenen zeigen, dass SARS-CoV-2 häufig im Fettgewebe von COVID-19-Patienten nachweisbar ist. Bemerkenswerterweise wurde das Virus vorwiegend im Fettgewebe von männlichen Personen nachgewiesen, die übergewichtig oder adipös waren. Bei weiblichen Personen wurde SARS-CoV-2 ebenfalls in Fettgeweben nachgewiesen, wobei es keine eindeutige Korrelation zwischen der Fettmasse und den Virus-mRNA-Spiegeln gab. In einem präklinischen Modell einer COVID-19-Erkrankung wurde zudem gezeigt, dass sich SARS-CoV-2 vom Respirationstrakt ausgehend in das Fettgewebe ausbreitet und sich dort weiter vermehrt. Dies führt zu einer lokalen Entzündung und hat Folgen für den gesamten Stoffwechsel. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die bei Patienten mit COVID-19 beschriebenen Veränderungen des Stoffwechsels durch die SARS-CoV-2-Infektion der Fettgewebe erklärbar sind“, erläutert Heeren, Professor für Immunstoffwechsel am Institut für Biochemie und Molekulare Zellbiologie des UKE. Zudem konnte in reifen Adipozyten in Zellkultur gezeigt werden, dass der intrazelluläre Fettstoffwechsel für die Ausbreitung von SARS-CoV-2 ein maßgeblicher Faktor ist. So reduziert die Blockierung des Fettabbaus durch einen Lipase-Inhibitor die Virusreplikation in reifen Adipozyten um das 100-Fache. Durch die gleichzeitige Verabreichung eines Medikamentes, welches zur Cholesterinsenkung eingesetzt wird, konnte die Replikation noch weiter unterdrückt werden. „Da es sich dabei um zwei bereits gegen andere Krankheitsbilder zugelassene Wirkstoffe handelt, könnten unsere Ergebnisse eine Basis für neue Behandlungsstrategien gegen COVID-19 darstellen“, erläutert Gabriel, Leiterin der HPI-Abteilung „Virale Zoonosen – One Health“ und Professorin für Virologie an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), die Ergebnisse.
Mehr erfahren zu: "Neue Diagnostik soll personalisierte Phagentherapie bei Mukoviszidose verbessern" Neue Diagnostik soll personalisierte Phagentherapie bei Mukoviszidose verbessern Wie können passende Phagen gegen Lungeninfektionen mit Pseudomonaden schneller gefunden werden? Ein neues Forschungsprojekt untersucht, wie flüchtige Stoffe (VOCs), die von Bakterien an die Umgebung abgegeben werden, genutzt werden können, […]
Mehr erfahren zu: "Infektionen: Wie der Körper Krankheitserreger bereits beim Einatmen erkennt" Infektionen: Wie der Körper Krankheitserreger bereits beim Einatmen erkennt Gelangen Pathogene in den Körper, springt eine Maschinerie aus Botenstoffen an, die die körpereigene Immunantwort anregt. Aber woher weiß der Körper, dass es sich um einen schädlichen Eindringling handelt und […]
Mehr erfahren zu: "Hämoglobin: Unterstützung der Lunge im Kampf gegen Grippeviren?" Hämoglobin: Unterstützung der Lunge im Kampf gegen Grippeviren? Hämoglobin kann wahrscheinlich mehr, als nur Sauerstoff durch den Körper zu transportieren: Es könnte auch Immunzellen in der Lunge helfen, Influenzaviren abzuwehren.