Fettreiche Ernährung in Kombination mit Antibiotika steht mit Darmentzündung in Zusammenhang

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Forscher der University of California, Davis (USA) haben herausgefunden, dass die Kombination aus einer westlich geprägten, fettreichen Diät und dem Einsatz von Antibiotika das Risiko für die Entwicklung einer Vorform chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (präCED) signifikant erhöht.

Die kürzlich in „Cell Host and Microbe“ veröffentlichte Studie legt nahe, dass diese Kombination die Mitochondrien in Zellen der Dickdarmschleimhaut an ihrer Arbeit hindert und zu Darmentzündungen führt.

Von einem Reizdarmsyndrom (RDS) sind etwa elf Prozent der Weltbevölkerung betroffen. Bei RDS-Patienten, bei denen Schleimhautentzündungen und Veränderungen der Zusammensetzung des Darmmikrobioms auftreten, geht man von einem präCED-Zustand aus.

Die Studie umfasste 43 gesunde Erwachsene und 49 Erwachsene mit einer RDS-Diagnose. Die Forscher ermittelten die Calprotectin-Konzentration im Stuhl und identifizierten so  bei 19 RDS-Patienten einen Zustand der präCED. Die Studienautoren stellten fest, dass Teilnehmer, die sich fettreich ernährten und Antibiotika einnahmen, ein 8,6-mal höheres Risiko für eine präCED besaßen als Teilnehmer, die sich fettarm ernährten und in der jüngsten Vergangenheit keine Antibiotika verwendet hatten. Teilnehmer mit dem höchsten Fettkonsum wiesen etwa 2,8-mal häufiger eine präCED auf als Teilnehmer mit der geringsten Fettaufnahme. Der Einsatz von Antibiotika in der jüngsten Vergangenheit allein war mit einer 3,9-mal höheren Wahrscheinlichkeit für eine präCED verbunden.

„Unsere Studie hat ergeben, dass eine Antibiotikaeinnahme in der Vorgeschichte bei Personen, die sich fettreich ernähren, mit dem größten Risiko für eine präCED verbunden ist“, erklärt Andreas Bäumler, Professor für medizinische Mikrobiologie und Immunologie und Hauptautor der Studie. „Bis jetzt hatten wir nicht richtig erfasst, wie verschiedene Umweltrisikofaktoren zusammenwirken und die Krankheit vorantreiben können.“

Anhand von Mausmodellen wurde in der Studie auch die Wirkung einer fettreichen Ernährung und des Einsatzes von Antibiotika auf die Zellen in der Darmschleimhaut untersucht. Es stellte sich heraus, dass beide Faktoren zusammen die Arbeit der Mitochondrien der Zelle stören und deren Fähigkeit der Sauerstoffverbrennung unterbinden. Dies führte zu einer Verringerung des Sauerstoffverbrauchs der Zelle und zu einem Sauerstoffaustritt in den Darm.

Höhere Sauerstoffwerte im Darm fördern bakterielle Ungleichgewichte und Entzündungen. Nützliche Bakterien gedeihen in sauerstoffarmen Umgebungen wie dem Dickdarm. Mit der Störung der Darmumgebung beginnt ein Teufelskreis, bei dem die guten Bakterien durch potenziell schädliche proinflammatorische Mikroben ersetzt werden, die sauerstofftoleranter sind. Dies führt wiederum zu einer Schleimhautentzündung, die mit präCED-Zuständen verbunden ist.

Die Studie identifizierte zudem 5-Aminosalicylat, ein Medikament als mögliche Behandlung für eine präCED. „Der beste Ansatz für einen gesunden Darm besteht darin, schädlichen Mikroben die bevorzugte Nahrung zu entziehen“, sagt Lee. „Unsere Studie unterstreicht, wie wichtig es ist, auf fettreiche Lebensmittel zu verzichten und Antibiotika nicht missbräuchlich einzusetzen, um Darmentzündungen zu vermeiden.“