Fieberhafter Harnwegsinfekt: Frühe Bildgebung schadet mehr als sie nützt

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Bei Säuglingen und Kleinkindern mit einer fieberhaften Harnwegsinfektion (UTI) kann eine zu früh durchgeführte Bildgebung zu falsch positiven Befunden führen. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die in „Hospital Pediatrics“ erschienen ist.

„Wir benötigen aktualisierte Leitlinien für Ärzte zur Bildgebung nach einer UTI-Diagnose. In der Zwischenzeit wollten wir den besten Zeitpunkt für eine Ultraschalluntersuchung von Nieren und Blase ermitteln“, erklärte die Leiterin der Studie, Dr. Melanie Marsh, Assistenzprofessorin an der Wake Forest University School of Medicine in North Carolina (USA). Aktuell lautet die Empfehlung der American Academy of Pediatrics lediglich, Patienten im Alter von zwei Monaten bis zwei Jahren mit UTI einer Ultraschalluntersuchung zu unterziehen, um anatomische Anomalien in den Nieren, der Blase oder den Harnwegen festzustellen.

„Es ist üblich, dass Patienten diese Ultraschalluntersuchung während ihres Krankenhausaufenthalts erhalten, aber wir wollten herausfinden, ob es einen Unterschied macht, ob sie am Tag der Diagnose oder kurz vor der Entlassung durchgeführt wird“, erklärte die Medizinerin.

Fieber beeinflusst die Ergebnisse

Dazu werteten die Forschenden die Krankenakten von etwa 300 Kindern aus, die zwischen 2018 und 2022 in fünf Kliniken hospitalisiert worden waren. Dabei stellten sie fest, dass Ultraschalluntersuchungen, die innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem letzten Fieber eines Kindes durchgeführt wurden, signifikant häufiger abnormale Ergebnisse zeigten, von denen viele sich dann wieder normalisierten und wahrscheinlich mit dem vorübergehenden Fieber zusammenhingen.

„Ultraschalluntersuchungen, die später während des Krankenhausaufenthalts durchgeführt wurden, hatten ein geringeres Risiko für falsch positive Ergebnisse“, erklärte Marsh. „Und das bedeutet eine geringere Wahrscheinlichkeit für zusätzliche und invasive Tests.“

Wenn ein erster Ultraschall abnormale Ergebnisse zeigt, ist der nächste Schritt eine Miktionszystourethrographie (VCUG), die eine Katheterisierung und Strahlenbelastung beinhaltet.

Unnötige Untersuchungen vermeiden

„Familien stehen bereits unter enormem Stress, wenn ihr Kind ins Krankenhaus eingeliefert wird“, erklärte Marsh. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine kurze Verzögerung bei der Bildgebung dazu beitragen kann, unnötige Untersuchungen zu vermeiden und gleichzeitig sicherzustellen, dass Kinder eine sichere und angemessene Versorgung erhalten.“

Die Ergebnisse zeigten auch, dass das Warten bis zum Abklingen des Fiebers und bis kurz vor der Entlassung aus der Klinik den Krankenhausaufenthalt letztlich nicht verlängerte.

„Diese Studie hilft Ärzten, das richtige Gleichgewicht zwischen der Vermeidung unnötiger Verfahren und der Sicherstellung zu finden, dass schwerwiegende Erkrankungen nicht übersehen werden“, erklärte Marsh. „Sie gibt Kinderärzten praktische, evidenzbasierte Leitlinien an die Hand, die sie in der realen Krankenhauspraxis anwenden können.“

Die Autoren weisen darauf hin, dass weitere Studien erforderlich sind, aber ihre Ergebnisse könnten Kinderärzten zeitnah Orientierung bieten. (ej/BIERMANN)