FLS-Care am LMU Klinikum in München: Sekundärprävention bei Osteoporose18. März 2026 Foto: wophovid.com/stock.adobe.com Forschende des LMU Klinikums in München haben im Rahmen einer Innovationsfonds-Studie den „Fracture Liaison Service“ (FLS) erprobt. Wie es aufgebaut ist und wie es bundesweit umgesetzt werden könnte war Thema eines Symposiums am LMU Klinikum. Alltag in deutschen Kliniken: Viele Menschen – meist Frauen, meist Ältere bis Hochbetagte – werden mit Knochenfrakturen eingeliefert, die durch Osteoporose verursacht sind. 2019 waren es über 830.000 Brüche. Doch eine Primärprävention, wie etwa konsequente medikamentöse Vorbeugung oder anderen Maßnahmen wie Bewegung, findet in Deutschland so gut wie nicht statt. Kaum besser sieht es bei der Sekundärprävention nach dem ersten Bruch aus. Was Osteoporose bedeutet, machen weitere Zahlen für 2019 deutlich: Seinerzeit waren knapp 7,7 Millionen Menschen in Deutschland am Knochenschwund erkrankt. Allein 155.000 hüftnahe Frakturen wurden registriert – Tendenz steigend. Die durch Osteoporose bedingten Folgekosten beliefen sich auf 13,8 Milliarden Euro, ein Anstieg um 4,8 Milliarden Euro gegenüber 2010. Gleichzeitig lag die Versorgungslücke bei Hochrisikopatientinnen bei 76 Prozent. „Osteoporose bedingte Frakturen sind kein Randthema, sondern eine zentrale Versorgungsaufgabe in einer alternden Gesellschaft“, sagt Wolfgang Böcker, Direktor des Muskuloskelettalen Universitätszentrum München (MUM. Trotz klarer wissenschaftlicher Belege für die Wirkung der Sekundärprävention bleibt die leitliniengerechte Diagnostik und Therapie der zugrunde liegenden Osteoporose nach einem ersten Bruch in vielen Fällen unzureichend umgesetzt. Internationale Konzepte wie der FLS adressieren diese Versorgungslücke durch strukturierte, interdisziplinäre Behandlungsprogramme. FLS: Übergang vom Krankenhaus zur ambulanten Versorgung ist entscheidend In diesem Sinne haben die Experten des MUM ein neues, an das deutsche Gesundheitssystem angepasstes Versorgungsmodell entwickelt. Kernpunkt: Sobald Patienten mit einem Knochenbruch eingeliefert und in der Klinik behandelt werden, erfolgt automatisch eine gezielte Diagnostik. Wird dabei eine Osteoporose erkannt, leiten die Ärzte sofort eine medikamentöse Therapie ein, um weitere Knochenbrüche zu verhindern. Das Konzept soll die eklatante Versorgungslücke zwischen stationärer und anschließender ambulanter Therapie bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten schließen und langfristig sowohl individuelle Krankheitslast als auch systemische Versorgungskosten zu senken. „Dafür“, sagt FLS-Koordinatorin Pia Kühn, „braucht es informierte Patienten und eine flächendeckende Akzeptanz.“ Fehlende Strukturen verhindern bedarfsgerechte Therapie „Unser Konzept trägt der Realität einer hochaltrigen, häufig multimorbiden und mobilitätseingeschränkten Patientengruppe Rechnung, für die der Zugang zur ambulanten spezialisierten Versorgung oftmals eine erhebliche Hürde darstellt“, erklärt Dr. Ulla Stumpf, stellvertretende Leiterin des osteologischen Schwerpunktzentrums am LMU Klinikum. Sie wird beim Symposium Struktur, Implementierungsstrategie und erste Erfahrungen des FLS vorstellen. „Nicht fehlendes Wissen“, ergänzt Wolfgang Böcker, „sondern fehlende Strukturen verhindern oft eine moderne, bedarfsgerechte Therapie der Grunderkrankung Osteoporose. Jetzt braucht es klare Zuständigkeiten, verlässliche Finanzierung und sektorenübergreifende Versorgungspfade.“
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