Förderpreis für Früherkennung bei kindlichen Hirntumoren

v.l.n.r.: Prof. Christof Kramm, Universitätsmedizin Göttingen (UMG), Dr. Lea Friker, Universitätsklinikum Bonn, und Dr. Peter Meier, 1. Vorsitzender der Niedersächsischen Krebsgesellschaft. (Foto: © Niedersächsische Krebsgesellschaft)

Das Kinderonkologische Zentrum der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat zusammen mit dem Institut für Neuropathologie des Universitätsklinikums Bonn den Förderpreis 2023 der Niedersächsischen Krebsgesellschaft erhalten. Ausgezeichnet wird ein gemeinsames Projekt, um die Entstehung erblich bedingter bösartiger Hirntumore bei Kindern und Jugendlichen frühzeitig zu erkennen. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.

Neben Leukämien stellen Tumore des Gehirns und des Rückenmarks die häufigsten Krebsarten im Kindesalter dar, darunter die hochgradigen Gliome. Sie sind mit zirka einem Fall pro 100.000 Kinder zwar sehr selten, haben aber keine gute Prognose.

In einem gemeinsamen Projekt von Prof. Christof Kramm, Leiter des Kinderonkologischen Zentrums und Ärztlicher Leiter der Abteilung Pädiatrische Hämatologie und Onkologie der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), Dr. Lea Friker, Ärztin in Weiterbildung, sowie Dr. Gerrit H. Gielen, Oberarzt, beide vom Institut für Neuropathologie des Universitätsklinikums Bonn, wurden Tumorproben von Kindern und Jugendlichen mit bösartigen Hirntumoren in einer klinischen Studie untersucht. Dabei konnten Patienten mit Verdacht auf einen DNA-Reparatur-Defekt im Rahmen eines erblichen Tumorsyndroms erkannt werden. Menschen mit einem erblichen Tumorsyndrom haben gegenüber der Allgemeinbevölkerung eine erhöhte Neigung zu Tumoren aus einem bestimmten Tumorspektrum. Durch die Untersuchung konnten allen betroffenen Familien eine humangenetische Beratung und bei humangenetischer Bestätigung eine Teilnahme an einem spezifischen Vorsorgeprogramm empfohlen werden. Ein solches Vorsorgeprogramm bei erblichen Tumorerkrankungen kann Leben retten, da man so Krebserkrankungen frühzeitig erkennen und besser behandeln kann.

Die Niedersächsische Krebsgesellschaft würdigt das Projekt „Etablierung eines neuen Screening-Verfahrens zur Früherkennung eines erhöhten familiär vererbbaren Krebsrisikos bei Kindern und Jugendlichen mit bösartigen Hirntumoren“ mit dem Förderpreis 2023. Die Preisverleihung fand Anfang Februar 2024 anlässlich des Benefizkonzerts der Niedersächsischen Krebsgesellschaft in Hannover statt.

„In der von uns untersuchten Patientengruppe in der aktuellen klinischen Studie HIT-HGG-2013 konnten wir bei sechs von 127 Kindern mit hochgradigen Gliomen ein erbliches Tumorsyndrom identifizieren und sie so in ein engmaschiges Vorsorgeprogramm bringen. Das Screening-Verfahren stellt ein schnelles, preiswertes, leicht durchführbares und einfach auswertbares Verfahren dar, das ohne großen Aufwand weltweit in die neuropathologische Routinediagnostik von Kindern und Jugendlichen, aber auch von Erwachsenen mit bösartigen Hirntumoren integriert werden kann“, erklärte Kramm.

Neben dem Screening-Projekt der Göttinger und Bonner Wissenschaftler wurde ein zweites Forschungsvorhaben, das Projekt „Onkohelfer“ aus dem Comprehensive Cancer Center Hannover der Medizinischen Hochschule Hannover, ausgezeichnet. Der Förderpreis der Niedersächsischen Krebsgesellschaft wird jährlich vergeben und ist mit 5000 Euro dotiert.