Förderprogramm zur Forschung seltenen Stoffwechselkrankheiten erfolgreich genutzt15. Juni 2020 Laborchemisch zeichnen sich beide Krankheiten durch charakteristische Muster der organischen Säuren im Urin aus. (Foto: © Giovanni Cancemi) Erstmals liegt jetzt ein umfassender Überblick aller weltweit beschriebenen Fälle zweier seltener angeborener Krankheiten vor, bei denen der Ketonkörperstoffwechsel gestört ist. Mit dem Überblick wurde eine Grundlage geschaffen für eine umfassende ärztliche Beratung betroffener Familien. Prof. Jörn Oliver Sass von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) konstatiert als einer der Autoren, dass die Prognose für eine normale Entwicklung der erkrankten Kinder sehr gut ist. HMGCLD (3-hydroxy-3-methylglutaryl-coenzyme A lyase deficiency) ist eine Stoffwechselkrankheit, bei der die Aminosäure Leuzin nicht richtig abgebaut wird und Ketonkörper nicht im üblichen Maß gebildet werden können. Ketonkörper sind vor allem als Energieträger für den Körper bekannt und können in Hungerphasen einer Unterzuckerung entgegenwirken. Bei MATD (2-methylacetoacetyl-coenzyme A thiolase deficiency), einer weiteren Erkrankung, können Ketonkörper zwar gebildet werden, doch können sich diese Säuren anstauen, weil ihre Verwertung gestört ist. Beide Krankheiten werden vererbt und gehören als seltene angeborene Stoffwechselstörungen zum Forschungsgebiet von Sass, der im Fachbereich Angewandte Naturwissenschaften und im Institut für Funktionale Gen-Analytik (IFGA) der H-BRS tätig ist. Im Förderprogramm „Zeit für Forschung“ des Wissenschaftsministeriums des Landes NRW widmet sich Sass drei Jahre lang intensiv diesem Thema und legt nun im letzten Jahr der Förderung zwei weitere Publikationen vor. Sass hat zusammen mit PD Dr. Sarah Grünert vom Pädiatrischen Stoffwechselzentrum der Uniklinik Freiburg für die Studie weltweit gesucht und nicht mehr als 211 (HMGCLD) bzw. 244 (MATD) in der Fachliteratur dokumentierte Patienten gefunden. Laborchemisch zeichnen sich beide Krankheiten durch charakteristische Muster der organischen Säuren im Urin aus. Eine Bestätigungsuntersuchung kann durch spezifische Enzymaktivitätstests und Genanalysen erfolgen. Zwei Fünftel der Patienten mit HMGCLD wurden schon als Neugeborene symptomatisch, 80 Prozent im ersten Lebensjahr. Dies unterstreicht eine besondere Bedeutung der Ketonkörper-Bildung schon bald nach der Geburt. Trotz oft früher und schwerer Stoffwechselkrisen ließ sich für die Mehrzahl der HMGCLD-Patienten eine normale Entwicklung zeigen. Beim MATD-Mangel gab es bei 90 Prozent der bekannten Patienten mindestens eine Stoffwechselentgleisung. Zur ersten Krise kam es meist in den ersten beiden Lebensjahren, aber kaum in der Neugeborenenzeit und nicht mehr nach dem achten Geburtstag. In Einzelfällen präsentierten sich die Betroffenen nicht mit akuten Entgleisungen, sondern mit chronischen neurologischen Symptomen. Bei 75 Prozent der beschriebenen Patienten war die Entwicklung unbeeinträchtigt und ohne neurologische Auffälligkeiten. Es scheint besonders wichtig zu sein, dass die erste Entgleisung des Stoffwechsels früh erkannt und angemessen behandelt wird.
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