Forscher finden bei Kindern und Jugendlichen Zusammenhang zwischen Zöliakie und häufigen Umwelttoxinen

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Erhöhte Blutspiegel giftiger Chemikalien aus Pestiziden, Kochgeschirr mit Anti-Haft-Beschichtung und Feuer hemmende Mittel sind laut neuen Forschungsergebnissen mit einem erhöhten Risiko für eine Zöliakie bei jungen Menschen verbunden.

Wissenschaftler von der New York University Grossman School of Medicine, die die Studie geleitet haben, berichten, dass bei Kindern und junge Erwachsenen mit einem hohen Pestizidspiegel und hohen Konzentrationen von Dichlordiphenyldichlorethylenen (DDE) im Blut – doppelt so häufig eine Zöliakie neu diagnostiziert wird wie bei Altersgenossen ohne solche hohen Werte.

Die Forscher stellten in der Studie auch fest, dass bei der Zöliakie im Zusammenhang mit toxischen Expositionen geschlechtsspezifische Unterschiede bestehen. Bei Frauen, die die Mehrheit der Zöliakie-Fälle ausmachen, bedeutete eine überdurchschnittlich hohe Pestizidexposition, dass sie mindestens achtmal häufiger glutenunverträglich wurden. Junge Frauen mit einer erhöhten Konzentration von Rückständen aus Anti-Haft-Chemikalien (Perfluoralkoxy-Polymere oder PFA) und einer Exposition gegenüber Teflon, litten fünf- bis neunmal häufiger an Zöliakie. Bei jungen Männern hingegen wurde die Krankheit doppelt so häufig diagnostiziert, wenn sich in ihrem Blut erhöhte Konzentration von Feuer hemmenden Substanzen (polybromierte Diphenylether oder PBDE) fanden.

Mitautor Leonardo Trasande erklärt, dass weitere Studien erforderlich sind, um zu zeigen, dass diese toxischen Chemikalien eine direkte Ursache für Zöliakie sind. Er betont jedoch, dass alle genannten Substanzen dafür bekannt sind, zu Störungen der Hormonspiegel von Tier und Mensch zu führen, was der Schlüssel zur Kontrolle sowohl der sexuellen Entwicklung als auch der Immunabwehr gegen Infektionen ist.

Ältere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Zöliakie weitgehend genetisch bedingt ist. und von den Eltern an die Nachkommen weitergegeben werden. Trasande und seine Kollegen wollten untersuchen, ob ein Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber Toxinen in der Umwelt und dem Risiko für eine bestimmte Immunerkrankung besteht, die direkt von den Hormonspiegeln beeinflusst wird, wie beispielsweise die Zöliakie.

„Unsere Studie stellt die erste messbare Verbindung zwischen der Exposition gegenüber toxischen Chemikalien in der Umwelt und der Zöliakie her“, sagt Seniorautor Jeremiah Levine. „Diese Ergebnisse werfen auch die Frage auf, ob es potenzielle Zusammenhänge zwischen diesen Chemikalien und anderen Autoimmunerkrankungen des Darms gibt, die alle eine genaue Überwachung und weitere Untersuchung erfordern“, sagt Levine.

Trasande glaubt, dass wenn weitere Studien ähnliche Zusammenhänge zeigen, solche Ergebnisse als Beweis dafür dienen könnten, dass die zugrunde liegende Ursache für viele dieser Autoimmunerkrankungen nicht nur genetisch, sondern auch umweltbedingt sein kann.

Für die Studie hatten die Forscher die Konzentratonen von toxischen Chemikalien im Blut von 30 Kindern und jungen Erwachsenen im Alter von 3 bis 21 Jahren gemessen, bei denen am NYU Langone Hassenfeld Kinderkrankenhaus eine Zöliakie neu diagnostiziert worden war. Die Testergebnisse wurden mit denen von 60 anderen jungen Menschen ähnlichen Alters, Geschlechts und ähnlicher ethnischer Zugehörigkeit/Abstammung verglichen.