Forscher klären Rolle der B-Zellen bei MS7. September 2018 Foto: © Alexandr Mitiuc – Fotolia.com Ein Schweizer Forscherteam hat nachgewiesen, dass bei Multipler Sklerose nicht allein bestimmte T-Zellen zu den Entzündungen und Schädigungen im Gehirn führen. Mitverantwortlich sind auch B-Zellen. Sie aktivieren im Blut die T-Zellen. Ein Team der Universität Zürich (UZH), des Universitätsspitals Zürich (USZ) und des schwedischen Karolinska Instituts unter der Leitung von Prof. Roland Martin und Immunologin Dr. Mireia Sospedra hat nun einen entscheidenden Aspekt in der Entstehung und Entwicklung von MS entschlüsselt. “Wir konnten erstmals zeigen, dass bestimmte B-Zellen – die antikörperproduzierenden Zellen des Immunsystems – jene T-Zellen aktivieren, die die Entzündung im Gehirn und die Schädigung der Nervenzellen auslösen”, erklärte Martin, Leiter des Klinischen Forschungsschwerpunkts Multiple Sklerose der UZH. Rolle der B-Zellen als “Mittäter” entlarvt Bis vor Kurzem konzentrierte sich die MS-Forschung vor allem auf die T-Helfer-Lymphozyten. “Auf die Spur, dass auch die B-Zellen eine wichtige Rolle in der Pathogenese spielen, führten uns MS-Medikamente wie Rituximab und Ocrelizumab”, erklärte Martin. Diese beseitigen die B-Zellen, was die Hirnentzündung und die Krankheitsschübe der Patienten sehr wirksam hemmt. Die konkrete Rolle der B-Zellen ermittelten die Forschenden mit Hilfe eines experimentellen In-vitro-Systems, mit dem Blutproben untersucht werden können. Im Blut von MS-Betroffenen zeigte sich eine erhöhte Aktivierung und Zellteilung jener T-Zellen, die sich gegen die körpereigenen Nervenfaserhüllen richten. Auslöser waren B-Zellen, die mit den T-Zellen interagieren. Wurden die B-Zellen eliminiert, hemmte dies sehr wirksam die T-Zellvermehrung. “Damit”, so Martin, “ist es uns gelungen, den bisher noch unklaren Wirkmechanismus dieser MS-Medikamente zu entschlüsseln.” Aktivierte T-Zellen wandern ins Gehirn Das Team entdeckte zudem, dass sich unter den aktivierten T-Zellen im Blut insbesondere solche befinden, die bei Krankheitsschüben von MS-Patienten auch im Gehirn auftreten. Vermutlich sind sie für die Entzündungsherde verantwortlich. Weitere Untersuchungen zeigten, dass diese T-Zellen Strukturen eines Proteins erkennen, das sowohl von den B-Zellen wie auch von Nervenzellen im Gehirn produziert wird. Nach der Aktivierung im peripheren Blut wandern die T-Zellen ins Gehirn ein, wo sie das Nervengewebe zerstören. “Unsere Resultate erklären nicht nur, wie die neuen MS-Medikamente wirken, sondern bahnen auch den Weg für neue Ansätze in der MS-Grundlagenforschung und -therapie”, folgert Martin. Originalpublikation: Jelcic I. et al.: Memory B Cells Activate Brain-Homing, Autoreactive CD4+ T Cells in Multiple Sclerosis. Cell, 30. August 2018
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